Parsifal in München eine Inszenierung von trauriger Gestalt, die die Musik erlöst

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Traurig lauert die kleine Gralsrittergemeinde im armselig tristen entlaubten Wald. Alles wirkt verkohlt und in Endzeitstimmung. Das kümmerliche Bühnenbild von Georg Baselitz ist nicht ein grosser Wurf. Da helfen auch nicht die grossen Vorhänge mit seinen typischen auf den Kopf gestellten Figuren im zweiten und dritten Akt. Alles bleibt absonderlich apokalyptisch im Bühnengeschehen. Der Gral versteckt sich in einer abstrakten Holzkonstruktion und entpuppt sich als blutiges Herz. Geschmacklos wird es aber erst durch die völlig abstrusen Ideen der Köstumbildnerin Florence von Gerkan, die die Gralsritter zuerst in wuchtige unförmige Mäntel steckt, derer sie sich dann in der Regie von Pierre Audi entledigen müssen. Dann stehen die armen Chorsänger in fleischfarbenen Bodysuits da, die ihre Körperformen in fleischigen Fettmassen mit baumelden übergrossen Genitalien darstellen. Gleiiches Schicksal ereilt die herrlich singenden Blumenmädchen. In ihrem Outfit, die Nacktheit entstellend, wäre eher ein Gekrächze oder Gekreische optisch zu erwarten.

Im Vergleich zu seinen nackten wandelnden Rittern wirkt da Michael Nagy als todgeweihter leidender Amfortas wie ein schillerndes strotzendes Fotomodell in seinem hellen Outfit ein seltener Lichtblick. Auch stimmlich überzeugt er mit klarer Intonation und frischer heller Stimme, aber wenig erbarmungswürdig. Das ist eher der wirklich torhaft wirkende Burkhard Fritz innder Titelrolle. Unförmig und unsicher in seinen Bewegungen verlässt ihn zum Ende hin seine Stimmkraft und er rettet sich über die letzten Einsätze. Immer wieder schleicht er von der Bühne und lässt Kundry oder Gurmemanz allein. Dessen unbeeindruckt zeigt Nina Stemme in vollster Pracht die Vielfalt und Kraft ihrer Stimme. Beeindruckend schmettert sie ihre Urlaute in den Raum, um gleich wieder lyrisch die verstörte Wilde zu mimen. Ein Höhepunkt des Abends ist sicherlich der Beginn des zweiten Aktes, das Treffen von Kundry und Klingsor. Diesen stellt strotzend bestens verständlich der junge Australier Derek Welton dar mit einem weichen vollen Bariton. Dem Handlungsablauf gibt Rene Pape mit seiner ausdrucksvollen Gestaltung der Rolle des Gurnemanz viel Struktur und Spannung. Vollmundig ohne schwer zu sitzen klingt sein Bass romantisch liedhaft, gut verständlich und fliessend.

Das Geschehen und die Geschichte dominiert Kirill Petrenko am Pult des bestens vorbereiteten bayersichen Staatsorchesters. Er überspielt die mangelhafte einfältige Regie und das öde Bühnenbild und bringt Farben, Kraft, Gefühle und gestalterische Ideen ins ausverkaufte Nationaltheater. Detailarbeit in allen Instrumenten. So kommen wunderbare Bläserpassagen, Angst einflössende Trommelwirbel und wohlig umhüllende Streicherklänge aus dem Graben. Er spielt mit den Lautstärken wohl dosiert und nie übersteuert. Wuchtige Überschüttungen fehlen in seiner Interpretation, sein Wagnerbild ist transparent knisternd. Die Leitmotive herausstreichend führt er durch die Sagenwelt wie ein Erzähler und Erlöser von dem dürftigen abstossenden Bildern auf der Bühne. Das Publikum dankt herzlich und begeistert.

Dr. Helmut Pitsch

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