Lorca - Großes Tanztheater über eine außergewöhnliche Persönlichkeit in Innsbruck

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Lorca Tanzstück von Enrique Gasa Valga

Tiroler Landestheater 14.1.2022

Großes Tanztheater über eine außergewöhnliche Persönlichkeit   

Frederico Garcia Lorca ist der bedeutendste Lyriker und Schriftsteller Spaniens des letzten Jahrhunderts. 1898 in einer vermögendee Familie in Andalusien geboren, widmete er sich während seines Jura Studiums seiner literatischen Begabung. Seine Gedichte verschafften ihm bereits in jungen Jahren Ruhm und Ansehen. Seine Theaterstücke festigen seinen Einfluss auf das künstlerische Leben der jungen Republik Spaniens und darüberhinaus. Tragisch und noch heute ein dunkler Fleck in der spanischen Geschichte ist seine mutwillige Hinrichtung 1936 am Strassenrand durch die Putschisten Francos ohne Gerichtsverhandlung und Verurteilung. Bis heute ist seine Grabstätte unbekannt.

Der Mythos Lorca, das schillernde Leben, seine Freundschaft mit Salvador Dali und Luis Bunuel, zwei Zeitgenossen, die ebenso das spanische Kulturleben prägten, seine ausgedehnten Reisen nach  New York, Kuba und Argentinien sowie seine versteckte und erst spät ausgelebte Homosexualität sind Stoff genug für einen faszinierenden Ballettabend. Enrique Gasa Valga, der Leiter der Innsbrucker Ballettcompagnie überrascht und begeistert seit Jahren mit immer wieder außergewöhnlichen umfangreichen eigenen Kreationen. Sowohl seine individuelle Dramaturgie, sein eigenes Libretto sowie Musikauswahl stehen hinter diesen schöpferischen Choreografien. Zusätzlich ist auch seine ausdrucksstarke Stimme als Sprecher einzelner Gedichte zu hören.

Seine Tänzer und Tänzerinnen überzeugen auch als Sänger und insbesondere Marco La Presti auf der Gitarre. In zwei Teilen in einer raschen Abfolge von mitreißenden Bildern spult Valga und seine mit Hingabe und spürbarer Begeisterung tanzende Compagnie das Leben und die Umwelt Lorcas ab. Der Betrachter wird in den Sog der sehr realistischen emotionalen Darstellung nach Andalusien gefüllt mit den Klängen des Flamenco, entführt, wo Lorca eine glückliche Kindheit verbrachte. Anschließend nach Madrid der Studienjahre, nach New York, wo Lorca seine erste gleichgeschlechtliche Liebe erlebte, und nach Kuba, wo er ausschweifend seine Berühmtheit spürte. In Argentinien strömen Tango Klänge durch den Raum bevor die Zuschauer seine Verhaftung und Folterung erleben. Ein Schuss setzt ein abruptes Ende im Dunkeln. Danach beklagen Witwen das brutale Schicksal Lorcas als auch des gebeutelten Spanien im Bürgerkrieg.

Dazu schuf Helfried Lauckner ein perfekt passendes Bühnenbild aus Gitterwänden, die sich öffnen lassen, aber das Gefangen sein Lorcas symbolisieren. Effektvoll sind auch einzelne Szenen hinter transparenten Stoffbahnen. Birgit Edelbauer-Heiss steckt die Tänzer in elegante Kostüme, den Inhalt gut begleitend. Hell leuchtet David Seebacher die Bühne aus, nichts soll im Verborgenen bleiben.

Die einfallsreiche expressive Choreografie ist ungemein vielseitig. Sie nimmt viele Elemente der verschiedenen Tanzkulturen auf, zeigt aber die markante Handschrift Valgas. Akrobatische Körperbeherrschung wird in anspruchsvollen Figuren und Tanzschritten genauso gefordert wie perfekte Körperbeherrschung in Figuren, Pas de deux und großen Auftritten der Compagnie. Imponierend ist die Leistung von Josue Ullate in der Titelrolle, der nahezu ständig im Mittelpunkt steht. Seine Pas de deux mit Oumy Cisse den Stierkampf verherrlichend oder der homoerotische Ausflug mit Addison Ector als Geliebter in New York sind starke Höhepunkte des insgesamt auf höchstem Niveau geführten Abend. Stimmig und farbenfroh ist die Auswahl der Musik vom Band eingespielt.

Ein großartiger Abend der die Zuschauer immer wieder zu heftigen Zwischenapplaus animiert und am Ende zu stehenden Ovationen führt.

Dr. Helmut Pitsch

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