© Geoffrey Schied
Giuseppe Verdi Macbeth Bayerische Staatsoper 7.4.2026
München Wiederaufnahme Macbeth - musikalisch hervorragend, Regie großes Theater
Zu Beginn heftig umstritten, entwickelt sich die Regiearbeit von Martin Kusej zu Giuseppe Verdis Macbeth zur Kultaufführung an der Bayerischen Staatsoper. Drastisch bringt er dessen blutige gewalttätige Herrschaft in starken Bildern mit einer Schar von Statisten zum Ausdruck. Die mit weißen Totenköpfen übersäte Bühne von Martin Zehetgruber setzt hier noch eins drauf. Die urinierenden Hexen hielten zur Premiere das Publikum in Atem. Kinder mit Erwachsenenköpfen prophezeien die Weissagungen, ein Zelt im Vordergrund ist der Hort der Gewalt und Macht sowie Ohmmacht. Plastikvorhänge trennen die Bühne, ein schwerer Kristallluster hängt im königlichen Palast weit von der Decke.
Leider unterbrechen lange Umbaupausen den Spannungsbogen, den diese Regie aufzubauen weiss und im Graben durch das Dirigat von Andrea Battistoni gekonnt untermauert wird. Akustisch kommt auch der Chor, oft im Orchestergraben aufgereiht verstärkt zur Geltung. Er nimmt in dieser Oper einen wesentlichen Part ein. Bestens von Christoph Heil vorbereitet, klar in der Diktion und präzise im Zusammenklang ist er massgeblich am Erfolg des Abends beteiligt. Battistoni führt mit Gespür und lässt italienischen Flair aufkommen. Kräftig schmettert er die zentralen marschähnlichen Themen, unterlegt mit Wärme gefühlsbetonte Parts und bringt die notwendige Dramatik des Libretto zum Leben.
Das Sängerensemble dieser Wiedersufnahme ist aus internationalen Spitzenkräften zusammengesetzt. Amartuvshin Enkhbat ist derzeit sehr gefragter Bariton für Verdis tragende Rollen. Nabucco, Rigoletto und vor kurzem feierte er noch als Renato in Maskenball in Berlin großen Erfolg. Seine Stimme ist kräftig und voll. Die Wärme dieser Naturstimme kommt gut in seinen Legati heraus. Es fehlt aber an Farbigkeit und Dramatik. Die überfordert Saloa Hernandez als seine Frau und anstachelnde Mitstreiterin in deren Machtbegehren - an Kälte und Entschlossenheit auch überlegen. Ihr Sopran wird metallen hart in der Höhe, in der Mittellage und Tiefe gelingt ihr mehr Ausdrucksstärke . Roberto Tagliavini besticht als Banquo in dessen großer Arie. Sein Bass zeigt hohe Beweglichkeit, fliesst leicht und es bleiben immer genug Reserven um die Darbietung auszureizen. Dazu kommt seine Bühnenpräsenz. Seok Jong Baek als Macduff und Samuel Stopford als Malcolm runden die Ensembleleistung solide ab.
Großer Beifall und viele Bravi im nahezu ausverkauften Nationaltheater.
Dr. Helmut Pitsch
08. April 2026 | Drucken
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