Salzburg: Metzmacher/ Nigl ehren das Künstlerduo Henze/Bachmann zum 100. Geburtstag

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Hans Werner Henze Der Prinz vonHomburg Salbzurger Festspiele 20.8.2026

Salzburg: Metzmacher/Nigl ehren das Künstlerduo Henze/Bachmann zum 100. Geburtstag

Wahre Vorfälle von Befehlsverweigerungen lieferten den Stoff, aus dem Heinrich von Kleist sein Schauspiel "Prinz Friedrich von Homburg" schuf. Es war dies sein letztes und die Uraufführung 1821 erlebte er nicht.

Die Handlung vom jungen Prinz Friedrich zu Homburg, der als militärischer Befehlshaber, wodurch auch immer, einem Befehl nicht gehorchte und sein Heer zum Sieg führte, wird durch Kriegsrecht zum Tode verurteilt. Seinen Bitten, sowie denen seiner angebeteten Natalie von Oranien gibt der Kurfürst von Brandenburg wahrhaft klug nach und lässt den Angeklagten über sich selbst urteilen. Der Prinz erkennt die Rechtmäßigkeit seiner Schuld und nimmt ehrenhaft die Strafe an. Die Anerkennung der Gerechtigkeit und die heroisch edle Gesinnung veranlassen den strengen Herrscher und Richter zu Milde und Gnade.Das Schlafwandeln des Prinzen, die Todesfurchtszene oder auch die Zeichnung verschiedener Charaktere lösten heftige Kritik der Zeitgenossen Kleists aus.

Ingeborg Bachmann und Hans Werner Henze verband eine enge Freundschaft, beide erkoren Rom zu ihrem letzten Lebensmittelpunkt. Beide prägten die furchterregenden Kriegsjahre und die Zerstörungen des zweiten Weltkrieges. Beide feiern dieses Jahr ihren 100. Geburtstag. Ein Grund zu feiern und dieses gemeinsam geschaffene Werk Der Prinz von Homburg konzertant zur Aufführung zu bringen.

Henze sah in der Figur des Prinzen von Homburg die Institutionalisierung eines sensiblen Helden, eines Träumers mit einem neuen Wertekatalog. Nach längerem Zuwarten deutete Bachmann den Text neu, kürzte und verfasste das Libretto in ihrer eigenen Sprache. Beide arbeiteten innig miteinander an ihrer Schöpfung, er wirkte auf den Text, sie auf die musikalische Deutung ein. In Ergebnis ein Schauspiel mit Musik, ein Lob auf Schwärmer, Träumer, die trotzdem entscheiden und Ehrgefühl zeigen. Die Musik zeigt die Zerrissenheit und Vielfalt der Gefühle, die sich überlagern. Militärische Rhythmen stehen für die strukturierte Umgebung mit der der Held in Zwietracht steckt. Das ungebrochene Vordringen der Handlung wird so auch gut zum Ausdruck gebracht. Der Zuhörer wird unbewusst in das Geschehen hineingesogen.

Ingo Metznacher, ein anerkannter Spezialist für zeitgenössische Raritäten, kann diese An - und Absichten der Schöpfer gekonnt herausarbeiten. Das ORF Radio - Symphonieorchester ist ebenso erfahren in der Moderne und brilliert mit Präsenz und exaktem Zusammenspiel. Gerade die rhythmisch geprägte Partitur mit Tonsprüngen, überlagerten Stimmführungen fordert heraus.

Dies gilt auch für das erstklassige Sängerensemble. Die Rezitative sind verschnörkelt, die Worte in Silben auf Tonsprüngen zerlegt. Lautmalerisch werden Stimmungen, Sensibilität zur Tonsprache. Eine Aufgabe, die Georg Nigl sehr gerne in seiner Laufbahn als gefeierter Bariton sucht. Sein Prinz wird in seinen Ängsten Träumen und seiner Würde lebendig. Seine Interpretation ist menschlich, sein Ausdruck ergreifend und echt. Mit Maximilian Schmitt steht ihm ein honoriger gesetzter Kurfürst als Herrscher vor. Tanja Ariane Baumgartner ist dessen ruhende Gattin. Kathrin Zukowski ist die ungestüme romantische junge Nichte, die für Liebe und Ideale kämpft. Lauri Vasar und Anthony Robin Schneider gefallen als Feldmarshall und Obrist Kottwitz.

Großer Jubel in der ausverkauften Felsenreitschule als stimmungsvoller Rahmen.

Dr. Helmut Pitsch

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