Marina Abramovichs Ausflug in die Oper - Viele bunte Bilder und am Ende bleibt Maria Callas

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Marina trifft Maria“, viel wurde bereits über dieses Opernprojekt als großes Kunstereignis in der letzten Spielzeit der bayerischen Staatsoper gesprochen, geschrieben und diskutiert. Zu Ostern hätte die Welturaufführung stattfinden sollen, anschließend waren u.a. Aufführungen in Berlin, Athen, Rijeka und Paris terminiert. Aber mit Corona kam vieles anders. Jetzt hat die Weltpremiere zur Eröffnung der diesjährigen Spielzeit der Oper in einem neu gestalteten Spielplan stattgefunden. Kurz vor der Premiere – gerade noch rechtzeitig wurde von der Staatsregierung eine Aufstockung der Zuschauerzahlen von 200 auf 500 erlaubt und die Tickets waren schnell vergriffen.

Die gefeierte Performance Künstlerin Marina Abramovich greift 7 große Rollen der unsterblichen Maria Callas auf, die im Tod der Heldin gipfeln. Sieben berühmte Arien aus den Opern La Traviata, Tosca, Otello, Madame Butterfly, Carmen, Lucia di Lammermoor und natürlich Norma werden von sieben jungen Sängerin in einheitlicher einfacher Robe dargebracht, während die Künstlerin totengleich in einem Bett auf der leeren Bühne liegt. Das Orchester der bayerischen Staatsoper begleitet einfühlsam etwas getragen unter Einhaltung der Abstände unter dem jungen israelischen Dirigenten Yoel Gamzon. Dahinter läuft in Großaufnahme jeweils eine filmische Interpretation des Heldinnen Todes ab. Der amerikanische Schauspieler Willem Defoe tritt dabei als Partner der albanisch stämmigen Künstlerin auf, die hier auch mit ihrer äußeren Ähnlichkeit mit der Operndiva anzuspielen versucht.

Effektvoll stürzt Tosca von einem Wolkenkratzer auf eine geparkte Limousine, Desdemona wird eine Würgeschlange um den Hals gelegt oder Cio Cio San erliegt in der atomaren Verseuchung, um ein paar der mehr oder minder gelungenen Greuelszenen anzuführen.

Bunte Wolkenformationen zwischen Abendrot und Düsternis als Videoinstallation mit sphärischen Tönen verbindet die Sequenzen. Nachdem Norma in der Feuersbrunst ihren Tod gefunden hat gibt es einen szenischen Sprung. Es öffnet sich die Bühne und das Publikum erlebt die vermeintlich letzten Minuten des wahren Lebens von Maria Callas, gespielt von Marina Abramovich. Dazu komponierte Marko Nikodijevic eine gefällige frisch und feierlich anmutende Musik für groß instrumentiertes Orchester und Chor. Hierfür werden auch die Seitenlogen genutzt, um ausreichend Platz für die Musiker zu finden. Der junge Dirigent führt das Aufgebot exakt und klar. Das Sterbezimmer wurde originalgetreu nachgebaut. Ein letztes Aufbäumen, ein letztes Mal spürt, bewegt die Künstlerin ihren Körper. Erinnerungen an Lebenspartner und Künstlerfreunde werden wach. Einfühlsam bewegend nähert sie sich glaubwürdig dem Tod. Dann verschwindet sie symbolhaft im Nebenraum.

Soweit sehr gut. Danach marschieren die sieben jungen Sängerinnen als Kammerzofen auf und ihre Robe erklärt sich von selbst. Es wird kräftig mit Maske geputzt und desinfiziert. Ein Schuß Corona zur Aktualität. Die Möbel werden in schwarze Tücher eingehüllt – kafkesk mutet das Bild als Grablegung des Mythos Callas an. Dies steigert sich noch in einem finalen Auftritt der Künstlerin vor geschlossenem Vorhang in gold glitzernder Robe – dazu singt der Mythos Maria Callas aus dem OFF ihre wohl berühmteste Arie Casta Diva aus Bellinis Norma. Der Mythos Callas lebt und überzeugt - Marina Abramovich wirkt peinlich und flach.

 

Das Publikum spendet heftig Beifall.

 

 

 

 

 

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