La Sonnambula - ausgefeilter Belcanto in Erl

Xl_img_1397 Neben Wagner sind die Werke des Belcanto Programm bei den Tiroler Festspielen. Die diesjährige Neuinszenierung im Festspielhaus ist Vincenzo Bellinis Sonnambula gewidmet. Passend zu Erl spielt das pastorale Sujet in den schweizerischen Bergen. 1831 in Mailand uraufgeführt gehört diese Oper neben der im gleichen Jahr entstandenen Norma zu den größten Erfolgen des Komponisten und zu den Höhepunkten des Belcanto. Die Titelpartie der Amina zählt zu den Paraderollen lyrischer Koloratursoprane. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde die Oper besonders durch Maria Callas und Joan Sutherland wiederbelebt und ist heute weltweit auf den Spielplänen der Opernhäuser zu finden. Der Dirigent Friedrich Haider hat die musikalische Leitung übernommen. Er zählt zu den Spezialisten des Belcanto und so präsentiert er sich gestern. Klar, transparent, frisch führt er das Orchester und die Sänger, die sich sichtlich unter seiner Leitung wohl fühlen. Emotionen stehen im Mittelpunkt der Kompositionen. Vincenzo Bellini beschreibt in seiner musikalischen Formsprache die sensiblen Charaktere und intime Gefühlsmomente dieser einfachen Handlung im löndlichen Umfeld. Bianca Tognocchi hat hier schon öfters überzeugt und gestaltet ihre Amina mit leichtgängigen Koloraturen die sicher sitzen und in den Käufen präzise intoniert werrden ohne Anzeichen von grossen Anstrengungen. Mit klaren sauberen Spitzentönen und farbigem Ausdruck gestaltet sie zusätzlich die von vielen Emotionen getriebenen Arien und Duette. Mit Hui Jin hat sie einen erfreulich ebenbürtigen Tenor. Der Chinese hat angenehm viel Stimme mit sicheren Höhen. Giovanni Battista Parodi hat einen sonoren Bass mit Präsenz als Rodolfo. Sabine Revault d'Allonnes müht sich als Lisa mit brüchiger Stimme in den Höhen, Nicola Ziccardi steht ihr als Alessio sicher zur Seite. Die weiteren Rollen sind gelungen besetzt, der Chor ist bestens vorbereitet und die zurückhaltende Regie von Riccardo Canessa ruft keinen Widerspruch hervor. Farbige Bilder schmücken die Hinterwand, ein paar Videos beleben den Ablauf und die Kostüme von Mariano Tufano sind dem 19.Jahrhundert nachempfunden. Wie Fremdkörper stellt der Bühnenbildner Alfredo Troisi verschiedene Gegenstände aus Holz auf die Bühne. Eine runde Scheibe makiert vermutlich eine Mühle, eine Pyramide entpuppt sich als Leiter und eine Säule als gewundene Treppe. Am Ende zeigt sich eine umjubelte Premiere und ein starkes Zeichen der sich neu formierenden Festspiele. Dr. Helmut Pitsch | Drucken

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