München - Viel Beethoven im Graben, wenig Fidelio auf der Bühne

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Ludwig van Beethoven Fidelio Opernfestspiele München Bayerische Staatsoper 12.7.2026

München - Viel Beethoven im Graben, wenig Fidelio auf der Bühne

Einsam sitzt Camilla Nylund, die Leonore dieser Wiederaufnahme von Ludwig van Bewthovens Fidelio am Nationaltheater auf der Bühne. Sie zitiert Jorge Luis Borges vor einem monströsen Stahlgerüst - Bühne Rebecca Ringst - mit verschiedenen Ebenen. Gestalten kriechen sus dem Orchestergraben, um dann nach Einsetzen der Musik, hier die dritte Leonoernouvertüre, wie wild über und auf dem Gerüst herumzuklettern, besser zu toben. Es erübrigt sich in dieser Regie von Calixto Bieito ,das Konzept zu suchen. Viele Einfälle, wie Akrobaten, die am Bühnenhimmel wirbeln oder das knarrende 10 Minuten dauernde Absenken des Gerüstes lähmen diesen Abend.

Die Sänger sind angehalten im Gerüst herumzuturnen oder einmal am Boden durch ein Labyrinth zu irren. Für Personenführung war vermutlich keine Zeit. Kommt am Ende dann noch Don Fernando als Joker und erschiesst den gerade geretteten Florestan, ist für viele jegliches Verständnis erschüttert. Zum Glück erhebt er sich wieder von den Toten auferstanden und singt zu Ende.

Der Katalane zeigt in dieser Arbeit aus 2010 wenig Respekt und Achtung für die romantische Handlung, den politischen Freiheitsgedanken als auch die Komposition. Texte werden eingeschoben oder weggelassen, als zusätzliches Finale II wird der zweite Satz aus Beethovens Streichquartett op 132 a moll eingeschoben, gespielt von vier Musikern im Gitterkäfigen von oben herunter gelassen. Ein Stück Show, Action und das Lichtspiel am Gerüst versuchen optische Efffekte und Leben zu bringen, der Erzählfluss wird dabei behindert.

So punktet das erstklassige Sängerensemble im Rahmen der aktuellen Festspiele als Retter des Abends. Allen voran besticht Camilla Nylund mit ihrer hellen Stimme und strahlender sicher Höhe. Unaufgeregt irrt sie zu ihrem geliebten Gatten, den sie erst spät in die Armen nehmen darf. Ihre langen blonden Haare glänzen den ganzen Abend, eine optische Verkleidung greift nur gering, wenn sie zu Beginn ihre Brüste fest einbadangieren muss. Matthew Polenzani muss gleich nach der Pause mit seiner Arie in die Vollen gehen. Sein Florestan ist kämpferisch, erfrischend fit trotz langer Gefängniszeit. Der Amerikaner versucht besonders intensiv zu betonen und klare Aussprache in der Intonation. Damit wird sein kraftvoller Vortrag dramatisch und schwerfällig. Rene Pape verleiht seinem Rocco viel Menschlichkeit mit einem Schuss Humor in seinen Texten. Sein Bass schmeichelt warm, füllig im Volumen und bleibt sehr kantabel. Don Pizarro verleiht Tomasz Konieczny einen bösen rücksichtslosen Charakter im Spiel als auch gesanglich. Kräftig markig gibt er seine Befehle und fordert deren Ausführung. Ryan Speedo Green erscheint im weißen Anzug mit Joker Face und verkündet gehaltvoll seine frohe Botschaft als Don Fernando.

In weiteren Rollen gefällt Miriam Mesak als Marcelline. Klar und jugendlich ist ihr Sopran, hell glänzend fließen ihr die Melodien. Der Chor der Bayerischen Stadtsoper ist wiederum eine sichere Wette. Empfindsam schöpft er Hoffnung im Piano des Gefangenchores und umso mächtiger jubelt er als vom Tyrannen befreites Volk. 

Am Pult des Bayerischen Staatsorchester findet Yoel Gamzou nach anfänglichen Ungereimtheiten zu einem sicheren Interpretationsstil, hält Schwung im Tempi und moduliert gut die Lautstärke. Ein Augenmerk legt er auf die Sänger und führt in den gemeinschaftlichen Szenen und Quartetten die Stimme gut zusammen. Gefühlvoll ist dazu seine Begleitung. Mit sichtlichem Enthusiasmus fordert er das monumentale Finale mit allen Beteiligten.

Viel Zuspruch und Applaus vom Publikum. Als U 30 Vorstellung ist der hohe Anteil Jugendlicher sehr erfreulich.

Dr. Helmut Pitsch

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