Große Gefühle und Musikaliät des Kammerorchester Lausanne in Bukarest gezeigt

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Enescu Festival Kammerorchester Lausanne

Das Athäneum, der berühmte Konzertsaal der rumänischen Hauptstadt ist ein Zentrum des kulturellen Lebens in der Stadt und des George Enescu Festivals. Pandemiebedingt darf er in dieser Spielzeit nur zu 70% ausgelastet werden. Am Eingang werden Impfpass oder Tests streng kontrolliert. Maske ist gewohntermassen Pflicht. Bunt ist die Geschichte des 1888 erbauten ausgefallenen Rundbaus. Ursprünglich als Zirkus mit runder Manege vorgesehen, sollte es Sitz der literarischen Gesellschaft werden. Es fehlten finanzielle Mittel so wurde es zum Konzertsaal und zwischendurch zum Sitz des Abgeordnetenhauses. Heute beheimatet es das George Enescu Philharmonische Orchester. Während des gleichnamigen Festivals finden hier Kammerkonzerte, Liederabende und kleine Symphoniekonzerte statt.

Das Orchestre de Chambre de Lausanne, auch das Opernorchester der Stadt wurde 1942 gegründet. Es ist dieses Jahr mit zwei Konzerten und unterschiedlichem Programm zu Gast in Bukarest. Seit 2015 wird es vom US Amerikaner Joshua Weilerstein geführt, der auch hier die beiden Abende dirigiert. In einer Musikerfamilie geboren, startete er seine Karriere mit der Geige. Die spielt im beliebten Violinkonzert D Dur op 61 von Ludwig van Beethoven  aber Christian Tetzlaff. Der Hamburger ist eine feste Größe für gehaltvolle Interpretationen und technisch einwandfreies Spiel. Hingehauchte Pianissimi werden feinst gestrichen, jeder Ton sitzt und wird präzis geformt, bis über den Steg hinaus. Jede Note bekommt scheinbar seinen individuellen Charakter, in der Interpretation werden viele Details heraus gearbeitet und Klanggebilde zerlegt. Spannend berührend, erfrischend leicht wird seine Hingabe am Instrument in Hörgenuss umgesetzt. In seiner Zugabe, ein Stück von Johann Sebastian Bach wird ebenso an jeder Note gefeilt und ausgeprägt vielfältig musiziert.

George Enescu Streich-Oktett C Dur op 7 arrangiert für Kammerorchester ist ein großes viersätziges Werk, das in Aufbau und Gestalt den eigenwilligen Komponierstil des Rumänen und seine legendäre Geigenkunst erkennen lässt. Seicht aber markant gesetzt sind die Disharmonien, immer wieder werden dramatische Steigerungen aufgebaut, die ohne Auflösung zerfallen. Es fließt und wechselt laufend die Färbung. Im letzten Satz wälzt sich die Musik über einem strengen basso continuo vorwärts und löst sich leicht in Wohlgefallen auf. Ein interessantes absolut hörenswertes Stück, das vom Orchester mit viel Hingabe und großem Können vorgeführt wurde.

Dr. Helmut Pitsch

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