Modern und cool diese Traviata in Bologna

Xl_b83f47eb-bbc3-4cf9-b38e-a75eaeb02c06 Violetta Valery betreibt ein schickes Auktionshaus in Paris. Stylisch die Einrichtung, elegant das Personal, jung und reich die Kunden. Violetta führt mit strenger Hand. Langsam erwacht das Interesse an Alfredo, der gleich ein grosses Photo von der angebeteten Violetta ersteigert. Ebenso kühl wirkt das Landhaus. Eine Wendeltreppe dominiert, über die alle Gäste und das Personal zu dem Liebespaar gelangen. Die unausgepackten Umzugskisten zeugen vom kürzlichen Einzug. Nur ein braunes Ledersofa ist bereits an seinem Platz und das ersteigerte Photo hängt. Dieses wird im dritten Akt zur symbolischen Erniedrigung Violettas durch Alfredo, in dem er eine Handvoll Trüffel darauf verschmiert und die Geliebte mit Champagner überschüttet. Auch so können Liebesdienste bezahlt werden. Im letzten Akt ist Violetta in das leere Landhaus zurückgekehrt und muss einmal mehr am Boden liegend den Tod erwarten. Dieser ereilt sie in dieser Inszenierung von Andrea Bernard, indem sie mit einer Handvoll Tabletten nachhilft. Ein bewusster Selbstmord um das Leid abzukürzen. Die Handlung fliesst so sehr gelungen. In der Personenregie wird nicht übertrieben und in sehr natürlichen Gesten agiert. Ein paar Regieeinfälle reichern die Bilder an. Violetta verweigert sich den aufdringlichen Bestechungsversuchen des Giorgio Germonts, Klein Alfredo kommt in der Erinnerung des Vaters auf die Bühne und spielt mit Puppen, die zuvor der erwachsene Alfredo aus den Umzugskisten ausgepackt hat. Ein Faustkampf bildet die Ballettszene im dritten Akt, in der geschickt Alfredo integriert ist. Wang Chuanyue konzentriert sich als Alfredo mehr auf seine Aussprache und Intonation und wirkt holprig und wenig verliebt. Dafür kann er mit Schmelz und hohen Tönen aufwarten, die noch etwas Gefühl vermissen lassen, aber das kann der junge Koreaner noch erarbeiten. Luisa Tambaro wirkt im ersten Akt als Violetta noch unsicher in der Intonation aber steigert sich zu einer eindrucksvollen und überzeugenden Leistung. Ihr Sopran ist elastisch, gleitet leicht in die Höhen, und sie kann immer noch nachlegen, dramatisch oder lyrisch. Klanglich wirkt ihre Stimme reif und geht in eine dunkle warme Färbung. Sportlich von sich überzeugt wirkt Angelo Veccia als Vater Germont, der Autorität ausstrahlt. Sehr robust ist sein Bariton, wenig Schmelz, dafür ein hartes knochiges Timbre das leicht vibriert. Renato Palumbo dirigiert sehr routiniert und erfahren das Orchester und den Chor des Teatro Communale. Er geht klare Wege und arbeitet wenig Details heraus. So vergibt er Gefühlsmomente oder grosse Orchesterpassagen. Das Publikum zeigt sich kritisch und er muss als einziger ein paar Buhs einstecken. Dr. Helmut Pitsch | Drucken

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