Musikalische Musikimpressionen Claude Debussy im neuen Konzertsaal in Katowitz

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Die schlesische Industriestadt Katowitz wurde nach dem zweiten Weltkrieg zum Sitz des nationalen polnischen Rundfunkorchesters (NOSPR), nachdem durch die Zerstörungen in Warschau ein neuer Start gesucht wurde. Die Wahl fiel auf Katowitz, da eine profunde Musiktradition und ein breites Interesse an klassischer Musik und Kulturleben vorgefunden wurde sowie technisch einwandfreie Aufnahmestudios aus der deutschen Besatzungzeit benutzt werden konnten. Das Orchester des polnischen Rundfunks zählt zu den bedeutendsten Klängkörpern Polens und genießt internationales Ansehen. Nach nur zwei Jahren Bauzeit wurde 2014 der neue Konzertsaal samt administrativen Flächen eröffnet. Ein lokales polnisches Architekturbüro schuf einen langgestreckten sachlichen Quader aus rotbraunem Klinker umgeben vom neuerbautem Kongresszentrum mit begrünter Hülle und dem schlesischem Museum in einer alten Kohlenzeche. Das gesamte Gebiet soll die Transformation und Neugestaltung der Stadt prägen. Lichtdurchflutet ist das großzügige weiße Foyer um einen dunkelgrauen zentralen Betonkomplex, der Hülle des Konzertsaales, der 1800 Zuhörern Platz bietet. Die geschwungene innere Formgebung sowie die Farbe des Birkenholzes erinnern an ein Streichinstrument. Schwarz sind die Wände und der Bezug der Sitze, sodass das Innere sehr dunkel gehalten ist. Auch hier feilte das Büro des vielbeschäftigten japanischen Spezialisten Toyota mit an der Akustik, die sofort mit ihrem warmen klaren Klang ins "Ohr" sticht. Insgesamt ist das Gebäude sehr ansprechend. Die Wege sind kurz und es gibt ausreichend Raum und Treppen, um die große Anzahl der Besucher bequem und schnell zu leiten. Claude Denussy' s Todestag jährt sich heuer zum hundertsten Mal. Grund genug das Programm dieses Matineekonzertes dem Vater des französischen Impressionismus in der Musik zu widmen. Yaron Traub ist der Gastdirigent am Pult. Er lockt viel Farbe und Stimmung aus dem Orchester, setzt auf breiten Fluss und vermeidet klare Akzente und pointierte Rhythmen, die aber in der Partitur vorhanden sind. Gestartet wird mit dem sechs antiken Epigraphen. Das Werk vertont antike Verse erotischen Inhaltes mit reizvollen Titeln, dessen Bilder im Orchester nur rudimentär entstehen. Das Konzert für Saxophon ist eines der wenigen Auftragswerke Debussy's. Eine junge Amerikanerin orderte die Komposition, um die Literatur für Ihr Instrument zu erweitern. Claude Debussy tat sich schwer mit dem ihm fremden Instrument und arbeitete lange daran. Viele Stimmungen lassen sich heraushören. Elemente des Jazz, spanische Volks- und Tanzmelodien lockern das Werk. Der Junge polnische Solist Bartomiel Dus zeigt sein Können in jeder Hinsicht. Exakt erklingen die Töne in jeder Lage vom ersten Ansatz an. Leicht gelingen die Läufe und der satte Klang des Instrumentes lässt gefühlsgeladene Bilder entstehen. In der Zugabe präsentiert er eine Fuge von Johann Sebastian Bach, ungewöhnlich für dieses Instrument aber ein weiterer Beweis für seine technische Fertigkeit. Zum Abschluss spielt das Orchester die beiden ersten Stücke aus den Images pour Orchestre. Gigues sind Erinnerungen des Komponisten an seine Englandreise, Die eine traurige Grundhaltung vermitteln, Iberia zählt zu den bekannteren Werken und sprüht nur so spanischen Kolorit aus. Das Orchester spielt exakt und bewegt sich sicher in der Partitur. Etwas mehr spanisches Temperament könnte die Ausdruckskraft in der Interpretation verstärken. Frisch und rhythmisch locker erklingen Kastagnetten und die spanischen Weisen. Das Publikum wird mitgerissen und bedankt sich herzlich und sehr zufrieden.

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