Mit Speer, Charme und Melone - Wiederaufnahme Rheingold in Dresden 

Xl_das_rheingold_c_ludwig_olah_129 © Semperoper Ludwig Olah

Richard Wagner Das Rheingold Semperoper Dresden 5.2.2023

Mit Speer, Charme und Melone - Wiederaufnahme Rheingold in Dresden  

Es war sein Abend. Unsichtbar aber hörbar wirkte er omnipräsent im Orchestergraben. Christian Thielemann führte die Sächsische Staatskapelle zu einem klaren reinen nie betörend aber immer durchdringenden Klang. Zarte Piani erleben noch feinste Abstufungen, Melodien und Harmonien blühen, die aus Motiven konstruierte Musik Richard Wagners dringt wie feinster Sprühregen an diesem Abend in jede Pore. Weich und charmant umhüllt sie, erzählt sie die Handlung poetisch akribisch im Detail. 

Das tut auch Willy Decker auf der Bühne in seiner Inszenierung aus 2001, nun in der Wiederaufnahme mit dem erlesenen Sängern. Nur wirkt es hier holprig, wenn diese akrobatisch herausgefordert über Sesselreihen klettern müssen. Im Bühnenbild von Wolfgang Gussmann setzen sich die Stuhlreihen aus dem Zuschauersaal der Semperoper auf der Bühne fort, als ob alles nur Theater ist und wir alle sind Statisten. Alle Protagonisten werden von Zuschauern zu Handelnden, wenn sie von den Sitzreihen in einen hellen weißen Guckkasten in der Bühnenmitte klettern. Erda, die Allwissende zieht zu Beginn den Vorhang auf, gespenstisch ganz in transparentes Weiss gehüllt hält sie alle Macht des Schicksals.

Die Rheintöchter erscheinen ähnlich gekleidet in den wogenden Sitzreihen aber verwandeln sich im Guckkasten zu tanzenden koketten Varietegirls, die einen dümmlich naiven Alberich im abgetragenen Kleidern verführen. Wotan, mit Augenbinde und strahlend weißem Modell seiner Burg in der Hand zieht mit seiner Frau und Götterkollegen ganz in schwarz ein. Die Riesen, ausgestopft in schäbigem Arbeiteranzug, wirken monströs, Loge mit rotem Tupfer im Haar und rotem Schal mimt den Moderator. Alberich verwandelt sich mit goldener Melone und hütet seinen Schatz im großen Safe. Plastisch realistisch, unterhaltsam in ansprechenden Bildern ist diese Regiearbeit, manchmal mühsam im Ablauf mit dem Hindernis der langen Sitzreihen, aber eignet sich für das Repertoire.

Zwei Zyklen bietet die Semperoper diesen Winter unter Leitung ihres Generalmusikdirektor mit hochkarätiger Besetzung an. Zu Beginn des zweiten Zyklus gab es krankheitsbedingt Besetzungsänderungen. Thomas Johannes Mayer sprang sehr kurzfristig für John Lundgren als Wotan ein und sang vom Bühnenrand, während der Abendspielleiter auf der Bühne spielt. Wortdeutlich, streng betonend führt er seinen mächtigen dunklen Bassbariton. Stephen Milling ersetzte Karl Heinz Lehner als Fafner stimmgewaltig und mächtig. Markus Marquardt ist ein kecker eher ungelenkiger Alberich mit klarer heller Stimme, durchsetzungsstark aber nicht furchteinflössend.  Auch Jürgen Sacher präsentiertt einen menschlichen Mime. Feuer versprüht Christa Mayer als Fricka, die ihrem Ehemann tüchtig contra gibt. Feuer ist auch das Symbol von Loge, dem schlauen Helfer Wotans, den. Daniel Behle elegant, geschäftlich und nüchtern.gestaltet  Tuuli Takala liefert eine saubere Freia ohne zuviel Wirkung. Lawson Anderson als Donner und Tansel Akzeybek als Froh runden mit schönen vollen Stimmen die Götterwelt ab.

Georg Zeppenfeld verleiht Fasolt einen ehrlichen verträumten Charakter mit leicht sehr cantabel geführtem Bass. Michal Doron gibt Erda viel Gewicht und Charakter, Evelin Nowak als Woglinde, Stepanka Pucalkova als Weligunde und Simone Schröder als Flosshilde bilden gut abgestimmt mit expressiven.Stimmen die Rheintöchter.

Großer Jubel und Begeisterung, einmütige Zustimmung

Dr. Helmut Pitsch

 

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