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Georg Friedlich Händel Israel in Egitto Tiroler Festspiele 29.3.2026
Hohe Musikalität und Perfektion zum österlichen Auftakt in Erl
Die Tiroler Festspiele eröffnen die Ostertage mit dem selten aufgeführten Oratorium in drei Teilen von Georg Friedrich Händel Israel in Egitto, HWV 54 als Benefizveranstaltung für den gemeinnützigen Verein Concordia. Nach einer herzlichen Begrüssung durch den Intendanten Jonas Kaufmann und einer Segnung der österlichen Palmbuschen hebt Heinz Ferlesch den Taktstock am Pult des Barucco Ensembles mit historischen Originalinstrumenten und eine leise in düsterer Tragik gebundene Ouvertüre stimmt an. Der Chor Ad Libitum verschmilzt ruhig im feinen Piano mit den Instrumenten.
Beide Klangkörper wurden von Ferlesch ins Leben gerufen, der sich der historischen Aufführungspraxis verschrieben hat und ein profunder Kenner der Barockmusik ist. Mit Akribie muss dieses Werk einstudiert worden sein, die perfekt abgestimmte Betonung, Absprache, der harmonische Gleichklang und die Modulation der Klangfarben im Chor sind sehr ausgefeilt und gelingen perfekt. Ebenso ausgewogen und ausbalanciert erklingt das Orchester. Ferlesch ist allen Mitwirkenden sehr nah, achtet auf Einsätze und klaren Taktschlag. Seine Zeichensprache ist exakt und zurückhaltend.
Oft spricht die Musikwissenschaft auch von einem "Choratorium" bei diesem 1738 entstandenen Werk. Der Chor ist der Hauptprotagonist und bildet die verschiedenen Stimmungslagen des jüdischen Volkes in der ägyptischen Gefangenschaft und auf seinem Auszug aus Ägypten ab. Die Teilung der Fluten des roten Meeres, die glückliche Durchquerung unter Gottes schützender Hand und die Vernichtung der Verfolger bildet die Musik meisterhaft in lebendigen Bildern vom Chor verbal beschrieben ab. Mystisch, drohend, in Furcht erstarrt und in Freude frohlockend sind die Wechselbäder der Gefühle. Der Zuhörer wird wahrlich auf den Weg mitgenommen, gebannt dem Geschehen folgend.
Händel verwendete verschiedene eigene Kompositionen und fügte verschiedene Arien für Solisten ein, um dieses Oratorium zu erstellen. Oratorien ersetzen für kurze Zeit in London den Opernbetrieb. Um ein breiteres Publikum anzusprechen wurden diese im Inhalt und Aufbau verweltlicht.
Mit sicherer Hand wurde ein Solustenensemble zusammengestellt. Maria Ladurner strahlt mit hellem klaren Sopran und perlenden Koloraturen. Miriam Kutrowatzs Sopran setzt sich in dunklerer Färbung ab. Tamara Obermayr präsentiert ihren eleganten lyrischen Alt in zarten Piani. Johannes Bamberger tritt als Erzähler mit kräftigem Tenor wortdeutlich in Erscheinung. Matthias Helm und Daniel Ochoa setzen mit ihren Bässen in einem Duett einen dunklen Gegenpol.
Das begeisterte Publikum bedankt sich herzlich und kräftig für die österliche Einstimmung.
Dr. Helmut Pitsch
30. März 2026 | Drucken
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