© Helmut Pitsch
Richard Wagner Lohengrin Oper Sofia Wagner Tage 2026
Lohengrin in Sofia - Ein strahlender Ritter in Mission
Das Opernhaus Sofia beschließt nunmehr seit mehreren Jahren ihre Spielsaison mit einem ausgedehnten Wagnerfestival, in dem nahezu alle Opern des deutschen Komponisten aufgeführt werden. Ein Anspruch, dem nur wenige Häuser nahekommen. Intendant Plamen Kartaloff führt selbst Regie und hat einen aussagekräftigen traditionellen Interpretationsstil entwickelt, der nah am Orginalgeschehen und Text bleibt.
Die Mittel der bulgarischen Staatsoper sind vergleichsweise eingeschränkt, dies tut der Aussagekraft keinen Abbruch. Die Kreativität, Sensibilität und der spürbare Zusammenhalt der zumeist bulgarischen Sänger münden in eine mitreissende Darbietung. Davon konnte sich der angereiste Besucher in der Wiederaufnahme von Lohengrin ein Bild machen.
Die Bühne wird zumeist hell ausgeleuchtet, Tageszeiten wiedergegebend. einen blattlosen Baum stellt Bühnenbildner Hans Kudlich in die Mitte, der am Ende in der Mitte zerbricht wie das Glück Lohengrins. Wenige Requisiten schaffen Räume zumeist verbreiten große Stoffbahnen Stimmungen wie im Hochzeitsgemach. Mario Dice schuf historisierte Kostüme, den Titelhelden kleidet er in weiß, Flügelärmel erinnern an den Schwan. Dieser taucht symbolisch als zwei große Federflügel auf, Lohengrin auf einer erhöhten Rampe umrahmend.
Sehr ruhig, etwas schleppend startet Martijn Dendievel am Pult mit der Ouvertüre, die zum Teil auch bebildert wird. Ein großer Kreis von Mönchen, die Gralsritter, halten ihr Ritual ab, ein Mitglied schält sich heraus. Das Orchester der Oper Sofia hat in der alljährlichen Aufführungsserie deutliche Entwicklung genommen. Die Zusammenarbeit mit vielen internationalen Dirigenten schult die Musiker und die Erfahrung aus unterschiedlichen Stilen und Dirigaten fördert Sicherheut im Umgang mit der Partitur.
Der junge Belgier studierte in Weimar und ist derzeit Chef der Hofer Symphoniker. Er wächst mit dem Orchester inmer flüssiger zusammen, fordert klare Klänge, setzt Akzente und über den Abend steigert sich Spannung, Lebendigkeit und romantische Farbenpracht - Wagnersche breite Entladung inklusive. Dabei wird die Dramatik der von Intrige und Verrat bestimmten Geschichte um die unschuldig Angeklagte Elsa musikalisch überzeugend abgebildet.
Für die Besetzung der Titelrolle wurde der international bekannte und auch Bayreuth erfahrene Simon O‘Neill engagiert. Der Neuseeländer hat einen hellen sicheren Tenor, silbrig klingend mit wenig dramatischem Steigerungspotential. Dafür ist seine Wortdeutlichkeit , wie auch die der meisten Mitwirkenden hervorzuheben. Hier wird viel Wert daraufgelegt und auch mit deutschsprachigen Coaches gearbeitet. Hölzern bewegt er sich mit wenig Emotionen.
Alma-Lisa Bandalovska ist eine präsente Elsa mit ihrer kräftigen Stimme, ihr Vibrato versucht sie mit Technik geschickt kleinzuhalten, ebenso den metallenen Klang ihrer mächtigen Stimme. Dies gelingt ihr zumeist gut und gibt ihrer Rolle Charakter. Ventseslav Anastasov überzeugt als Telramund, insbesondere kommen die Qualitäten seines breitangelegten tief sitzenden Bariton besonders zur Geltung, wenn er nicht zu sehr an der Aussprache, der Betonung der einzelnen Buchstaben hängt. Gabriela Georgieva gibt eine starke, machthungrige Ortrud, die ihrem Telramund zu überzeugen weiß und ihn mystisch in das Geheimnis einweist. Ihre Stimme ist nicht trocken böse, sondern sie führt auch gesanglich sehr cantabel. Biser Georgiev ist ein ehrenhafter würdevoller Heinrich, der mit voller Basstimme das Volk bestimmt.Mit Atanas Mladenov ist der Heerufer stimmlich frisch und hell eine lyrisch überzeugende Besetzkng.
Hervorzuheben ist die eindrucksvolle harmonisch und in der Aussprache sehr gut vorbereitete Leistung des Chores, der stark zu dem Erfolg dieses Abends beigetragen hat.
Große Begeisterung im Publikum, mit zahlreichen internationalen Gästen.
Dr. Helmut Pitsch
01. Juli 2026 | Drucken
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