Nijinsky - Großes Tanztheater als Hommage in Dresden

Xl_9f4b1bd8-50e7-4786-9e31-328ae574900b © Admill Kuyler

John Neumeier Nijinsky Semperoper Dresden 1.2.2026

Nijinsky - Großes Tanztheater als Hommage in Dresden

Seine Auftritte in Europa zu Beginn des 20. Jahrhundertts gemeinsam mit dem Ballett Russes sind legendär. Der polnisch stämmige Vaslav Nijinsky wurde 1888 in Kiew geboren und besuchte die kaiserliche Tanzschule in St. Petersburg. Dort wurde er der Liebhaber des Impressario Sergej Diaghilew, der mit seiner Compagnie Russes in Paris und London das Tanztheater revolutionierte. Er beauftragte junge Komponisten wie Strawinsky, Strauss, Ravel oder Debussy, liess Künstler wie Picasso, Cocteau und Benoit Bühnenbilder und Kostüme entwerfen und schuf so mit seinen Gesamtkunstwerken künstlerische Avantgarde.

Nijinsky war mit seiner außerordentlichen Begabung und Können ein Zugpferd der Compagnie. In seinen eigenen Choreografien kreierte er das moderne Tanztheater und wurde Vorbild für folgende Generationen. Sein Leben war von einer früheren psychischen Erkrankung gezeichnet, die seine Karriere rasch beendete und ihn Jahre in Anstalten in der Schweiz verbringen liess. 1960 starb er in London.

John Neumeier, der selbst zu den Großen des Ballett zählt, widmete dem von ihm verehrten Nijinsky 2000 einen neugestalteten Ballettabend, der Leben, Werk und Mythos des Tänzers zum Inhalt hat. Geschickt inszeniert ist der Abend zweigeteilt. Episoden des Lebens und die größten Erfolge aus verschiedenen Balletten sind im ersten Teil zu Musik von Frederic Chopin und Nikolaj Rimskij-Korsakow verarbeitet. Als Handlungsort dient das edle Foyer des Hotel Suvretta in St. Moritz. Dort haben sich wichtige Gegebenheiten des Lebens abgespielt.

Der zweite Teil setzt sich mit den Kriegserlebnissen und dessen psychischer Erkrankung, Schizophrenie und dem Anstaltsleben bis zu seinem Tod auseinander. Als Begleitmusik dient die Musik von Dmitri Schostakowitsch. Seine Wegbegleiter Sergej Diagelew sowie seine Frau, die ungarische Tänzerin Romola de Pulszky erscheinen an seiner Seite.

Joseph Gray tanzt und verinnerlicht die ausgeprägte Titelperson. Insbesondere im zweiten Teil ist er mit akrobatischen Figuren, wenn nicht besser ausgedrückt, Verrenkungen gefordert. Neumeier entwickelt Tanzschritte und Figuren, die die Wahnvorstellungen sowie psychischen Angstanfälle tänzerisch umsetzen sollen. Dies gelingt ihm ausdrucksvoll und gleichzeitig den Tänzer fordernd, der die Aufgabe bestens meistert. Ihm zur Seite werden die großen Erfolgsrollen, die in der Erinnerung wieder auftauchen, von verschiedenen Tänzern ebenso eindrucksvoll dargestellt. Allen voraus Moises Carrada Palmeros als Faun, der die legendären Tanzschritte und Bewegungen des Vorbilds Nijinsky wieder belebt.

Bianca Teixeira ist eine anmutige Ehefrau Romola mit eleganten Figuren ihren Mann anbetet und später sein Schicksal teilt. Richard House ist ein dominanter machtbesessener Diaghilew, der das Bild in mächtigen kräftigen Bildern umsetzt.

Musikalisch begleitet die Sächsische StStskapelle Dresden stimmungsvoll und mit breitem Klangteppich unter der Führung von Simon Hewett.

Das Publikum spendet begeistert euphorisch Beifall

Dr. Helmut Pitsch

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