Große Symphonik in der Isarphilharmonie in München

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Olivier Messiaen Turangalila Symphonie Münchner Philharmoniker Kent Nagano Isarphilharmonie München 21.10.2021

Der französische Komponist Olivier Messiaen (1908-1992) nimmt mit seinen Werken und Schülern Pierre Boulez sowie Karlheinz Stockhausen eine zentrale Stelle in der Musikgeschichte des 20. Jahrhunderts ein. Er verarbeitete zahlreiche Einflüsse in seiner Harmonie und Chromatik, seine Nähe zur Kontrapunktik und Gregorianik ist in seiner Tätigkeit als Organist zu finden. 1946-1948 entstande seine Turangalila Symphonie fur großes Orchester, Klavier und Ondes Martenot. 1949 fand die Uraufführung in Boston unter dem Dirigat von Leonard Bernstein statt. Der Komponist bezeichnete sein zehnsätziges Werk als Liebeslied, und um Liebe kreisen die Satzbezeichnungen als auch der Titel, der aus zwei Sanskrit Wörtern besteht. Lila kann für Liebe und Tod stehen, Turanga für den Lauf der Zeit, die Bewegung und den Rhythmus.

Die Orchestrierung ist vielschichtig und umfangreich. Das Schlagzeug ist mit bis zu neun Musikern besetzt. Ausgefallen ist der Einsatz des Ondes Martenot als Soloinstrument. Dieses elektronische Instrument besticht durch seine außergewöhnliche Klangvielfalt, die sich markant über das Orchester legt. Das monophone Klanginstrument wurde 1923 vom Franzosen Maurice Martenot erfunden. Es beruht auf dem Prinzip des Schwebungssummers, dessen Ton gefiltert wird.

Kent Nagano war mehrere Jahre musikalischer Leiter der Bayerischen Staatsoper und wird vom Münchner Publikum herzlichst begrüßt. Sein exzellenter Ruf als Dirigent moderner Musik eilt ihm voran und auch an diese Abend wird er bestätigt. Akurat schlägt er den Takt gut sichtbar, unaufgeregt weist er den vielen Musikern die Einsätze und erarbeitet die Polyphonie mit Augenmass. Die mannigfaltige musikalische Welt Messiaens erweckt er zu Leben. Impressionismus, Spätromantik oder Expressivität paart sich mit strenger barocker Improvisation und Volkslied.

Prägnant kommt immer ein Leitmotiv zu Tage, ein Kniefall vor Richard Wagner, den er verehrte. Seine Symphonie steht auch in engem Bezug zu Tristan und Isolde und deren Liebesgeschichte. Das Motiv kommt bei Kent Nagano klar zu Geltung und wird in einem weiten Klangbogen verstärkt.

Pierre Lautent Aimard übernimmt den fordernden Solopart am Klavier. Souverän findet er zum Orchester und auch darüberhinaus zu einer klaren Führung im musikalischen Aufbau und Ablauf. Thomas Bloch sitzt an den Ondes Martenot. Das Instrument ähnelt einem Spieltisch eines Tasteninstrumentes und wird auch so bedient. Das Ergebnis sind aber sphärische Klänge, die wie zusammenhängende Tonläufe auf- oder absteigend klingen. Nach 90 Minuten lässt Kent Nagano nach einem melancholisch melodischen Finale die Arme sinken und ein Begeisterungsstrum braust in der unlängst eröffneten Isarphilharmonie auf.

Dr. Helmut Pitsch

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