Jubelsturm in München- Asmik Grigorian als Salome

Xl_84b0a3dd-8955-4485-b069-a0ac1911791a © Geoffrey Schied

Richard Strauss Salome Bayerische Staatsoper 1.3.2026

Jubelsturm in München- Asmik Grigorian als Salome

Salome 2019 bei den Salzburger Festspielen- Es war ihr internationaler Durchbruch. In der gefeierten Inszenierung von Romeo Castelluci wurde Asmik Grigorian in der Titelrolle als ausdruckstarke Sängerin und Entdeckung des Jahres gefeiert. Die Litauerin wurde zum Star der Opernwelt mit ihrer kraftvollen, wandlungsfähigen Sopranstimme und einem ausgesprochenem schauspielerischen Talent, mit dem sie ihre jeweiligen Rollen ausfüllt.

Jetzt ist sie wieder als gemarterte frustierte Königstochter am jüdischen Hof an der Bayerischen Staatsoper zu erleben. Ihre Vergeltung an Johannes dem Täufer für dessen Zurückweisung ist biblischer Stoff. Richard Strauss vertonte das gleichnamige Drama von Oscar Wilde 1905 und es machte ihn zum führenden Operkomponisten seiner Zeit. Es gleicht einer Eruption von Gefühlen, wenn Asmik Grigorian im berühmten Finale der Oper den Kopf des Johannes, hier in der abwegigen Inszenierung von Krzysztof Warlikowski in einem grauen Pappkarton statt in einer Silberschüssel serviert bekommt. Jede Bewegung, jede kleine Geste und auch die Mimik ziehen den Betrachter in den Bann. Wie eine Trophäe zieht sie den Pappkarton hinter sich her, umschlingt ihn wie ein wertvolles Geschenk, schmiegt sich an den Deckel, schaut hinein, verdeckt sich und legt liebevoll verträumt den Kopf auf den Deckel. Jedes Wort ihres Schlussmonologes durchdringt die gespannte Athmosphäre im Haus. Ihr Gesang ist Anklage und Liebesbeweis zugleich. Expressiv wie Donnerschläge und zugleich himmlisch romantische Auflösungen prägen die Musik.

Mit vollendetem Musiktheater schließt dieser spektakuläre Opernabend, der von einem exzellenten Sängerensemble und einem entflammten Thomas Guggeis am Pult des bestens disponierten Bayerischen Staatsorchester dargeboten wird. Ihren lüsternen Stiefvater Herodes gibt Georg Siegel. Auch er legt viel Emotionen in sein Spiel, zeigt vollen Einsatz im Dialog mit seiner starrsinnigen Stieftochter. Seine säuselnden wie auch die herrischen Töne können diesenicht  überreden. Wie ein fallendes Beil ist sein letzter Befehl. Claudia Mahnke ist keine schrille Herodias, sondern eine selbstbewusste Frau, ruhig und souverän neben ihrem Gatten. Wolfgang Koch erfreut besonders zu Beginn mit einer aus dem off dröhnenden aber wortdeutlichen Stimme. Im Laufe des Abends verfällt er in der Tiefe mehr zum Sprechgesang. Joachim Bäckström fällt mit seinem klaren hellen lyrischen Tenor als Narraboth auf. Avery Amereau ist ein markanter Page. Insgesamt sind alle Nebenrollen sehr gut besetzt und das Ensemble gut vorbereitet. So beeindruckt besonders auch die aufgebrachte Tischgesellschaft, in der Nazarener und Juden Herodes zu überzeugen versuchen. Selten erlebt man jede einzelne Stimme so klar und farblich abgestimmt.

All diese Leistungen setzt Thomas Guggeis mit Feingefühl und Aufmerksamkeit zusammen. Das Tempo ist sängerfreundluch gewählt, das Volumen und Klangfülle wird ständig in vielen Schattierungen variiert. Das große Orchester baut einen farbenreichen Spannungsbogen auf. Der Text wird musikalisch detailliert bebildert.

Die Regiearbeit von Krzysztof Warlikowski verwandelt den orientalischen Palast zu einer Bibliothek und den Hofstaat zu einer verfolgten jüdischen Gemeinde. Salomes Tanz wird zu einem wenig geistvollen Reigen mit einem maskierten Tanzpartner. Herodes Todesurteil wird zum Aufruf des gemeinsamen Suizid. Das Konzept geht nicht schlüssig auf, aber es entwickeln sich ansprechende Bilder.

Frenetischer Jubel und stehende Ovationen für eine herausragende Leistung der Titelheldin und einem erstklassigen Opernabend.

Dr. Helmut Pitsch

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