Musikfestival im Riesen - Paul Lewis ein Philosoph am Klavier

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Nachdem Sinn des Humors in den verschiedenen Werken seines Programmes fragt sich Paul Lewis. Noch kurz vor seinem anspruchsvollen Konzert zur Eröffnung des Musikfestes im Riesen referiert er ungezwungen über Haydn, Brahms und Beethoven. Joseph Haydn wird für seinen Humor und Freude an Späßen hervorgehoben, Johannes Brahms wird der Sinn für Humor weitestgehend abgesprochen, dafür Ludwig von Beethoven für seinen verschlungenen nicht immer gleich erkennbaren feinsinnigen Humor hervorgehoben. Sehr breit und fundiert wirkt der Ansatz mit dem sich der britische Künstler seinen Aufgaben, den Werken und deren Schöpfern stellt. Tief ist die Analyse und die Durchdringung der einzelnen Stücke, zu jeder Phrase hin. Mit einem tiefen Verständnis und Kenntnis der Werke leuchtet er seine Interpretationen aus und verleiht ihnen ausdrucksstarke Farben. Joseph Haydns Sonate e moll für Klavier HV XVI 34 steht zu Beginn auf dem Programm. Um 1780 entstanden zählt diese zu den Spätwerken des "Humoristen".  Spätwerke ziehen sich als konkretes Motto durch das Programm der diesjährigen Festspiele. Die Klaviersonate ist in Zeiten technischen Umbruchs im Instrumentenbau zur Geburt des Klaviers entstanden. Haydn komponierte sie so, dass sie sowohl auf Cembalo als auch auf dem neuentwickelten Hammerklavier spielbar war. Respektvoll tänzerisch nähert sich Lewis diesem Spätwerk der Klassik und kehrt den Humor Haydns heraus. Ein Schuss englische Arroganz schmückt gekonnt seine Färbung. Hell und frisch, klingt sein Anschlag, bewusst hart gesetzt. Sehr weich, geschmeidig und fliessend setzt er seine Interpretation der folgenden Drei Intermezzi op 117 von Johannes Brahms entstanden 1893. Auch diese zählen zu dessen Spätwerken. So eingespielt und auch das Publikum richtig in Konzentration gebracht widmet er den zweiten Teil des Konzertes einer wahren künstlerischen Herausforderung. Ludwig von Beethovens 33 Variationen nach einem Thema des Wiener MusikVerlegers Anton Diabelli zählen zu den anspruchvollsten technischen Werken der Klavierliteratur und mit einer Dauer von über einer Stunde noch zusätzlich eine Meisterleistung an Konzentration. Eigentlich wollte der Verleger nur eine Variation als er sein Thema an Franz Schubert, Franz Liszt und Ludwig van Beethoven sandte. Dieser fand aber grossen Gefallen an der Aufgabe, insbesondere um auch seine missfällige Einschätzung des gestellten Walzerthemas zum Ausdruck zu bringen. Aus einer wurden 33 Variationen die an harmonischer Vielfalt, Rhythmik und Melodie an der Wende von der Klassik zur Romantik stehen. Bestechend die Leichtigkeit mit der Paul Lewis den wechselnden Tonarten und Klangfarben folgen kann. Technisch schwierige Passagen mit den subtilen Homuresken des Meisters grazil und fragil schwebend bleiben. Pointiert hebt er musikalische Aussagen hervor. Ruhig und nobel führt er seine Hände in jedem Tempo über die Tastatur, die Herausforderung bleibt im englischen Understatement.

 

Viel Applaus der mit einer Zugabe von Schubert vom Künstler gewürdigt wird.

 

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