Magisch und betörend ist die Wiederaufnahme von "Der fliegende Holländer" in München

Xl_img_1496 Es stürmt und die Gischt ist nahezu fühlbar. Im Orchestergraben malt Asher Fisch romantische reale Bilder mit dem bayerischen Staatsorchester und lässt das Orchester vollmundig, frisch und in der Lautstärke sehr ausbalanciert spielen. Er gestaltet die märchenhafte Geschichte prosareich als Liebestragödie der beiden Kontrahenten Erik und Holländer und zeichnet Senta als in ihrer Welt verhaftete Tochter aus gutem Haus. Unverändert überzeugend und mit seinen Einfällen erfrischend ist diese aus 2006 stammende Inszenierung von Peter Konwitschny. Noch sehr traditionell im Theaterstil nahezu barock der erste Akt. Eine Felslandschaft wird von den Seiten auf die Bühne geschoben, im Hintergrund zeigt eine Videoinstallation das tosende Meer in der besagten Bucht welches sich langsam beruhigt. Von den Seiten kommen zwei Landungsbrücken, eine mit Spinnweben überzogen. Der Holländer tritt entsprechend in barockem Kostüm mit Umhang und Hut mit Feder auf. Im zweiten Akt befinden wir uns in einer Spinning Klasse, in der die jungen Dorfbewohnerinnen sportlich ambitioniert am Rad trainieren. Erik gesellt sich im Bademantel und Adiletten dazu. Im letzten Akt wird eine Lagerhalle am Hafen für ein Fest umgewandelt. Tische und Bänke, eine grosse Theke sind aufgestellt. Ein paar Fässer stehen herum, die sich am Ende als Sprengstoff entpuppen, welche von Senta in ihrer Verzweiflung entzündet werden. Fern aus der Retorte wird die Schlussmusik vom Band abgespielt. Bryn Terfel hat wiederum die Titelpartie übernommen und überrascht in dieser Wiederaufnahme mit einer neuartigen sängerischen Gestaltung. Förmlich im breit angelegten Sprechgesang agiert er im ersten Akt. Erst im Gespräch mit Hans Peter König als Daland wird es romantisch lyrisch und melodienreich. Beide zeigen ihre kräftigen und mit Volumen unterlegten Stimmen. Derweilen schüchtert Anja Kampe ihre Freundinnen mit einer kraftvollen und ebenso gefühlvoll erzählten Ballade vom fliegenden Holländer ein, mit dem sie sich kurz darauf in einem anmutigen Duett, die gegenseitige Liebe beschwörend vereinen soll. Wookyung Kim versucht Senta noch stimmlich formvollendet emotional aufgewirbelt vergeblich zu erreichen. Sicher und lyrisch mit Schmelz besticht der Koreaner auch mit guter Verständlichkeit und sauberer Betonung und Lautmalerei. Bestens von Sören Eckhoff vorbereitet und im Spiel gestenreich ist der Chor, der im dritten Akt dominant das Geschehen vorantreibt. Viel Applaus Dr. Helmut Pitsch | Drucken

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