Himmlische Freuden in weltlicher Pracht - Kent Nagano in Herrenchiemsee.

Xl_pxl_20260723_194000337 © Matthias Strobl

Himmlische Sphären Festspiele Herrenchiemsee 23.7.2026

Himmlische Freuden in weltlicher Pracht - Kent Nagano in Herrenchiemsee.

Der Titel des symphonischen Konzertes im Rahmen der Festspiele Herenchiemsee lässt sakrale Musik erwarten, Ort und Programm des Abends sind königlich und weltlich in höchster Form.

Der Spiegelsaal des Prachtschlosses Herrenchiemsee glänzt golden im sommerlichen Abendrot. Der Bayern König Ludwig II ließ sich in der Naturidylle des Chiemees eine Kopie von Versailes erbauen, welches nun als Aufführungsort für die renommierten Festspiele Herrenchiemsee dient. Sie feiern dieses Jahr ihr 25 jähriges Jubiläum. Gegründet und langjährig geleitet wurde es, wie auch das dort ansässige Orchester der KlangVerwaltung von Enoch zu Guttenberg.

Ein bayerisch weiß blauer Himmel begrüßt die Konzertbesucher, die nach einer romantischen Einstimmung an Bord eines der Fährschiffe erfrischend durch den Inselwald das Schloss erreichen. Die Fontänen der Brunnenanlage laden zum Wandeln ein bis ein übermächtiger Gong zum Konzert ruft. Durch die königlichen Gemächer, vorbei an Thron und Bett des Märchenkönigs von Brokat und Gold umrahmt, erreichen sie den imposanten Spiegelsaal, Herzstück des Palastes.

Ludwig van Beethoven, ein Anhänger der aufstrebenden Freiheitsbewegung und Romantik schuf fünf Klavierkonzerte, sein Konzert für Klavier und Orchester Nr 2 B- Dur op 19 spielte er selbst als gefeierter Pianist bei wiederkehrenden Gelegenheiten. In Herrenchiemsee tritt Mari Kodama als Solistin ans Klavier. Begleitet wird sie vom Orchester der KlangVerwaltung unter der Leitung ihres Ehemannes Kent Nagano. Die Japanerin überzeugt mit ihrer Anschlagstechnik. Leichte fließende Töne, keine übersteigerte Dramatik sondern in Disziplin und Zurückhaltung verankert, wirkt ihr Spiel. Ausgeprägt klar und ungekünstelt lässt sie ihre Kadenzen strahlen. Zu Beginn leitet das Orchester lange ein, um ihr im Anschluss ohne breite Gefühlsausbrüche zu folgen.

Die Streicher umrahmen sanft das Spiel der Solistin und spinnen die Themen weiter. Bläser setzen Akzente und bauen weitere Harmonien auf. Übermütig entwickeln Kodama und das Orchester im finalen Rondosatz einen Reigen der Themen, schwungvoll mitreißend in der rhythmischen Prägung. Für den anerkennenden Beifall bedankt sich die Solisten mit einer artistisch aufgefrischten Darbietung des berühmten Klavierstückers „Für Elise“ von Ludwig van Beethoven.

Vier Mitglieder des Orchester begeistern in der Pause vor dem Schloss mit einer mehr als romantischen Einlage an vier Alphörnern. Der satte Klang der Instrumente legt sich pastoral auf die Schlossanlage und umgebende Natur.

Nach der Pause steht mit der Symphonie Nr 4 G Dur von Gustav Mahler ein großes anspruchsvolles Werk der Romantik auf dem Programm. Eindrucksvoll dokumentiert das Orchester der KlangVerwaltung seine seine Reife und technische Qualität. Bestens vorbereitet zeigt sich der Klangkörper sehr harmonisch abgestimmt, im Klang transparent und exakt mit ausgezeichneten Solisten. Die Schwächen der Akustik im langgezogenen Raum werden durch eine kleinere Besetzung und sehr klare nahezu asketische Führung der Stimmen gut umschifft.

Bedächtig nicht eilen schrieb Mahler über den ersten Satz. Breit mit heiterem Grundton entwickelt sich eine breite einnehmende Stimmung, die im zweiten Satz eine tänzerische Wandlung erlebt. Die Solovioline durchmengt bizarr einen Ton höher gestimmt den Klang. Immer wieder treten Streicher und die besonders hell hervortretenden Bläser in Dialog.

Im Finale verarbeitet der Komponist Teile seines Liederzyklus „Des Knaben Wunderhorn“. Mit ihrer frischen hellen Sopranstimme singt Elisabeth Breuer ansteckend von himmlischen Freuden und Leben. Hier hüpft und tanzt das Orchester, behaglich im Tempo geführt, im Ton gedämpft, das Glück darf hier nicht durchdringen. Kent Nagano hält das Orchester in Spannung, mit Ruhe gibt er die Einsätze und hält intensiv Kontakt mit den Musikern. Diese folgen mit Ehrfurcht dem angesehenen Gastdirigenten, der dem Festival seit Jahren verbunden ist.

So wird der Abend zu einem großen symphonischen Erlebnis, das noch lang nachschwingt. Frenetischer Beifall

Dr. Helmut Pitsch

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