Semele München - Barockes Feuerwerk mit singenden und tanzenden Göttern

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Georg Friedrich Händel Semele Bayerische Staatsoper 7.10.2026

Semele München - Barockes Feuerwerk mit singenden und tanzenden Göttern

Im Juli 2023 feierte die Neuproduktion von Georg Friedrich Händels Oper nach Art eines Oratoriums Semele Premiere im Prinzregententheater bei den Opernfestspielen in München. Nunmehr kehrt die erfolgreiche Koproduktion mit der Metropolitan Oper New York im Nationaltheater der Bayerischen Staatsoper zurück. Die um 30 Minuten gekürzte Fassung in der Regie von Claus Guth begeistert wiederum mit eleganten modernen Kostümen von Gesine Völlm, phantasievollen Kreationen in Federkleidern für Jupiters Begleiter, bildgewaltigen Videos von Rocafilm und einer subtilen Choreographie von Ramses Sigl.

Claus Guth inszeniert die antike Geschichte von der Liebesbeziehung der thebanischen Königstochter zum Gott Jupiter und ihr eitles Drängen nach Unsterblichkeit als modernes lebendiges Märchen ohne jeden sozialen und gesellschaftkritischen Diskurs. Wir erleben in einem hell ausgeleuchteten weißen Festsaal ( Michael Levine Bühne ) die Hochzeitsgesellschaft, im zweiten Akt verwandelt sich dieser in eine löchrigen Unterweltstempel mit vielen hängenden Federkleidern als Symbol der Verkleidung Jupiter als Adler sowie der Bewacher Semeles. Wiederum dunkel mit hängenden Federvorhängen beginnt der letzte Akt bevor wir in den feierlichen Prunkssaal erneut für die Hochzeit, diesmal der Schwester Semeles Ino mit Athames zurückkehren.

Das überaus spielfreudige erstklassige Sängerensemble zeigt sich in der letzten Aufführung der Wiedersufnahme ansteckend in bester Laune und Lockerheit. Als Jupiter begeistert Michael Spyres mit seinem geschmeidigen lyrischen Tenor. Leicht fliessen die Koloraturen, mit Gefühl phrasiert er seine Arien. Um die Laune seiner angebeteten Semele aufzuheitern schwingt er gekonnt das Tanzbein und steppt sich zumindest in die Herzen des Publikums.

Das gelingt umso mehr Jakub Jozef Orlinski. Der Pole ist für seine Break Dance Leidenschaft berühmt und liefert eine eindrucksvolle Kostprobe seines Könnens. Aber seine sängerischen Qualitäten als der düpierte Bräutigam Athames, der am Ende mit der Schwester Semeles sein Glück findet, überzeugen noch mehr. Die Kraft und Farben seines Countertenor versprühen barocken Flair im Haus, in der Abschlussarie zeigt er sich in den mörderischen Koloraturen frisch und locker. Präzise gleitet er durch die fein abgestimmten Tonreihen, setzt Akzente und emotionale Vielfalt.

In der Titelrolle zeigt sich Louise Alder als selbstbewusste junge Frau in ihren Gefühlen aufgewühlt. Angestachelt von Jupiters Frau Juno wandelt sie sich zur unerschrocken Fordernden. Von der Göttlichkeit geblendet, mutiert sie sehr gekonnt dargestellt zur Erstarrten. Die Wandlungsfähigkeit ihrer Stimme, untermauert ihr szenisches Rollenspiel. Gekonnt führt sie ihren Sopran, hochkonzentriert sind ihre herausfordernden Koloraturen und gefühlvoll gestaltet sie ihre Arien. Ihre Stimme bleibt geschmeidig weich bis in die hohen Lagen.

Ihre Gegenspielerin um Jupiters Gunst und dessen Ehefrau Juno wird von Marina Viotti mit guten Gespür für humorvolle Ernsthaftigkeit umgesetzt. Mit Brille mutiert die großgewachsene Schweizerin zu einer lakonischen leicht dämonischen auf Rache sinnende Rivalin. Dunkel ist ihre Stimme gefärbt dies unterstützend.

Mit Avery Amereau ist Semeles Schwester Ino ebenso treffend besetzt. Auch sie bewegt sich elegant und sicher auf der Bühne und kann ihren emotionalen Wandel von enttäuschter geheim Liebender zur glücklichen Braut glaubhaft mit ihrem lyrischen Mezzosopran umsetzen.

Auch die Nebenrollen sind durchgängig bestens besetzt. In Doppelrollen erfreuen Sarah Dufresne als Iris und Wedding Planer sowie Sam Carl als Cadmus und Somnus. Roman Chabaranok ist ein honorer Hohepriester und Michael Butler aus dem off ein hell klingender Apollo.

Am Pult des Bayerischen Staatsorchester gestaltet Leonardo Garcia Alarcon einen disziplinierten verhaltenen Händel, hier hätte mehr Inspiration zusätzliche Farbe in der Breite bringen können. Mitunter zeigen sich auch unsaubere Einsätze und Unstimmigkeiten bei den Streichern. Viel Augenmerk legt er auf den Chor der Bayerischen Staatsoper, der auch bestens vorbereitet brilliert.

Großer Jubel im ausverkauften Haus.

Dr. Helmut Pitsch

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