Oper Dubai Die arabische Kultur präsentiert die erste klassische Oper

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Oper Dubai 15.12. 2021 Weltpremiere Al Wasl von Mohammed Fairouz

Oper Dubai - Die arabische Kultur präsentiert die erste klassische Oper

Dubai, die Stadt, das Emirat strebt nach Bestleistungen. Gigantomanie und Rekorde pflastern die aufstrebenden Jahrzehnte des kleinen aber reichen Staates am persischen Golf. Dabei blickt das Volk auch auf eine alte Kultur und bedeutende Geschichte zurück. Nun gibt es ein weiteres außerordentliches Ereignis in dem umtriebigen Land. Gemeinsam mit der Weltausstellung, die zur Zeit dort stattfindet, beauftragte die Oper Dubai Mohammed Fairouz als Komponisten für die erste arabische Oper, deren Welturaufführung nun hier stattfindet.

Verbindung bedeutet der Titel Al Wasl in arabisch und ist gleichzeitig der alte Name Dubais. Die Handlung des zweistündigen Werkes beabsichtigt die Geschichte Dubais als Bindeglied von Kulturen und Zvilisationen zu erzählen und nimmt auch Bezug auf die Leitmotive der Expo 2020 Nachhaltigkeit, Mobilität, Möglichkeiten. 1000 Jahre Geschichte werden lebendig sowie die Innovationskraft des Emirats sollen Platz finden. Ein hoher Anspruch an das Libretto, welches Maha Gargash schuf. In blumiger und bildreicher Sprache angelehnt an die Arabische Dichtkunst werden inhaltliche Episoden aneinander gehängt, deren Bindeglied erst am Ende durch das zur Zeit meistzitierte Wort Nachhaltigkeit erkennbar wird.

Gesungen wird in englischer Sprache, für die szenische Umsetzung auf der Bühne wurde eine Kooperation mit der Welsh National Opera geschlossen. Deren Intendant Sir David Pountney hat auch die Regie übernommen. Hell ist die Bühne ausgeleuchtet, Seiten- und Rückwände werden laufend verschoben oder hochgezogen, um die Bühnengrösse zu verändern. Kaum werden Bühnenaufbauten benutzt. Bildhaft wird die Bedeutung von Kultur gelehrt. Khalil und sein Sohn finden zu Beginn den goldenen Ring, Saruq al Hadid genannt. Jenes bedeutendeste archäologische Fundstück Dubais aus der Eisenzeit. Es ist auch das graphische Symbol der Expo 2020. Ein Objekt ohne Anfang und Ende, wie auch die Geschichte der Zvilisation so gesehen werden soll.

Einem geschäftstüchtigen Goldschmidt wird ein gutes Geschäft ausgeschlagen, eine Ballettszene bringt uns in die Jetztzeit und die Einweihung des Flughafens als Anbindung an die große Welt. Ein, für die Wirtschaftsleistung der Region so wichtiger asiatischer Leiharbeiter telefoniert im nächsten Bild mit seiner Tochter und vermittelt sein einsames Schicksal im Emirat, um die Ausbildung seiner Tochter in der Heimatt zu finanzieren. Als ausgebildete Psychotherapeutin wird sie später ihren dementen Vater im Rollstuhl pflegen. 

Nach der Pause gibt es mit bewegten Bildern einen theamtischen Sprung hin zu Klimawandel und Naturkatastrophen. Ein Mädchen wird aus einem verschütteten Haus gerettet, um aus dieser Erfahrung heraus Klimatologin zu werden. Als angesehene Wissenschaftlerin spricht sie ein Plädoyer für den Naturschutz und im letzten Bild schließt sich der Kreis, der Ring des Lebens. Khalil und sein Sohn pflanzen einen Baum.

Musikalisch bewegt sich der Komponist an den Grenzen der Harmonie und Melodik, verarbeitet arabisch anmutende Rhythmik und Klänge. Zumeist wird im Sprechgesang von den Solisten erzählt, mit unter klingen ariöse Melodien an. Das Orchester unter der Leitung von Justin Brown begleitet kammermusikalisch transparent. Die Instrumentalstimmen treten klar hervor. Schlagzeug und Trommeln sowie arabische Saiteninstrumente verstärken die orchestrale Klangwelt. Der Zuschauer kann sich in diese gut einhören, wird mitgenommen und vereinnahmt. Die Sänger und Sängerinnen werden bedauerlicherweise in den zugänglichen Informationen nicht namentlich genannt. Die Protagonisten sind durchgängig gut besetzt und gestalten Ihr Rollenbild auch schauspielerisch rund. Ein gut einstudierter Damenchor tritt immer wieder in unterschiedlichen Rollen auf. Die Balletteinlagen lockern geschickt auf.

Insgesamt ist die Welturaufführung gut vorbereitet und wird vom Publikum sehr positiv aufgenommen. Thematisch und inhaltlich konnten die Anforderungen getroffen werden. Die schlichte szenische Gestaltung ist optisch sehr ansprechend. Der arabische Kulturkreis in diesem Werk findet seine zaghafte Annäherung an die abendländisch geprägte klassische Musikwelt und Oper. Musikfreunde können gespannt auf weitere Begegnungen sein.

Dr. Helmut Pitsch

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