Mitreissende Hits und berührendes Spiel prägen die Wiederaufnahme von Priscilla in München

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Mitreissende Hits und berührendes Spiel prägen die Wiederaufnahme von Priscilla in München

 

Die Tragikkomödie Priscilla - Königin der Wüste führt in die Welt der Travestie und Transsexuellen Australiens. Bunt und schrill, aber ebenso ergreifend und berührend ist die Geschichte von Tick, Bernadette und Adam, die sich spontan für eine Reise nach Alice Springs zusammenfinden.Tick, ein erfolgloser Travestiekünstler will dort seine Frau und seinen Sohn treffen und ladet seine beiden Freunde Bernadette, eine gealterte Transe, die den Verlust ihres Ehemanns betrauert und Adam, eine junge Drag Quenn.

Vieles passiert auf der Reise und der Zuschauer bekommt einen unterhaltsamen mitreissenden Einblick in die Probleme und Gefühlswelt dieser gesellschaftlichen Randgruppe. Schmerz und Enttäuschung, Einsamkeit und Ausgrenzung werden in der Musik von Guy Gross wundersam verpackt. Ein grosser Welthit folgt dem anderen, die von vielen grossen Stars für sich gewonnen wurden. Gowest, it's raining men oder Girls just wonna have fun. "Königin der Wüste" entstand nach dem Buch von Allan Scott und Stephan Elliott, der auch die Regie der sehr erfolgreichen Verfilmung des Kultmusicals führte.

Das Gärtnerplatz eröffnet seine neue Saison gezeichnet von den harten Coronabestimmungen mit diesem Welterfolg und Publikumsliebling und versprüht Wohlbefinden und lindert die kulturelle Enthaltsamkeit. 2017 feierte diese Inszenierung von Gil Mehmert Premiere und deutsche Erstaufführung im frisch renovierten Gärtnerplatztheater. Die Regie adaptiert die Filmvorlage für die Bühne, die von Jens Killian gestaltet wurde. Die schwungvolle ideenreiche Choreografie stammt von Melissa King. Passend schrill und kreativ sind die Kostüme von Alfred Mayerhofer.

Im sichtbar abgenutzten Bus, liebevoll Priscilla getauft, tourt das exotische Trio durch die Wüste. Aus dem Orchestergraben liefert das Orchester des Staatstheater am Gärtnerplatz echte Broadway Atmosphäre. Heisse Rhythmen, Big Band Sound und Swing gehören ebenso dazu wie vollmundige klassische musikalische Untermalung und Verpackung. Am Pult hat die musikalische Leitung Jeff Frohner inne, der nichts anbrennen lässt und immer Spannung hält. Immer wieder werden die Zuschauer spontan zum Mitklatschen hingerissen.

Geglückt und ohne Wünsche ist die Besetzung. Armin Kahl als der melancholische Tick, Erwin Windegger als trauernde aber immer noch frische Witwe Bernadette und Terry Alfano als der umtriebige und verbal untergriffige Adam präsentieren sich als wahre Verwandlungskünstler und Multitalente. Die zahlreichen Showeinlagen versprühen grosse Bühnenkunst, die intimen Gesprächsmomente, die die Handlung vorantreiben packen das Mitgefühl im Saal. Jasper Baumann macht als Benji, Ticks Sohn, auf sein Talent aufmerksam. Frank Berg mimt als Bob einen verschlagenen Aussenseiter in der Wüste.

Visuell geschickt aufgearbeitet verfolgen die Zuschauer mit Videoinstallationen hautnah die Reise. Das Roadmovie begeistert auch diesen Abend das Publikum, das sich stehend mit Bravi bedankt.

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