Met liefert filmreifes Kostümspektakel Maria Stuarda kostenlos ins Haus

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Mit Skandalen und Misserfolgen ist die Enstehungsgeschichte dieser Tragedia lirica Maria Stuarda von Gaetano Donizetti verbunden. Handfeste Streitigkeiten der Primadonnen bei den Proben in Neapel führten zu wahren Verletzungen. Die Königin Maria Christina von Neapel, eine direkte Nachfahrin der Titelheldin verbot 1834 nach dem Besuch der Generalprobe die Uraufführung und der Komponist musste gravierende Änderungen vornehmen.

Die Orginalfassung wurde erst 1835 an der Mailänder Scala mit mäßigen Erfolg uraufgeführt. Verschiedene Anpassungen an das Stimmvermögen verschiedener Sänger folgten. Erst in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts kehrte die Oper an die Spielpläne der Opernhäuser zurück.

David McVicar schuf in dieser Inszenierung ein filmreifes Kostümspektakel mit gekonntem Augenmaß in jedem Ausstattungsdetail. Mit großem Unterhaltungswert bringt er die letzten Jahre der sagenhaften Maria Stuart und ihr Ende durch Hinrichtung auf die Bühne der Metropolitan Opera in New York. Nach dem Mord an ihrem Mann in Frankreich kehrt die Katholikin nach England zurück. Ihr Anspruch auf den Thron scheitert und sie wird von ihrer Widersacherin König Elisabeth jahrelang in Gefangenschaft gehalten. Dazu kommt die Eifersucht der Königin um den Günstling Graf Leicester, der die stolze und schöne Gefangene liebt und um ihre Freilassung sein Leben einsetzt. Der Regisseur erzählt die Handlung mit starker Personenführung und steckt die handelnden Personen in üppige, prachtvolle historische Kostüme. Die Bühne deutet nur mit wenigen Mitteln die Handlungsorte wie das Schloss in Westminster oder eine Lichtung im Wald an. Viel Stimmung vermittelt die Lichtregie. Dies alles ist in hoher technischer Qualität und gekonnter erfahrener Aufnahmeregie festgehalten.

Viel Aufmerksamkeit erringt Elza van den Heever, der eine einprägsame Rollenzeichnung der absoluten Herrscherin wahrlich verinnerlicht. Monströs ist schon ihre Erscheinung von Natur, mit voluminösen Kostümen der Renaissance und perfekter Maske wird sie wahrlich königlich. Aber weibliche Eleganz fehlt im Rollenbild, dafür nahezu bäuerliche Handfestigkeit. An dieser Herrscherin beißen sich auch die Männer die Zähne aus. Scharf und kraftvoll der Gesang, mit Druck in der Höhe.

Joyce DiDonato ist ebenso bekannt für starke Rollendarstellungen. Mit ihrem umfangreichen dunklen Mezzo, der geschmeidig ja auch lyrisch Höhen tönen lässt sowie sich zum energiegeladenen dramatischen Charakter einfärbt gelingt ihr wieder eine überzeugende Leistung als Maria Stuarda.

Matthew Polenzani als Graf Leicester, der treue Liebhaber bis in den Tod, lässt seinen Tenor Schmelz und Farbe versprühen. Giorgio Talbot, der ergebene honore Beistand Marias zeichnet Matthew Rose mit Gefühl, Innigkeit und aristrokratischer Würde. Sein Bass verstreut mystische Tiefe aber auch väterliche Weiche.

Maurizio Benini am Pult lässt die Partitur in herrlichen Farben und Stimmungen sprühen, dezent aber immer präsent führt er mit Schwung und Spannung durch die Geschichte und hält den Spannungsbogen aufrecht. Feinster Belcanto schimmert über weite Stellen. Mit dem großen bestens einstudierten Chor weiß er behutsam umzugehen. Ein weiterer Aufführungshöhepunkt, den die Metropolitan Opera im kostenlosen Stream den ausgetrockneten Opernliebhabern Trost spendend zur Verfügung stellt.

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