© Geoffrey Schied
Brett Dean Of one blood Bayerische Staatsoper 8.10.2026
Of one blood - Britische Geschichte im Laborbetrieb
Das Schicksal der beiden Frauen und Königinnen Maria Stuart von Schottland und Elizabeth Tudor von England hat viele Künstler inspiriert und ist Gegenstand verschiedener Kunstwerke u a auch musikalischer. Ein weiteres Beispiel ist die 2026 im Auftrag der Bayerischen Staatsoper entstandene Oper von Brett Dean mit dem Titel Of one blood, die engen verwandtschaftlichen Bindungen der Beiden untermauernd.
Verschiedene Briefe und Dolumente dienten als Vorlage für das Libretto von Heather Betts. Im Mai 2026 in München erfolgreich uraufgeführt wird das zeitgenössische Werk zu Beginn der neuen Spielzeit im Repertoire gezeigt. Claus Guth und seinem Regieteam ist es gelungen den Machtkampf und verschiedene Lebensabschnitte beider Frauen in neun Szenen mit Pro- und Epilog packend und bildstark auf die Bühne zu bringen.
Ausgehend von einer Öffnung der Grabmonumente beider Frauen in einem sterilen weissgetünchten Labor mit elektrischen Schiebetüren, Greifarmen und weiss gekleideten behelmten Mitarbeitern entwickeln sich, wie ein Rückblick als szenisches Konzept, die historischen Gegebenheiten bis zur dramatischen Hinrichtung Maria Stuarts nach dem ein Komplott von ihr gegen Elisabeth aufgedeckt wurde. Die beiden Protagonistinnen stehen sich immer wieder gegenüber, eine Begegnung hat nie stattgefunden. Die höfischen Gesellschaften sind in elisabethanischen Stil bzw schottischen Plaid gekleidet.
Musikalisch bewegt sich der australische Komponist Brett Dean harmonisch, reizt an den Grenzen der Dissonanz und entwickelt im großbesetzten Orchester expressive Breite. Kennzeichnend ist die von Gefühlen und Emotionen durchtränkte Grundstimmung, die das Innenleben hervorstülpt.Die Gesangspartien verharren im Sprechgesang mit emotionalen Ausbrüchen, die in unterschiedlichen Instrumentengruppen verstärkt werden.
Mit Johanni von Oostrum als Elisabeth und Vera-Lotte Boecker als Mary stehen zwei ideale Besetzungen auf der Bühne, die wahrhaft in die Rollen schlüpfen und glaubhaft ihre Gefühle und emotionalen Kämpfe sowie die Charaktere der beiden Frauen verinnerlichen. Die beiden Sopranistinnnen lassen sich gut in ihrer Färbung differenzieren. Beide verfügen über hohe Expressivität und Kraft ohne in den gefährlichen Höhen zu übersteuern. Umgeben sind beide Herrscherinnen von Gruppen von Höflingen und Hofdamen, durchgängig gut besetzt.
Mächtig bildet mit dramatischer Steigerungskraft die einzige Chorszene zur Hinrichtung einen wirkungsvollen Höhepunkt.
Am Pult der Wiederaufnahme steht Markus Stenz, der sich immer wieder mit zeitgenössischer Musik auseinandersetzt. Er hat bereits weitere Werke von Dean dirigiert und zeigt auch hier eine stringente gut und klar zusammengeführte Interpretation mit dem Bayerischen Staatsorchester.
Das Publikum zeigt wiederum großen Zuspruch und feiert die beiden Solistinnen.
Dr. Helmut Pitsch
09. Oktober 2026 | Drucken
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