© Xiomara Bender
Richard Wagner Der fliegende Holländer Tiroler Festspiele Erl 11.7. 2026
Großes Raumgefühl und exzellente Stimmen - Der neue fliegende Holländer in Erl
Mit einer Neuinszenierung von Der Fliegende Holländer von Richard Wagner setzen die Tiroler Festspiele ihre Wagner Tradition auch unter Intendant Jonas Kaufmann im Passionsspielhaus fort. Erst langsam füllt sich die Bühne. Zuerst erscheint Senta und setzt sich auf ein hellerleuchtetes Quadrat in der Bühnenmitte, ein Modell eines Segelbootes und ein Filmprojektor erwarten sie. Josef Köpplinger stellt sie von Beginn in den Mittelpunkt seines Regiekonzeptes. Aus dem Off drängen Fanfaren. Dann nimmt erst das Orchester in der Mitte der Bühne Platz. Diesmal sichtbar ohne Gazevorhang im Bühnenhintergrund, wie sonst bisher üblich, dem fehlenden Orchestergraben geschuldet.
Zur Ouvertüre wird es dann turbulent. Eine Videoprojektion über die gesante Bühne und Teilen der Wand des Erler Passionsspielhauses taucht den Raum in eine düstere Naturstimmung tosender Gewitter und aufgebrachter See. Von oben wird mitten ins Orchester ein Mast mit eingerollten Segeln gelassen Auf einer Ebene dahinter taucht ein Steuerrad auf. Die Mateosen mühen sich im Vordergrund an Seilen. Das ganze Haus wird zu Bühne, selbst als Zuschauer fühlt man sich an Bord und Teil der Mannschaft. Noch wankt das Schiff scheinbar, doch bald tritt Ruhe ein und die Matrosen legen sich schlafen. Über Videoprojektion landet mächtig von der Musik angefeuert das mystische Schiff des sageumwobenen Holländers. Blutrote Segel und schwarzer Mast. Zeitlich verortet Köpplinger die Handlung in die Schaffenszeit des Werkes.
Im zweiten Akt wirft die Videoprojektion - Video: Meike Ebert, Christian Gasteiger, Rahael Kunig - eine stattliche Lagerhalle aus Brettern und ein paar Maschinen an die Wand, im Hintergeund ist durch offene Türen das raue Meer sichtbar. Die Spinnerinnen sind Näherinnen in langen Röcken und typisch nördlichen Hauben. Senta bleibt weiter eine nicht verstandene Aussenseiterin und zur Ballade nutzt sie wieder den Projektor. Wilde Gischt und des Holländers Schiff im Grossformat zieren die Wände im dritten Akt.
Das Regiekonzept füßt nicht nur auf das einmalige Raumgefühl, Köpplinger arbeitet auch aktiv mit den Protagonisten. Neben schuftenden und stampfenden Seeleuten sind da die emsigen Näherinnen, die für ihre Interessen fest zusammenhalten, Mary - stimmlich gut nuanciert und farblich stringent Shannon Keegan - ist zwischen der Dorfgesellschaft und den Träumen von Senta hin und hergerissen. Einen Verehrer versucht sie abzuschütteln, der Steuermann - bestens mit Matthew Newlin besetzt - hat auch ein Auge auf sie geworfen. Im emotionalen Stau und in eine Krise gefallen ist der Jäger Erik. Er fühlt sich von Senta treulos verraten. Jamez McCorkie legt hier eine Überdosis an Expressivität hinein, stimmlich intoniert der Amerikaner unsauber und zieht die Vokale hoch, vielleicht als Stilmittel von ihm gedacht aber in der Melodieführung störend.
Nina Bezu ist eine herausragende Senta, die die schwierige Partie sauber und treffsicher leicht in den Tönen und Sprüngen meistert. Mit ihrer Bühnenpräsenz und ungekünstelten Spiel wirkt sie nah und real. Christopher Maltman ist auf den internatioalen Bühnen zu Hause und gibt nun sein Hausdebüt in Erl. Bravourös zeigt er sich mit der Partie vertraut, klar und deutlich in der Aussprache. Mystisch dunkel ist die Schilderung seines Schicksals, mächtig heldenhaft seine Enttäuschung über Sentas vermeintliche Untreue. Der leidvolle Abschied klingt magisch. Mit Gabor Bretz ist ein stattlicher Routinier ihm gegenüber als Sentas Vater Daland. Seine kräftige Bassbaritonstimme vermittelt Wärme und Ehrenhaftigkeit.
Der Chor der Tiroler Festspiele erfüllt bestens vorbereitet seine umfangreichen Aufgaben. Ob resolute Spinnerinnen oder wahrhafte Haudegen als Seemäner, die Mitglieder des Chores wurden von Olga Yanum meisterhaft in die Rollen eingeführt und der Gesamtklang ist harmonisch stimmig.
Asher Fisch nimmt die schwungvolle Regie auf und begleitet Sie nicht ohne auch Akzente zu setzen. Er lässt das tosende Meer erklingen, bringt Sturm und Gewitter in den Saal. Die Streicher versetzen einen klangvollen Untergrund, Die Bläser bringen Stimmung und Schwingungen. Das Orchester ist sehr gut präpariert und folgt mit großer Aufmerksamkeit. Fisch bleibt in seinem Dirigat lebendig, differenziert und stimmig mit dem Geschehen auf der Bühne
Dr. Helmut Pitsch
14. Juli 2026 | Drucken
Kommentare