Mailänder Scala Ariadne auf Naxos - Der Hausherr spielt auf

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Das ist nicht alltäglich. Ein echter Opernhaus Intendant stehlt selbst auf die Bühne und spielt mit. Und das gar nicht schlecht. Der gebürtige Wiener Alexander Pereira ist seit 1. September 2014 Intendant und künstlerischer Direktor der Mailänder Scala und nach anfänglichen Unstimmigkeiten über seinen Einkauf von Produktionen aus Salzburg mittlerweile vom Publikum und vermutlich auch von der Politik geschätzter Leiter des weltberühmten Opernhauses. Nunmehr überrascht er sein Publikum und schlüpft in die Rolle des resoluten Haushofmeisters, der den engagierten Musikern die Wünsche des kapriziösen Hausherrn zu übermitteln hat. Eine Rolle, die ihm sichtlich Spass macht und auch zu seiner aktuellen beruflichen Aufgabe passt. In barocker roter Lakaienuniform erscheint er in der Inszenierung des jungen Briten Frederic Wake Walker, der sich mit einer klaren Linie seiner Interpretation dieser Oper in der Oper schwer tut.

Jamie Vartan gestaltet für das Vorspiel den Nachbau eines prächtigen barocken Stiegenhauses und postiert unpassend Wohnwägen mitten ins Foyer. In diesen nehmen die eingeladenen rivalisierenden Künstlergruppen Platz, die die folgende Oper für den Hausherrn aufführen sollen. Für die Oper selbst gestaltet der Bühnenbildner im Anschluss einen modernen weiss ausgekleideten Raum, ein rundes weisses Podest für die trauernde Ariadne in der Bühnenmitte, welches wie eine Muschel verschlossen wird. Davor wachsen dicht aneinandergereiht blaue Kegel aus dem Boden, das Meer symbolisierend. Eine breite Treppe kommt mit dem rettenden Bacchus von hinten und im nunmehr dunklen Bühnenraum steigen Ariadne und Bacchus vereint die Treppe unter Sternenhimmel und grossem bunten Videofeuerwerk empor. Dazwischen führt Frederic Wake Walker die zahlreichen Protagonisten unbestimmt auf der Bühne herum.

So bleibt Zeit sich auf die Musik zu konzentrieren, welche unter der Führung von Franz Welser Möst herrlich aufgetischt wird. Konsequent zieht er den kammermusikalischen Charakter der Musik durch. Er lässt die Instrumentensoli markant erklingen und führt die Stimmen transparent zusammen. Weich und erfüllend berührt der volle Orchesterklang. Geschickt und verspielt pointiert er die verschiedenen tänzerischen und folkloristischen Elemente. Krassimira Stoyanova als Ariadne ist der Star des Abends und ihre Arie gestaltet sie intelligent und gefühlvoll. Wohlverständlich in der Diktion nutzt sie ihre Stimme für einen liedhaften unprätentiösen Gesang. Intim auch die Gestik. Sabine Devieilhe bleibt eine farblose Zerbinetta. Ihre Koloraturen bleiben unspektakulär und auch nicht immer sicher intoniert. Im Spiel wirkt die zarte Französin unbeholfen. Daniela Sindram versteht es den Komponisten im Vorspiel viel Aufmerksamkeit zu erwecken. Mit kräftiger fester Stimme baut sie nuancenreich ihre Emotionen ein. Michael König wirkt mit Statur und Stimme als lebensfroher Bacchus. Markus Werba liefert sich als Musiklehrer mit dem Haushofmeister ein zündendes Zwiegespräch.

Das italienische Publikum zeigt Zurückhaltung gegenüber diesem sperrigen Opus von Richard Strauss. Manche suchen bereits in der Pause das Weite. Am Ende ist es aber erfüllt von dem Zauber der Harmonien und Melodien, welche Richard Strauss immer wieder zusammenführt und spendet begeistert Beifall.

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