München: Uraufführung Of one blood - Historischer Krimi spannend modern

Xl_08_of_one_blood_c_m.rittershaus © Monika Rittingjaus

Brett Dean Of one blood Bayerische Staatsoper 17.5.2026 Premiere/Uraufführung 14.5.2026

Uraufführung Of one blood - Historischer Krimi spannend modern

Die Geschichte von Elisabeth Tudor und Maria Stuart ist ein historischer dokumentierter Konflikt zweier blutsverwandter Frauen um Macht und Titel in einer von Männern dominierten Welt, verschärft durch die unterschiedliche Religion der beiden. Immer wieder ist das Schicksal der beiden Frauen Gegenstand künstlerischer Auseinandersetzung. So widmet sich auch der Australier Brett Dean in seiner Auftragskomposition für die Bayerische Staatsoper mit dem Titel Of one blood den beiden Königinnen und dem Elisabethanischen Zeitalter. Das Libretto von Heather Betts entsteht aus historischen Dokumenten. Als Vorlagen dienen Briefe, Gebete, Gedichte oder auch Parlamentsreden aus dieser Zeit. Die Handlung hält sich ebenfalls an historisch dokumentierten Geschehnissen.

Das Werk ist anspruchsvoll für alle Beteiligten, die Musik vielschichtig in der Klangwelt, im Duktus monoton von Rhythmik dominiert. Auch Elemente der höfischen Renaissance sind zu erkennen, wie auch elektronische Einspielungen von natürlichen Geräuschen, wie Vogelgeflatter oder Gezwitscher. Chorstimmen flüstern mitunter gespenstisch technisch verstärkt, Instrumente werden direkt dem Charakter einer Person oder Situation zugeordnet wie Cembalo, Schlagzeug oder Harfe. Melodik sucht man vergebens, der Sprrechgesang mit eruptiven Entladungen herrscht vor. In der Verbindung vom stark aufgestellten Chor und dem Orchester entstehen dichte Momente insbesondere in der Todesszene mit Trommlern auf der Bühne.

In der Regie entwickelt Claus Guth ein spannendes Psychogramm der beiden Herrscherinnen, die sich im politischen Konflikt gegenüberstehen, ohne sich getroffen zu haben. Diese räumliche Distanz aber die familiäre, menschliche Nähe erreicht er geschickt durch parallele Handlungsstränge, die in einem hell erleuchteten Reinraum nebeneinander stattfinden. Personen in weißen Overalls und Masken begleiten mitunter als Requisiten/Kulissenträger helfend.

Zu Beginn werden die Grabmäler der beiden Frauen in der Westminster Abbey geöffnet. In der anschließenden Rückblende erleben wir Maria als Königin von Schottland in ihrer Schwangerschaft, die Ermordung ihres Gatten und ihre Flucht vor den Aufständischen zu ihrer Cousine Elisabeth, welche sie gefangen nimmt. Maria wird von fünf Kammerzofen begleitet und beraten, Elisabeth von fünf Lords. Alle tragen historisch anmutende Kostüme von Ursula Kudrna. Als Maria Stuart und Elisabeth Tudor brillieren Vera Lotte Boecker und Johanni von Oostrum. Ausdrucksstark schaffen die Beiden knisternde Spannung, mit kräftigen Stimmen und deutlicher expressiver Aussprache des englischen Textes. Beide bringen Emotionen zu glühen, zeigen ein hoheitliches Machtgefühl aber ebenso die Verletzlichkeit und Einsamkeit. Guth versteht es in ästetischen Bildern im sterilen Ambiente die Gefühlswelten zum Schwingen zu bringen.

GMD Vladimir Jurowski am Pult weiß dies im Graben mit klaren Zeichen und diszipliniertem Taktschlag zu unterstützen. Die Wuchtigkeit der Partitur bewahrt Grandezza ohne zu überborden.

Das Publikum folgt gebannt und nimmt Musik und Handlung mit großer Begeisterung auf. Jubel und Beifall für alle Beteiligten

Dr. Helmut Pitsch

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