Sehens- und hörenswerte Umsetzung von Rossinis Einakter Il signor Bruschino im Stream aus München

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Sehens- und hörenswerte Umsetzung von Rossinis Einakter Il signor Bruschino im Stream aus München

Il signor Bruschino ist die letzte von fünf komischen Operneinakter, die Gioacchino Rossini zwischen 1810 und 1813 für Venedig komponierte und wurde am 27. Januar 1813 im  Teatro San Moise uraufgeführt. Die anderen dieser „farse“ sind La cambiale di matrimonio, L´inganno felice, La scala di seta und L´occasione fa il ladro. Diese Einakter waren am Ende des 18. und Anfang des 19.Jahrhunderts in Venedig eine sehr beliebte Operngattung nach einfachem Prinzip. Kleines Ensemble, immer ein Liebespaar, komische Partien und eine Intrige mit gutem Ausgang. Hier sind Florville und Sofia das Liebespaar. Florville spannt die Intrige, um Gaudenzio, dem Vormund seiner geliebten Sofia die Zustimmung zur Hochzeit zu entlocken. Dabei werden Bruschino Vater und dessen Sohn, der eigentlich nach einem Hochzeitsversprechen Sofia hätte ehelichen sollen, seine Opfer. Im Rahmen der ständigen Suche nach in Vergessenheit geratenen Werken werden diese Einakter nunmehr immer wieder von verschiedenen Häusern in Szene gesetzt. So auch jetzt am Nationaltheater in München, das immer wieder Montags musikalische Kostbarkeiten serviert.

Marcus H Rosenmüller hat sich seinen Ruf als Regisseur von Kinofilmen und Fernsehdokumentationen erarbeitet. Unter seinen preisgekrönten Werken hat der Kinofilm „Wer früher stirbt, lebt länger“ ein breites Publikum für sich gewonnen. Der Filmwelt bleibt er auch pfiffig witzig und intelligent in dieser, seiner zweiten Arbeit für das Nationaltheater in München treu.

Geschickt aufgemacht setzt er die Handlung sehr schlüssig in vielen Details im Stil des legendären Stummfilms um. In einem ausgefeilten kreativen Kostümmix aus Barock und 19. Jahrhundert, wenigen Requisiten wie Kleiderstange, Tische mit moderner Nähmaschine und Bett wird die Welt des frühen schwarz weiß Films nachempfunden. Selbst die Bildqualität wird angepasst, indem immer wieder dunkle Schleier oder Striche über den Bildschirm flirren, die Ränder sind abgerundet und dunkel schwammig matt. Die Maske schminkt dunkle Augenhöhlen, zieht Augenbrauen und Lider dunkel nach. Das Orchester ist im Hintergrund sichtbar. Dahinter werden auf großflächigen Videos Wolkenbewegungen simuliert.

Die Oper wurde für ein kleines Orchester, bestehend aus einer Föte, zwei Oboen und KLarinetten, einem Fagott, zwei Hörnern, Streichern sowie Basso continuo für die Secco Rezitative komponiert. Antonino Fogliani hat die Leitung inne und kann mit der würzig spritzigen Musik zu dieser Komödie kreativ umgehen. In anspruchsvollem Tempo mit akzentuiertem Volumen und subtil gewürzter Arbeit in den musikalischen Details schafft auch er eine stimmige musikalische Umsetzung.

Die Sängerbesetzung ist bestens ausgewählt und lässt sich im Spiel gut dem Ambiente integrieren. 

Den knorrigen Gaudenzio mimt der großgewachsene, korpulente Misha Kiria, der auch väterliche Liebe für sein Mündel ausstrahlt und dessen Bass sehr geschmeidig geführt werden kann und auch Volumen bietet. Sein aufgewecktes Mündel Sofia gestaltet Emily Pogorelc mit einer frischen Koloraturen sicheren Sopranstimme. Paolo Bordogna zeichnet Bruschino Vater mit der nötigen Mischung aus Naivität und Arroganz mit versierter Stimmführung. Dessen missratenen Sohn mimt Andres Agudelo in Transvestiten Verkleidung mit Stöckelschuhen, Frauenkleidern und hochgesteckter Turmperücke. Den gewieften Tausendsassa und einfallsreichen Liebhaber Florville verleiht Josh Lovell einen geschmeidigen Tenor, der souverän jeden Ton trifft und schön singt, sich aber selten mit viel Schmelz öffnet. Edwin Crossley-Mercer zeigt wiederum als Filiberto seinen eleganten Bariton sicher intonierend in München.

Stumm endet die Komödie, die zwei buckligen Diener Gaudenzios halten in Stummfilmmanier das Schild „Ende der Oper“ in den Händen. Applaus bleibt aus, den sich diese wirklich unterhaltsame und musikalisch hochwertige Aufführung für alle Beteiligten lautstark verdient hätte – ein Bravo auf diesem Weg.

 

Dr. Helmut Pitsch

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