Norma neu in Parma - Eine Heldin voller Gefühle

Xl_bef2bc0e-76b7-43ec-ac8e-e70f98c80f30 © Helmut Pitsch

Vincenzo Bellini Norma Teatro Regio Parma Premiere 15.2.2026

Norma neu in Parma - Eine Heldin voller Gefühle

Für Nicola Berloffa , dem Regisseur dieser Neuinszenierung von  Vincenzo Bellinis Hauptwerk, der Oper Norma am Teatro Regio Parma ist die Handlung eine Geschichte ohne zeitlichen und örtlichen Bezug. Eine tragische Liebe zwischen Unterdrücker und Unterdrückter ist mehrfach Opernstoff geworden und auch örtlich uneingeschränkt. So wird hier Gallien zu einem vom Krieg zerstörten Renaissance Innenhof im 19. Jahrhundert - Bühne Andrea Belli - in dem Leichen herein und herausgetragen werden. Schwarzgekleidete Frauen mit Hüten kümmern sich um den gemarteten Körper. Männer auf Krüken und teilweise in dunklen Uniformen bilden das gequälte geschändete Volk. Oroveso, deren Führer agiert in blauer Uniform mit goldenen Schulterklappen, farblich etwas hervorgehoben in den Kostümen von Valeria Donata Bettella. Pollione, der Anführer der Besatzungsmacht erscheint strotzend in Uniform mit gezogenem Degen. Norma und ihre Dienerinnen treten strahlend wie Bräute in weißen langen ausladenden Kleidern mit roter Scharpe auf.

Normas Heim ist ein weiss getünchter hoher Raum mit wenig Mobiliar in den Innenhof geschoben. Die beiden Kinder, hier gegen das Libretto zwei Mädchen, schlafen hinter einem Vorhang versteckt. Norma wird im Schlussbild von den schwarzgekleideten Frauen mit Fäusten martialisch hingerichtet, während der gekränkte Vater Oroveso Pollione mit dem Degen niederstreckt.

Insgesamt eine klassische unauffällige düstere Interpretation des bekannten zeitlosen Stoffes, in der statischen Personenregie wäre deutlich mehr Ausdruck und Leben möglich gewesen.

Energie, Abwechslung mit Feinschliff kommt aus dem Graben. Mit Renato Palumbo und steht ein Routinier am Pult des Orchestra filarmonica Italiana  In der Ouvertüre kommen Farben und Stimmungen auf, die Handlung läuft akustisch in Kurzform ab. Dramatik und Gefühle erscheinen in feinabgestimmten Tempi und abgestuften Volumen. Immer wieder tritt das Orchester präsent hervor und führt das Geschehen weiter. Sehr reduziert nahezu unauffällig bleibt die Begleitung der Protagonisten auf der Bühne. Dafür fordert er mit Verve und viel Ansporn den Coro del Teatro Regio di Parma zu einem kräftigen Lebenszeichen. Bestens von Martino Faggiani einstudiert, übernehmen die Mitglieder des großbesetzten Chores eine tragende Rolle zwischen den Solisten. Aufgereiht an der Bande zum Publikum ausgerichtet, erfüllt ihr Gesang den Raum und lässt die Zuhörer nicht ungerührt. Da wird angeklagt, getrauert und zum Aufbruch gefordert.

Unter den Solisten ragt Vasilisa Berzhanskaya In der Titelrolle hervor. Die Russin hat sich in den letzten Jahren zu einer der führenden Mezzosopranistinnen entwickelt und nun mit der Bandbreite ihrer Stimme erste Sopranrollen übernimmt., in der sie besonders durch ihre kultivierte und breit angelegte Höhe hervortritt. Ihre berühmte Arie Casta Diva, ein Bravourstück ihres Faches, gestaltet sich sehr zurückhaltend, in feinstem Piano gehalten. So zeigt sie ihre saubere Intonation, treffsicher in allen Lagen. Ihre Koloraturen perlen frisch und leicht. Auch Kraft und Dramatik weiß sie zu gestalten und entwickelt so ein überzeugendes Rollenbild.

Ihr zur Seite zeigt sich Dmitry Korchak als Pollione weniger leicht und schwingend in der Stimme. Sein Tenor sitzt tief, die Höhen wirken angestrengt und mitunter schleift sich der Ton erst ein. In Farbe und Glanz keine echter Belcanto. In der Mittellage gelingen ihm warme Melodiebögen. Maria Laura Iacobellis steht als Adalgisa zwischen den beiden. Als Novizin unter Normas Führung wird sie von der Liebe Polliones bedrängt. Ihr Zwiespalt zwischen Gefühlen, Gehorsam und Pflicht kommt in ihrem glasklaren Sopran zur Geltung. Sicher und selbstbewusst agiert sie in den Duetten mit Berzhanskaya, fügt sich farblich präsent ein und setzt ihre Akzente. Carlo Lepore ist ein gealterter verbitterter Oroveso, dessen Stimme aber noch als Führer kraftvoll aufblühen kann. Im väterlichen Leid passt auch das leichte Zittern in seinem Bass.

 

Alessandra della Croce als Clotilde und Francesco Congui als Flavio runden das Sängerensemble mit soliden Leistungen ab.

Kurzer heftiger Applaus mit Bravis für die Titelheldin und den Dirigenten, das Regieteam muss einige Buhs zurecht einstecken.

Dr. Helmut Pitsch

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