Kirill Petrenko eröffnet Konzertsaison des Bayerischen Staatsorchesters

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Bedrich Smetana wurde eigentlich als Friedrich Smetana 1884 in Prag geboren. Der Sohn eines Bierbrauers war ein Verfechter der nationalistischen Strömung in Tschechien während der Österreich ungarischen Monarchie. Der talentierte Pianist und Komponist nahm 1856 seinen Vornamenin der tschechischen Muttersprache an und verliess auch aus politischen Gründen seine Heimat, um in Göteborg die Philharmonische Gesellschaft zu leiten. 1861 kehrte er aufgrund der Milderung des Absolutismus nach Prag zurück. Als Dirigent setzte er sich weiter für die tschechische Nationalbewegung ein bis er 1874 ertaubte und als Komponist weiter arbeitete und zahlreiche nationalistische Werke schuf. Ohrgeräusche quälten ihn und am Ende wurde er in eine psychiatrische Klinik eingeliefert wo er 1884 verstarb. Sein musikalisches Vermächtnis sind die ersten Opern in tschechischer Sprache sowie zahlreiche Orchesterwerke, die die Schönheit seiner Heimat und die traditionelle Volksmusik preisen.

Der Zyklus Ma vlast, mein Vaterland ist eine Sammlung von sechs Tondichtungen, die als vollständiges Werk 1882 in Prag uraufgeführt wurden. Die Komposition steht in engem Zusammenhang mit der Schöpfung seiner ersten Oper Libusa als nationales Festspiel sowie seiner fortschreitenden Ertaubung. Das bayerische Staatsorchester und sein künstlerischer Leiter Kirill Petrenko eröffnen die diesjährige Saison ihrer Akademiekonzerte mit diesem Zyklus. Selten wird er zur Gänze gespielt, zumeist werden einzelne Tondichtungen in Konzerten aufgeführt.

Der erste Teil Vysehrad beschreibt die Geschichte der Prager Burg. Fein gezupfte Harfenklänge nehmen balladenhaft das Lied des Barden Lumir auf. Stürmisch kriegerisch folgen wir dem Orchester bis die Burg in aller Pracht vor uns steht. Ehrfurchtsvoll hält der Maestro das Orchester auf majestätischer Lautstärke,  um gleich darauf das Gebäude einzustürzen zu lassen.  Wieder erklingen sanft die Harfenklänge, um an die Burg zu erinnern.

Der folgende Teil Vitava - die Moldau ist die bekannteste Dichtung des Zyklus. Das Werk schildert den Verlauf der Moldau. Vom kleinen Bach wird sie zum Strom und Landschaften sowie Begegnungen wie eine Bauernhochzeit ziehen am Zuhörer vorbei. Kirill Petrenko lässt das Füsschen in flotten Tempo entspringen,  beim Zusammenfluss mit anderen Bächleins wird es richtig bunt und lebendig. Das frische glasklare Wasser kann der Zuhörer sichtlich fühlen. Den Bläsern ist die technische Anforderung abzulesen. In exaktem strammen Taktschlag heizt er die Musiker an. Dann versetzt es den Dirigenten in wahrstes Entzücken. Er schunkelt im tänzerischen Rhythmus und zieht mit dem Stab weite Bögen über die Köpfe der Musiker. Dann wird es wieder unruhig im Gewässer. Er springt vor Aufregung vor dem hörbaren Wasserweer. Selten erlebt man den zukünftigen Chef der Berliner Philharmoniker so lebendig in seinem Dirigat im Ausdruck des musikalischen Geschehens versessen.

Sarka beschreibt eine klassische Episode der Amazonenkönigin Sarka, die den König Ctirad anlockt, bezirzt, heiratet und am Ende ermordet. Hier lässt er kriegerisch militärisch die Amazonen aufmarschieren, nur sehr verstohlen wird die Liebesgeschichte eingebracht. Farbig und laut wird es im mörderischen Kampf.

Ähnlich ausdruckstark zeichnet er die Bilder " Aus Böhmens Hain und Flur". Die tschechische Landschaft zieht wiederum vorbei. Tabor ist nach der gleichnamigen Stadt benannt, welche in den Hussitenkriegen eine bedeutende Rolle spielte. Ehrfürchtig erklingt der religiöse Choral als tragendes Motiv und wandert durch die einzelen Instrumente. Darüber legt er transparent fein abgestimmt die verschiedenen Verzierungen. Zum Abschluss führt uns das Orchester auf den sagenhaften Berg Blanik, wo das tschechische Heer im mystischen Schlaf wartet, um sein Volk in der Not zu verteidigen. In der Coda werden Themen aus den Teilen neu gereiht und gemischt. Fanfarenartig tritt das Choralmotiv wieder hervor, vermischt sich schwungvoll mit Landschaftsbildern und ein tänzerischer Marsch mischt sich elegant hinein. Orchester und Dirigent wachsen hier sichtlich in guter Stimmung und bestens vorbereitet zusammen und drücken meisterhaft ihr Verständnis für diese inhaltsreiche Epos aus. Unter der Leitung von Kirill Petrenko hat sich das Orchester zu einem führenden Klangkörper weiterentwickelt.

Das Publikum ist hingerissen und bricht in einen Begeisterungssturm aus. Es lässt den beliebten Dirigenten wehmütig hochleben, denn der Abschied naht.

 

 

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