Politisches Drama zwischen Liebe und Inquisition Don Carlo in Grange Park

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Grange Park Opera ist ein weiteres Beispiel feinster englischer Operntradition. Vor drei Jahren aus der Trennung von The Grange Opera, einem weiteren Festival entstanden, gelang es dem engagierten Management Team innerhalb kürzester Zeit ein modernes zweckmässiges Opernhaus auf dem malerischen Landsitz West Horsley zu errichten. Der halbrunde Ziegelbau steht mitten im Park, durch Blumen- und Obstgärten, in denen natürlich die unabdingbaren Picknicks stattfinden, pilgert der Besucher zu dem schlichten Musiktempel.Unabdingbar sind die grosszügigen privaten Spenden, die solche Mammutprojekte möglich machen und ein reges Musik- und Kulturleben fördern. Professionelles Managen und wirtschaften mit einem grossen Kunstverständnis sowie ein aktives Teamleben mit regem Austausch zu den Förderern sichern den Bestand zahlreicher Veranstaltungen auf der britischen Insel und sind Vorbilder für das Kulturleben in Europa. Giuseppe Verdi war ein politisch aktiver Komponist im 19. Jahrhundert, hatte einen Sitz im italienischen Parlament und kämpfte für die italienische Vereinigung und Staatsgründung. Die Rolle der Kirche und Religion unter Papst PIus IX in diesem politischen Prozess war ihm zuwider. Seine Oper Don Carlo öffnet den grössten Einblick in seine politischen Gefühle und zeichnet scharf die Rolle der Monarchie und Kirche in Umbruchprozessen, wie auch während seinen Lebzeiten.

Dieser politischen Botschaft im Werk widmet sich Jo Davies in ihrer Regie. Ihr Bühnenbildner Leslie Travers schafft ihr mit einem dunklen Bühnenbild die Kälte und Nüchternheit des spanischen Absolutismus mit seinem Zentrum in dem Kloster El Escorial. Zwei schwarze bewegliche Wände sind schräg zur Bühnenmitte ausgerichtet, und öffnen sich um einen quadratischen Mittelblock aus einem Gitter bestehend aufzunehmen. Dieser ist Klosterkapelle, Gruft, Garten und Gefängnis zugleich. So kann ohne viel Aufwand und Zeit das Bühnenbild szenengerecht verändert werden. Die Kostüme halten sich in schlichter Form auch an die Zeit des Geschehen im 16. Jahrhundert. Das Vorspiel in Fontainebleau fehlt so bleibt das Geschehen auf Spanien begrenzt. Wirkungsvoll ist das Autodafe mit einfachen Mitteln gelöst, wenn Jo Davies das Herrscherpaar vor den Opfern der Inquisition Platz nimmt und dem grausamen Verbrennungsritual zusieht. Der Liebesgeschichte rund um Elisabeth und dem Infanten Don Carlo gibt sie auch nur ein passendes düsteres Bild. Viel Kerzenlicht und offenes Feuer spenden etwas warmes Licht.

Wirkungsvoll ins Zentrum des Geschehens singt und spielt sich der Kanadier Brett Polegato als Marquis von Posa. Sein Rodrigo ist der strahlende Held, der sich für seinen Freund und Idealismus opfert. Ausgestattet mit einem samten unterlegten Bariton, der breit angelegt ist, kraftvoll in die Höhe wirbelt und voluminös die Mittellage abdeckt besitzt er auch darstellerisches Talent und bewegt sich sicher auf der Bühne. Leonardo Capalbo braucht Zeit mit seinem Tenor um als Don Carlo Schmelz und Gefühle auszudrücken. Marina Costa-Jackson ist in Nevada geboren, aber in Sizilien aufgewachsen und bringt Gespür für die italienische Sprache auf die Bühne. Klangschön ist ihr Sopran, fein und warm in der Mittellage, in den Spitzentönen verdünnt er sich. Ruxandra Donose ist eine elegante, liebevolle Eboli, deren Mezzo keine rächerische Schärfe zeichnet. Herrschaftlich satt und vom Alter gezeichnet überzeugt Clive Bayley als regierungsmüder, von Leben enttäuschter König Philipp II. Branislav Jatic kann ihm als Grossinquisitor mit kleiner Bassstimme wenig entgegensetzen.

Gianluca Marciano schafft im Orchestergraben einen vollen romantischen sehr italienischen Orchesterklang. Wohl ausgeglichen im Tempo und Lautstärke gibt es eine treffliche Balance zwischen und mit den Sängern. Er lässt die heldenhafte Eide wie auch die Liebesbekenntnisse aufblühen, genauso zeichnet er den Ausdruck der imperialen Gewalt markig und vollmundig. Der Zuhörer spürt die Erfahrung des English National Opera Orchesters als Opernorchester. Nur wenige Chormitglieder treten auf, aber ausreichend, um Volk und Hof eine Stimme zu geben. Viel Beifall und Begeisterung für diese gelungene und einfühlsame Umsetzung verdianischer Gefühlswelten. Dr. Helmut Pitsch

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