Metropolitan Opera Wagnerstars im Stream präsentieren eine exquisite Auswahl

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Metropolitan Opera Wagnerstars im Stream präsentieren eine exquisite Auswahl

Aus dem prachtvoll goldglänzenden Barockfoyer des hessischen Staatstheaters in Wiesbaden streamt die Metropolitan Opera New York einen weiteren Gala Abend im Rahmen ihres Pandemieprogrammes. Während hierzulande die Opernhäuser an der Öffnung und der Wiederaufnahme des Spielbetriebes mit Volldampf arbeiten bleibt das renommierte amerikanische Opernhaus bis auf weiteres geschlossen und die Öffnungsperspektive ist unverändert unklar.

Umso mehr freut die Zuschauer an den Bildschirmen das Wiedersehen mit großen Sängern und Sängerinnen, die im Rahmen eines Richard Wagner und Richard Strauss Programms Höhepunkte aus dem Schaffen dieser beiden großen deutschen Komponisten zum Besten geben.

Elza van den Heever eröffnet den Abend auf der Prunkstiege des Foyers umgeben von großen schmiedeeisernen Leuchtern passend mit der Hallenarie der Elisabeth aus Richard Wagners Tannhäuser. Mit Schwung und gediegener Eleganz grüßt sie die „teuren Hallen“, ihr Sopran ist weich timbriert und lässt sich in der Färbung flexibel führen. Routiniert zeigt sie an diesem Abend ihre Wandelfähigkeit, wenn Sie Ausschnitte aus den Wesendonck Liedern wie auch die engelsgleiche Elsa aus dem Lohengrin, der wohl romantischten Oper des Komponisten darstellt. Geschmeidig formt sie ihren Gesang unaufdringlich aber sehr präsent bleibt sie im Ausdruck und zeigt ihre Sicherheit und Wortdeutlichkeit in allen Lagen.

Die in Amerika geborene und verehrte Christine Goerke beginnt mit Liedern von Richard Strauss. Die feingliedrige anspruchsvolle Melodieführung beansprucht die Sopranistin, die bereits mehr im dramatischen Fach anzusiedeln ist sowie ihre vibrierende Stimme rein zu führen versucht. Klar artikuliert sie die balladenhaften Texte, zieht immer wieder die Töne in die Höhe. Besser findet sie sich da als giftige, Unheil versprühende Ortrud im Duett mit Elza van der Heeven aus Lohengrin zurecht. Eng wird es als Sieglinde im Duett mit dem Heldentenor Andreas Schager aus dem ersten Akt der Oper Walküre von Richard Wagner. Während der österreichische Tenor, der zurzeit als Wagnersänger die Opernbühnen erobert kraftvoll und kraftstrotzend seine Liebe bekundet drückt sie gesteigert auf die Phonzahl.

Andreas Schager beeindruckt nochmals als Siegmund, wenn er mit Inbrunst und viel Kraft die gefürchteten Wälse Rufe ebenfalls aus Walküre als Ausdruck seiner Not in das elegante Foyer schmettert. Ohne Brüche in den Lagen, immer in vollem Einsatz wirkt er wahrlich heldenhaft. Auch als Parsifal wandelt er sich vom Tor zum Helden und bringt den rettenden Speer zurück, die die Wunde der Gralsritter schließen wird.

Wahre Höhepunkte liefert Michael Volle der facettenreich nuanciert seinen Bariton in bester Verfassung zeigt. Mit Raffinesse und Gespür gestaltet er den Prolog sowie die Arie an den Abendstern des Wolfram aus Tannhäuser. Düster und nachdenklich steigt er in die Einleitung ein, verschafft unmittelbar spürend Dramatik und lenkt lässig und leicht in die liedhafte Anbetung des Abendsterns über. Zurecht ist der Minnesänger eine seiner Paraderollen in seinem umfangreichen Repertoire.

Auch dem nach Erlösung von seinem Fluch suchenden Holländer verleiht Michael Volle Charme und ehrenhafte Emotionen. Im Duett mit Elza van der Heeven vertrauen sich die beiden ihre Liebe an, verfallen in einen wahren Rausch, der mit dem Versprechen der Liebe bis in den Tod endet. 

Natürlich darf an einem Wagnerabend auch der Göttervater Wotan nicht fehlen. Wiederum eine der großen Rollen von Michael Volle, der passend zum Rahmen des Abends im Stiegenhaus zum Einzug nach Walhall, der Götterburg einladet. So endet Rheingold, das Vorspiel für den Ring des Nibelungen. Bevor der Galaabend aber endet ergreift Christine Goerke das Wort und bringt ihren Dank an das Publikum, aber auch an alle Mitwirkenden auf und hinter der Bühne zum Ausdruck. Viel Lob erhält Craig Terry, der am Flügel mit unglaublichem Einsatz, Können und Gespür großer romantischer Orchesterklangkörper ersetzen muss und es bewundernswert schafft, die Klangnuancen der großen Orchester auf das Klavier zu übertragen. Geschickt lässt er liedhaft das Wechselspiel mit den Solisten zu und drückt der Interpretation aber noch einen persönlichen Stempel auf.

Abschließend blickt die Rednerin hoffnungsvoll in die Zukunft für das Kulturleben und kündigt das Finale aus der Oper „Frau ohne Schatten“ von Richard Strauss an.  „Nun will ich jubeln“ hallt es freudenvoll und lautstark. Nacheinander stimmen die vier Protagonisten des Abends den Jubel an und verabschieden sich vom Publikum zu Hause. Kalt und leer mutet auf einmal das Foyer an, wenn sich kein stürmischer Applaus an die Darbietung anschließt. Aber hoffen wir, dass wir bald von den Streams befreit werden und Oper und Kunst wieder lebendig spüren dürfen.

Der Galaabend ist im Stream bis 21. Mai noch auf der Website zu erleben - .20€ je Ticket

Dr. Helmut Pitsch

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