Landestheater Innsbruck ein Traum wird getanzte Wirklichkeit

Xl_img_1372 © Rupert Lari
Shakespeares Sommernachtstraum ist eine kompakte Komödie mit vielen Handlungsebenen und eigentlich steckt viel Tragik darin. Eine verbotene Liebe und eine Familienfehde wie wir sie aus Romeo und Julia kennen. Eifersucht, Enttäuschung sowie ein Liebestod werden durch geniale Einfälle und zu einer heiteren Geschichte mit gutem Ausgang. Insgesamt ein Stoff, aus dem Träume sind und Träume wirklich werden können. So erlebt es der Betrachter der jüngsten Kreation des Direktors der Tanzcompany des Landestheater Innsbrucks. Enrique Gasa Valga hat in der Tiroler Landeshauptstadt eine wahre Tanzeuphorie ausgelöst. Mit seinen ausgefeilten intellektuellen und tänzerisch hochwertigen Schöpfungen spricht er das Publikum an und füllt das Theater regelmässig bis auf den letzten Platz. Tanzstück nennt er diese Choreograhie auf dem Theaterstück A Midsummernight's Dream des genialen britischen Dramatikers William Shakespeare basierend und neben Tanz spielen seine Tänzer auch und verleihen dem Abend einen besonderen Einblick in die Weiterentwicklung des modernen Balletts. Felix Mendelssohn Bartholdy hat eine berühmte Ballettmusik zu diesem Werk geschrieben. Gasa Varga aber sucht sich seine eigene Musik zu dieser Geschichte aus dem Schaffen verschiedener Komponisten zusammen, die er in 17 Einzelbilder zerlegt. Viele Bilder umrahmen die Musik von Antonio Vivaldi, mit seiner schwungvollen rhythmischen Barockmusik. Aber auch moderne Werke von Max Richter, Philipp Glass oder Astor Piazzolla vom Band schaffen eine stimmungsvolle musikalische Begleitung. Dazu gelingt Helfried Lauckner mit wenig Aufwand eine überaus gekonnte Gestaltung der Bühne. Ein grosses Tuch wird zum hell. durchfluteten Palast des Theseus, der raumfüllend zu Boden schwebt. Ein paar grüne Stangen im Nebel gehüllt werden zum Elfenhain. Darin bewegen sich die Mitglieder der Tanzcompany in ansprechenden Kostümen von Eva Praxmarer, instruiert vom ihrem Choreographen, dem beeindruckende artistische und elegante klassische Bewegungsabläufe eingefallen sind. Der amerikanische Tanzstar Addison Ector ist Gast der Company und zeigt in der Rolle des Puck sein Ausnahmetalent. In einem durchtrainierten Körper hat er sich eine Flexibilität und Beweglichkeit erhalten, die er in perfekten Figuren atemberaubend zum Ausdruck bringt. Mühelos und mit einer Leichtigkeit verdreht und verwickelt er seinen Körper, seine Arme und Beine. Wie ein Kunstturner oder Zirkusakrobat vollbringt er Kunststücke immEinklang, abgestimmt zur Musik und spricht laufend mit seinen Gesten zum Publikum. Gleich zu Beginn gewinnt er alle Sympathien, wenn er sich aus dem Vorhang herausschält und der Kobold frech und frei das Spiel eröffnet. Am Ende turnt er zu Gershwins Summertime ästethisch an der Bühnentechnik hängend, schreitet oder stolziert er munter von einem Meer aus Lichtern umgeben. Die Mitglieder der Tanzcompany zeigen sich unbeeindruckt und angespornt von seinen Leistungen. Mikael Champs als Zettel verwandelt sich märchenhaft in sein Eselsbild sowie in Pyramus. Im Pas de Deux mit der ebenfalls beeindruckenden Bakiya Zhamburchinova als Titania verschmelzen die beiden Tänzer wahrhaft. Etwas schwerfälliger wirkt Emanuele Chiesa als Oberon in seiner Anbetung Titanias. Schwungvoll, perfekt einstudiert die Auftritte der jungen irrenden und verwirrenden Liebespaare im Zauberwald. Hier schafft Gasa Vargas viele stimmige und präzise auf die Musik eingehende Schrittfolgen, Hebefiguren und Paartänze. Es erfreut den Betrachter konzentriert den vielen Details in der Bewegung und den Gesten zu folgen und sich in die Traumwelt entführen zu lassen. Am Ende lässt das Publikum seiner Begeisterung freien Lauf und bedankt sich lang anhaltend bei seinen Tänzern. Helmut Pitsch Copyright Rupert Lari | Drucken

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