Paquita - Das Mariinsky Ballett in Perfektion bei den St. Petersburger White Nights Festspielen

Xl_img_0531 Für Ballett und Opernfans aus Mitteleuropa hat der Name Mariinsky eine besondere Anziehungskraft. Nicht nur, dass viele russische Opern und Balletts hier zuerst gespielt wurden und unter der Zarenherrschaft viele Künstler aus Europa dort wirkten, sondern gerade jetzt unter dem künstlerischen Leiter Valery Gergiev wird der Ruf des Theaters durch das ausgezeichnete Orchester als auch jungen Künstler/innen in die Welt getragen. Im Juni , zur Zeit der kurzen „weißen Nächte", findet in diesem geschichtsträchtigen Opernhaus oder besser Kulturkomplex das große Musikfestival „Stars of the white Nights" statt. Sie ist eine der größten internationalen klassischen Veranstaltungen Russlands und jährt sich diesmal zum 27. mal. Neben dem ersten aus 1860 stammenden prachtvollen Opernhaus wurde unter großzügiger Beteiligung privater Sponsoren ein großangelegtes Gebäude mit einem weiteren größeren Opernhaus Mariinsky II und einer Vielzahl von Konzertsälen unterschiedlicher Größe errichtet und 2006 eingeweiht. Ein wahrer Kulturtempel an dem nirgends gespart und immer auf Qualität geachtet wurde. So mit Veranstaltungssälen gut ausgestattet ist das Festspielprogramm entsprechend vielschichtig und abwechslungsreich aus Ballett, Oper, symphonischen Konzerten, Lieder- und Soloabenden gestaltet. Mit seiner eigenen Ballettcompagnie verfügt das Mariinsky über eine der besten im internationalen Vergleich. Noch heute sind die Balletschulen im Lande gut frequentiert und der klassische Tanz wird zur Perfektion gelehrt. Ein Meisterwerk russischer klassischer Choreographie kann der Besucher einer Aufführung von Paquita mit der Musik von Ludwig Minkus in der Gestaltung von Marius Petipa erleben. Der Franzose kam 1847 nach St. Petersburg, nachdem auf grund einer Liebesgeschichte Madrid verlassen musste. Er blieb sieben Jahre und hinterliess ein grosses Erbe als prägende Persönlichkeit des klassischen Balletts. Seine Choreographien werden immer wieder rekonstruiert und hier wurde am Ende des dritten Aktes das Werk einem Highlight von historischen Grand pas Variationen gestaltet von Yuri Burlaka ergänzt. Die naturalistische romantische Inszenierung mit großen gemalten Bühnenbildern von Landschaften, Häusern oder Innenräumen wirkt frisch und nimmt gleich ein. Dunkel ist es im Inneren des Palastes mit vielen grossen alten Gemälden an den Wänden, aus dem das Kind von Zigeunern entführt wird, das zu dem hübschen Zigeunermädchen Paquita heranwachsen wird und in das sich der junge Adelige Andrés verliebt. Um seine Liebe zu beweisen, zieht er mit den Zugeunern weiter und macht bei der reichen Witwe Station. Dort verliebt sich deren Tochter Carducha in den adretten jungen Mann und inszeniert aus Eifersucht und verschmähter Liebe einen Diebstahl. Bei der Aufklärung wird die edle Abstammung Paquitas entdeckt und die beiden Liebenden können heiraten. Die Geschichte setzt Petipa in klaren schlanken Tanzfolgen um. Dazwischen baut er typisch solistische Szenen und Gruppenfolgen ein. Primaballerina Viktoria Tereshkina glänzt mit Ihrer grazilen Statur und technisch perfekten Haltung und Schritt auf der Spitze. Schwungvoll leicht bewegt sich Timur Askerov. Seine Drehungen sind bis zur letzten Bewegung, seine Sprünge hoch und sicher im Abgang. In ihren Pas de deux bleiben die beiden in Eleganz harmonisch vereint mit einem anmutigen Lächeln. Konzentration und Anstrengungen werden höchstprofessionell überspielt. Die abschließende Hochzeitsfeier ist zusammengesetzt aus den dokumentierten Grand Pas verschiedener grosser Ballerinen - zum Teil auch aus Balletten. Dieses in Memoriam demonstrieren die aktuellen Primaballerinen musterhaft in Perfektion. Ein Leckerbissen für Ballettfans, die am Ende begeistert ihre Lieblinge feiern. Besonderen Szenenapplaus bekommt der Nachwuchs, der in zwei großen Einlagen sein Können und frühe Perfektion beweist. Musikalisch malt zu den grazilen schwungvollen Bewegungen Valery Ovsyanikov mit dem Orchester des Mariinsky Theaters romantische Klangwelten mit feinen Rhythmen und wohl ausgearbeiteten Tempi, so dass am Ende alles passt und viel Beifall belohnt. | Drucken

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