In Verona glitzern wieder die Sterne der Oper

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Nel cuore della musica - Im Herzen der Musik tituliert die Stiftung der Arena von Verona einfühlsam ihre diesjährige Sommersaison. Mit viel Herz, Mut und Engagement den eingeschränkten Möglichkeiten durch die Corona Virus Vorschriften entsprechend hat das Team rund um die Intendantin Cecilia Gasdia ein einzigartiges Programm bestehend aus mehreren  Konzertabenden zusammengestellt. Der Volksfest Charakter der Arena hat sich bereits in den letzten Jahren zur Qualitätsveranstaltung geändert und dieser Weg wird auch in den düsteren Zeiten für die Kultur fortgesetzt.  An elf Abenden treten viele gefeierte Opernstars für ihre nach dem lebendigen Musikerlebnis darbenden
Fans auf. Außergewöhnlich ist das dafür gewählte räumliche Konzept für die antike Spielstätte. Passend ist das Parkett geräumt und auf einem roten Podest nimmt mittig das Orchester Platz. Das stark reduzierte Publikum sitzt auf den Steinstufen im geöffneten Halbrund locker plaziert. Eine Lichtershow mit im Boden postierten sich bewegenden Spots und Projektionen auf die leeren Stufen hinter dem Orchester untermalt das Hörerlebnis optisch. Temperaturkontrollen und Mund Nasen Masken sollen die Zuschauer zusätzlich vor Infektionen schützen.

Das Orchester der Arena di Verona begleitet in grosser Besetzung und Klangvolumen unter der Stabführung von Marco Armilliato die Solisten des Abends. Immer wieder beeindruckend die hervorragende Akustik der Arena, die eine klare warme Umhüllung  der Gesangsstimmen ermöglicht. Mit den Ouvertüren aus I vespri siciliani von  Giuseppe Verdi und Don Pasquale – Gaetano Donizetti zeigt das Orchester seine künstlerische Qualität und symphonische Kapazität. Marco Armilliato hält Schwung und Spannung, weiss italienische, mediterrane Atmosphäre in Melodien einzupacken.

 

Eröffnet wird der Abend von Ambrogio Maestri  passend mit dem Prolog aus der Oper Pagliacci von Ruggero Leoncavallo. Mit "Si può? Si può?” bereitet der fahrende Künstler Tonio in dieser Oper auf die Erlebniswelt des kommenden Schauspiels vor, das Erlebnis gilt für jeden Opernabend. Mit gewachsener Körperfülle bewegt sich der grossgewachsene Bariton beschwerlich auf die Bühne und wirkt müde, vielleicht auch hitzebedingt, immerhin kocht der Stein in der Arena nach einem schwülen heissen Sommertag noch bis spät in den Abend hinein. Seine Stimme zeichnet sich durch kraftvolle Töne aus, die er in langgezogenen Stimmbögen vereinen kann. Diese Legati mit weichem Timbre unterlegt und sicheren Höhen sind seine Markenzeichen, allein an diesem Abend wirken sie angestrengt.  

 

Gross ist das Repertoire der  Russin Ekaterina Gubanova, die an vielen Häusern Erfolge feiert. In der Arie der Azucena"Stride la vampa" aus Il Trovatore von Giuseppe Verdi verleiht ihr dunkler Mezzosopran rauhe mystische Farbe in der Mittellage, klar und hell bleibt die Höhe und in der Tiefe wird ihre Stimme konturlos. Dramatik lässt Ihre Interpretation der Arie der Eboli "O don fatale" vermissen. 

 

Mit der Arie " Forse la soglia attinse….ma s'è m'è forza perderti" aus Un ballo in maschera von Verdi zeigt Yusif Eyvazov mit deutlich stärkeren Nuancen in der Stimmführung die Weiterentwicklung in seiner natürlich kräftigen Tenorstimme. Deutlich steigert er sich noch in seinen weiteren Auftritten mit den Arien La vita è inferno….o tu che in seno agli angeli aus La forza del destino und der mit voller Emotion und Kämpferwillen dargebotenen "Un dì all’azzurro spazio" aus Andrea Chénier von Umberto Giordano. 

 

Seine Gattin Anna Netrebko ist der unbestrittene Star des Abends und reisst die Zuhörer mit ihren Auftritten zu Begeisterungsstürmen hin. Ihr Rollendebüt als Elisabetta in Don Carlo von Giuseppe Verdi fand dieses Jahr in Dresden, coronabedingt vor handverlesenem Publikum mit Kammermusik statt. Mit der Arie "Tu che le  vanità" lässt sie erwartungsvolle Freude für die noch kommende richtige Umsetzung hoffentlich für alle Opernfans aufkommen. Mit der Leichtigkeit im Umgang ihres scheinbar unermesslichen Stimmvolumens bis in sphärische Höhe sowie der Flexibilität in der Tongebung versteht sie zu verzaubern. Lebendigen feinsten Operngenuss erlebt das Publikum in der Darbietung der Arie "Del sultano Amuratte….io son l’umile ancella" aus der Oper Adriana Lecouvreur von  Francesco Cilea. Ein Theaterstück im Theaterstück ermöglicht die Szene Anna Netrebko auch ihr darstellerisches Können prägnant zu präsentieren. Kokett resolut weist sie in der Rolle der Adriana Schmeicheleien zurück und erklärt sich als demütige Magd, als aufrichtige Künstlerin. Jeder in der Arena ist davon nach dem letzten Ton überzeugt. Unvergesslich überstrahlt sie zuletzt das Orchester und ihren Lebenspartner im Duett "Vicino a te s'acqueta" wiederum aus Andrea Chenier. 

Als Dankeschön gibt es in einer Zugabe nochmals Verdi. Im Schlussakt des Rigoletto treten alle vier Solisten gemeinsam auf. Wie inszeniert steht der fast Vollmond den ganzen Abend über der Arena und begleitet jetzt die glücklichen Gäste zufrieden nach Hause. Für ein paar Augenblicke sind die Entbehrungen durch den Lockdown vergessen, dem Einsatz der Künstler und Veranstalter ist es zu verdanken.  

 

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