© Frol Podlesnyi
Richard Wagner Das Rheingold Osterfestspiele Salzburg 6.4.2026
Osterfestspiele Salzburg feiern mit einer exotisch mystischen Neuinszenierung von Wagners Rheingold einen Neuanfang
Groß und erleuchtet prangen die Buchstaben Rheingold über der Bühne der Felsenreitschule in Salzburg. Mit der PR-technisch gefeierten Rückkehr der Berliner Philharmoniker zu den Osterfestspielen nach Salzburg starten diese ein über mehrere Jahre angelegtes Großprojekt mit einer Neuinszenierung von Richard Wagners Ring des Nibelungen. Die Parrallelität zur Gründung und der Eröffnung der ersten Osterfestspiele 1967 durch Herbert von Karajan und den Berliner Philharmonikern, damals mit einer Aufführung der Walküre, ist ebenso offensichtlich und bewusst.
Als Regisseur wird der aktuell gehypte Kirill Serebrennikov verpflichtet. Er hat sich ein Grundkonzept von Kontinenten und Jahreszeiten für die vier Abende überlegt. So steht Winter und Afrika am Anfang für Das Rheingold. Er zeichnet auch für Bühne und Kostüme verantwortlich. Wiederum dominieren unsägliche düstere Videos großflächig über der Bühne. Bereits zur wunderbar mystisch aufsteigenden Ouvertüre muss Alberich als nackter Wilder durch eine schwarze Vulkanlandschaft mit Schneefeldern - eher Island als Afrika- rennen, das Gesicht schwarz bemalt, der Kopf glatt rasiert. Ein Wasser oder etwas den Rhein ähnelnd erreicht er trotz allen Aufwandes nicht. Trotzdem erscheint er in einer Decke gehüllt bei den Rheintöchtern, die einen Eisberg in einer schwarzen von einem Lavaerguss gebildeten Umgebung auf der Bühne hüten. Dieser wird später als Rheingold von Alberich zerstückelt. Davor entspinnt sich ein flacher Dialog mit den Rheintöchtern, die wie asiatische Götter mit ihrem goldenen Kopfschmuck anmuten. Originell wirken sie mit zwei Statisten, auf denen die Rheintöchter sich mit Stöcken bewegen und deren Beine wie Tentakeln geführt werden.
Die Götter halten mit ein paar Holzplanken, die auf Stumpfen in der Landschaft gelegt werden, Einzug in eben dieser trostlosen Endzeitlandschaft. In weißen Sackkleidern mit Turban muten sie wie arabische Händler an. Die Riesen tragen mächtigen Kopfschmuck, afrikanischen Schnitzereien nachempfunden, ihre Gestalt in Größe wachsen lassend. Loge kommt als Helfer in der Not mit einem Karren, auf dem sich ein rotbuntes rundes Zelt befindet, wie ein kleiner Wanderzirkus mit einem akrobatischen Assistenten .
Die Nibelungen sind dunkle Gestalten, wieder die Statisten, die bereits die Rheintöchter getragen und begleitet haben. Der Tarnhelm ist wie ein großer römischer Helm, den Mime von der Bühne trägt. Später wechselt der Helm seine Form. Gold geschmückt wie ägyptische Sklaven bringen die Nibelungen ihren Schatz, um Ihren Herrscher auszulösen. Erda fährt aus dem Untergrund in langen zottigen Lumpen gehüllt. Zum Einzug in Walhall werden die Götter wenig göttlich sitzend auf Brettern von der Bühne getragen. Die Videoleinwand zeigt einen zerstückelten Regenbogen. Transparente Schilder mit Figuren werden ringförmig hochgezogen, vermutlich die nach Walhall auffahrenden Götter.
Es gibt viele Ideen, multikulti ist der Ansatz, die ein Märchen über die Menschen und die Gesellschaft bilden sollen. Vieles ist überflüssig, wie ein Ballettgruppe, die wild herumhopst oder die erdrückenden Videos auf großer Leinwand. Der Betrachter muss der Überfrachtung konzentriert folgen, um nicht verloren zu gehen. Das ermüdet und bricht den Spannungsbogen. Serebrennikov bleibt hier insgesamt gemäßigt und die Handlung wird nicht vergewaltigt.
Mit großer Spannung wurde die Rückkehr der Berliner Philharmoniker erwartet und insbesondere das Dirigat deren Chefdirigenten Kirill Petrenko. Und er erfüllt alle Erwartungen bzw brilliert mit einer klaren transparenten unaufdringlichen und in ihrer Kompaktheit mitreißenden Interpretation. Die Tempi gut gewählt arbeitet er viele Details heraus und lässt die Themen durchschimmern. Seine Interpretation der Musik Richard Wagners ist erfrischend leicht und zugänglich, das Orchester spielt in höchster Präzision.
Den Sängern lässt er ausreichend Raum, um verständlich ihre Auftritte zum Besten zu geben. Auf das Rollendebüt von Christian Gerhaher als Wotan wurde ebenso gewartet, in Salzburg ist er nun als Gottvater zu erleben. Seine Stimme ist vom Lied geprägt und in dieser für ihn tiefen Partie kann er seine Vorzüge nicht einsetzen. Es fehlt die Wucht und der göttliche Machtanspruch vielmehr ist die Wirkung salbungsvoll hadernd. Seine Wortdeutlichkeit besticht.
So wird Loge in der Darstellung von Brenton Ryan der wichtige Spieler um göttliche Macht und scharfsinnige Drahtzieher. Diabolisch kernig ist sein Gesang, frech sein Spiel. Die Rolle des Alberich bekommt durch die Dominanz der Videos viel Gewicht, aber die sängerische und darstellerische Leistung von Leigh Melrose wird dem auf der Bühne ebenbürtig. Es fehlt ihm aber die kernige dunkle Fülle als Herrscher in der Tiefe. Thomas Cilluffo liefert einen runden gerissenen Mime. Le Bu und Patrick Guetti als die Riesen Fasolt und Fafner zeigen kräftige Stimmen. Catriona Morison als Fricka vermittelt wenig göttliche Austrahlung und bleibt stimmlich farblos. Mit viel Charisma und warmer einnehmender Stimme überzeugt Jasmin White als Erda.
Großer Beifall im ausverkauften Haus, Jubel für das Orchester und Kirill Petrenko. Für das Regieteam vornehme Zurückhaltung mit einigen ablehnenden Buhs zur Premiere.
Musikalisch ein starkes Zeichen aus Salzburg, szenisch weniger vielversprechender Start für den neuen Ringzyklus. 2027 folgt Walküre, 2029 Siegfried und 2030 soll das Projekt mit Götterdämmerung abgeschlossen sein.
Dr. Helmut Pitsch
06. April 2026 | Drucken
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