© Marco Borelli
Wolfgang Amadeus Mozart Lucio Silla Salzburger Festspiele 2.8.2026
Optische Fadesse und gesanglicher Gleichklang ziehen Lucio Sillas Herrschaft in die Länge
Zur schwungvollen ausdrucksstarken Ouvertüre zur Oper Lucio Silla des 17 jährigen Wolfgang Amadeus Mozart werden dem Publikum die Vorgeschichte und die handelnden Personen an die Wand der Felsenreitschule in Salzburg projeziert und erläutert. Die Verantwortliche dieser semi szenischen Aufführung Birgit Kajtna-Wöring hat nicht wirklich zündende Ideen für eine optische Gestaltung, noch weniger hat dies aber Bernadette Salzmann, die die vier Sängerinnen, davon zwei Hosenrollen, geschlechtsneutral alle in schwarze Hosen und weiße Hemden steckt. Lediglich der Titelheld kriegt etwas Farbe in roter Jogginghose. Als Mobiliar gibt es einen Schreibtisch für den Tyrannen rechts vom Orchester und einen halb bearbeiteten Marmorblock als Grabmal des getöteten Widersachers links vom Orchester. Ab und an werden die malerischen Arkaden im Hintergrund benutzt.
Lucio Silla tyrannisiert Rom und begehrt Giunia, die Tochter seines getöteten Widersachers Marco. Diese schwört ewige Liebe und Treue Cecilio, ebenso ein verfolgter Widersacher des Tyrannen. Cinna, Sillas vermeintlicher Freund, plant dessen Sturz unf wird aber von Sillas Schwester Celia begehrt.
Ein antiker Stoff, typisch für die barocke opera seria dieser Zeit. Der junge Mozart zeigt sich bestens mit der Kompositionsrechnik der Da capo Arien und Accompagniato Rezitativen, die die Handlung schwerlich voranbringen, vertraut.
Als Besetzung für die beiden Hosenrollen hat sich die Salzburger Intendanz für die Sopranistin Martina Russomanno als Cinna und die Mezzosopranistin Xenia Puskarz Thomas entschieden, die neben den beiden Sopranistinnen Nina Solodovnikova als Giunia und Lilit Davtyan als Celia sich farblich nicht abheben. Allen vier jungen Sängerinnen gelingt eine ausdrucksstarke und gesanglich fein und technisch sehr versierte Darbietung. Im Zusammenklang erreichen sie zu wenig Differenzierung. Dieses einheitliche Gefüge wird auch optisch durch quasi identische Kleidung verstärkt. Vielleicht hätte ein Countertenor oder die ursprüngliche Besetzung mit Sara Blanch als Giunia hier für mehr Farbigkeit gesorgt.
Giovanni Sala steht der Damenfront als kampfwilliger Titelheld gegenüber, der trotz prächtig aufspielendem Tenor seine Ambitionen nicht durchsetzen kann und am Ende seine Macht aufgibt und für ein lieto fine sorgt.
Mit Krücken nähert sich Adam Fischer bewegungseingeschränkt dem Dirigentenpult. Mit dem Stab in der Hand zeigt er sich umso erfrischender im Dirigat des Mozarteumorchester Salzburg. Hier wird ein junger Mozart geehrt, der mit unerschöpflicher Phantasie und Präzision Themen und Harmonien produziert und dies durch die Instrumente variiert. Dabei zeigen sich Gefühlswelten und seelische Zustände mit feinen Abstufungen. Auf diese legt Adam Fischer großen Wert und findet diese auch im Dirigat heraus. Das Orchester als auch der Bachchor Salzburg überzeugen.
Großer Jubel im ausverkauften Haus.
Dr. Helmut Pitsch
05. August 2026 | Drucken
Kommentare