Russische Begegnungen mit Seele in München

Xl_2022_3.akademiekonzert_c.macelaru_c_w.hoesl

3. Akademiekonzert Nationaltheater München 11.1.2022

Bayerisches Staatsorchester Dirigent Cristian Macelaru

Russische Begegnungen mit Seele in München

 

Der rumänische Dirigent Cristian Macelaru hat seine Ausbildung in Amerika erhalten als auch weite Strecken seiner Karriere dort verbracht. Seit 2017 leitet er das Cabrillo Festival für zeitgenössische Musik. Auch als Operndirigent hat er dort Erfolge gefeiert. In Europa ist er seltener zu hören, bei dem bayerischen Staatsorchester hat er aber bereits in 2017 debütiert.

Jetzt kehrt er mit einem eindrucksvollen Programm russischer Komponisten zurück. Zu Beginn steht mit Islamey von Mili A. Balakirew ein selten, aber stimmungsvoll folkloristisches Werk auf dem Programm. 1869 ürprünglich für Klavier komponiert wurde es 1912 von dessen Schüler Sergej M. Ljapunow als Teil eines Ballettabends als Orchesterfassung instrumentiert. Mili Balakirew gilt als Mitglied der Komponisten Gruppe das „mächtige Häuflein“, die sich ohne klassische institutionelle Ausbildung ruhmreich in der Musikgeschichte einen Platz erkämpften. Als Autodidakt begann der 1836 Geborene bereits früh zu komponieren. 1869 verbrachte er mehrere Monate in Georgien und studierte dort die Volksmusik, die von vielen Einflüssen zwischen Okzident und Orient geprägt ist. Daraus ist ein technisch höchst anspruchsvolles, aber selten gespieltes Bravourstück „Fantasie orientale“ entstanden. Die nun gespielte Orchesterfassung läßt eine bunte Klangwelt von orientalischem Zauber in impressionistischen Farben, aber auch eingängigen tänzerischen folkloristischen Weisen entstehen. Cristiabn Macelaru´s Dirigat wirkt verhalten und im Schwung gedeckelt. Zackig getrimmt ist der Rhythmus streng und die vielfältigen Melodien bleiben unterrepräsentiert.

Im folgenden Werk der Symphonie in three movements für Orchester von Igor Strawinsky aus 1949 kommt der technisch streng am Taktschlag haftende Dirigierstil Macelarusw gut zum Tragen. Igor Strawinskys expressionistischer Kompositionsstil entwickelt seine Reize im Spiel mit ausgefeilter Rhythmik, die in seinen zahlreichen Werken für Ballettmusik gipfelt  Die Symphonie ist eine Zusammenführung von drei Einzelstücken, die aus unterschiedlichen Anläßen über vierJahre entstanden und zu einer Einheit zusammengeführt wurden. So kam es auch zu zwei Instrumentalsolisten, dem Klavier und der Harfe. Das schwungvolle Werk endet mit Anklängen des Jazz, der neuen Heimat des Komponisten geschuldet.

Zum Abschluß erklingt Sergej Rachmaninows dritte Symphonie a Moll, die der nach Amerika emigrierte Komponist aber in zwei Aufenthalten in der Schweiz 1935 und 1936 schuf  Auch dieses Werk umfaßt nur drei Sätze. Die Elegie des langsamen ersten Satzes streicht der Dirigent in der sehr aufmerksamen Führung des Orchesters heraus. Diesmal übt er engen Blickkontakt mit dem Musikern und weist jeden Einsatz präzise an. Piani und crescendi werden ausgeprägt gestaltet. Dabei behält er den lebendigen Fluß im Auge. Stark punktierte Rhythmen unterstreicht er mit Spannungspausen. Romantische Naturstimmungen mit knappen Motiven fühlen sich wie muntere Vogelstimmen an. Sehr lebendig werden Bilder ausmusiziert und zum Ende hin ein stürmisches mitreißendes Finale mit kräftigen Steigerungen herausgestrichen. Eine eindrucksvolle Interpretation zeigt am Ende beim Publikum große Wirkung. Lautstarker langer Beifall aus dem nur zu 25% pandemiebedingt besetzten Zuschauerraum.

Dr. Helmut Pitsch

| Drucken

Mehr

Kommentare

Loading