Osterfestspiele Salzburg - Glanzvolle Rückkehr der Berliner Philharmoniker

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Osterfestspiele Salzburg Orchesterkonzert 29.3.2026

Osterfestspiele Salzburg - Glanzvolle Rückkehr der Berliner Philharmoniker

Das Konzert für Violine und Violoncello a moll op 102 von Johannes Brahms steht im engen Bezug zur Freundschaft und musikalischen Partnerschaft mit dem Geiger Joseph Joachim, einer der führenden Künstler seiner Zeit. Das auch Doppelkonzert genannte Opus entstand 1887 und ist ein Haupteerk der Hochromantik. Die Klangwelt ist üppig in seinen Harmonien, die Motive ausgeprägt.

Die Berliner Philharmoniker sind nach einer mehrjährigen Unterbrechung nach Salzburg als Orchester der Osterfestspiele zurückgekehrt. Vielleicht soll die Auswahl des Konzertes auch die Freundschaft des Orchesters mit den Osterfestspielen besiegeln und neu gestalten, wie dies Brahms und Joachim gelang. Als Solisten fungieren Mitglieder des Orchesters. Noah Bendix-Balgley ist erster Konzertmeister und Bruno Delepelaire erster Solicellist. Beide treten immer wieder als Solisten auf und sind Mitglieder in Streichquartetten oder anderen Formaten.

Am Pult steht mit Tugan Sokhiev ein international gefragter Gastdirigent. Er führt das große Orchester in der Begleitung auffallend zurückhaltend ohne Akzente zu setzen. Die Orchesterparts wiederum nutzt er mit vollem Volumen und erdrückender Phonzahl. Die Lautstärke überdeckt feine Melodieführung. So entsteht romantische Farbe im wesentlichen im Solopart des Cellos. Delelepaire führt sein Instrument mit Feingefühl und nutzt den melancholisch weichen Ton, um die Motive mit Ausdruck präsent zu machen. Unterstützt vom samtenen Klang seines historischen Cellos fließt ihm der tragende Part zu. Bendix-Balgley bleibt in seinem Solospiel zu ruhig wie auch zu leise und kann hier nicht ebenbürtig gestalten, klingt aber auch gefühlvoll in seiner Interpretation.

Mit ihrer Zugabe, einem von den beiden transkribierten Ungarischen Tanz von Johannes Brahms begeistern sie das kräftig applaudierende Publikum vor der Pause.

Hector Berlioz verfasste seine Symphonie fantastique im Alter von 27 Jahren. Sein opus Nr 14 ist heute sein Meisterwerk und die Programmusik mit autobiographischen Zügen um die unerfüllte Liebe eines jungen Künstlers steht zwischen Klassik und Romantik. Das fünfsätzige Werk malt musikalische Bilder einer stürmischen Begegnung, einer walzerseligen Verbindung, der eine Flucht aufs idyllische pastorale Land folgt. Expressive Dramatik schildert der vierte Satz, der Gang zum Richterplatz, dem ein wildes Treiben der Hexen im Finale folgt.

Trotz dieser reichen Harmonik und Melodik steht das Werk auch im Aufbau im Zeichen der klassischen Kompositionslehre. Wirkt der erste Satz in der Interpretation von Tugan Sokhiev noch breit und flach, entwickelt sich in den folgenden eine ausdruckstarke und spannende Klangsprache. Es entstehen wahrnehmbar Bilder im großen Festspielhaus. Mitreissend und packend malt das Orchester eine schwungvolle Ballathmosphäre. Mit gleicher Hingabe bewegen wir uns auf ländlichen Pfaden, intim und froh ist die Naturstimmung. Aufwühlend erlebt der Zuhörer eine Hinrichtung, die Aufregung und die lärmende Masse erfüllt den Raum. Der Hexensabbat übergießt förmlich die Anwesenden die am Ende jubeln.

Die Berliner Philharmoniker stellen unter Sokhiev ihre Klasse unter Beweis und bilden ein sicheres Fundament für die erfolgreiche Zusammenarbeit mit den Salzburger Osterfestspielen.

Dr. Helmut Pitsch

Copyright Stefan Rabold

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