Gluck Alceste im Klinikum in neuen Rahmen gesetzt

Xl_dfcf53ae-d10c-43c5-bfcf-28cf6bd400d9 © Helmut Pitsch

Christoph Willibald Gluck Alceste Opera Incognita Grosshadern 29.8.2025

Gluck Alceste im Klinikum in neuen Rahmen gesetzt

Wie Christoph Willibald Gluck, der als Reformator der Oper zu Beginn des 18. Jahrhunderts in die Musikgeschichte einging, kann auch die private Operncompagnie Opera Incognita als Reformer in der Aufführungspraxis von klassischen Opern gesehen werden. Das Ensemble feiert dieses Jahr sein 20 jähriges Bestehen und hat sich mit seinen Produktionen, die an außergewöhnlichen Standorten mit einfachen Mitteln umgesetzt werden eine Reputation aufgebaut und ein Stammpublikum erarbeitet.

Als Jubiläumsproduktion konnte von Andreas Wiedemann und Ernst Bartmann, die zwei Günder und Leiter von Opera Incognita wieder etwas Besonderes gefunden werden. Die rührselige Geschichte der treu luebenden Ehefrau Alceste, die für ihren im Sterben liegenden Mann König Admète die Götter erweicht und durch ihren Opfertod das Leben des Gatten rettet. Zum Glück sind die Götter wohlgesonnen und Herkules befreit die Ehrenhafte aus der Unterwelt.

Für die szenische Umsetzung wurde als Aufführungsort die Kantine des Klinikums Großehadern in München ausgewählt, ein Ambiente, das gut zur Handlung passt und für den Besucher ein bewegend stimuliertes Erlebnis wird, in der Konfrontation von Krankheit und Tod. Das Krankenhaus wird zum festen Handlungsgeschehen, der erkrankte König wird von Ärzten und medizischem Personal, vom Chor ausgeführt, versorgt. Die Rettung wie auch die Überfahrt in die Unterwelt ist symbolische Wirklichkeit im Krankenausbetrieb. Humorvoll die Rettungsszene durch Herkules, der als Geschäftsmann mit schwarzem Aktenkoffer die Gunst der Herrscher der Unterwelt, hier die Ärzte, wahrlich erkauft.

Geschickt ist die Personenführung von Wiedemann um den großen länglichen Raum zu bespielen. Herausfordernd ist, die langen Besucherreihen ausreichend Anteil haben, zu lassen. So lässt er den großen Chor immer in zwei Gruppen an den Rändern auftreten und im Aufmarsch wechseln. Bordeauxrot und weiss ist die Uniform des Chores als Krankenhauspersonal, mal kommt auch noch ein durchsichtiger Regenschutz dazu. Die Königsfamilie trägt royales bordeaux elegant.

Exzellent gestaltet Ernst Bartmann die musikalische Umsetzung mit kleinem Orchester von der Seite aus. Die Musiker sind sattelfest in der Partitur, Bartmann erzeugt schwungvolle spannend geladene Momente und hält insbesondere den Chor, der wiederum sehr profund, auch in der französischen Sprache, einstudiert wurde, harmonisch zusammen. Stellenweise gekürzt umfasst die Spieldauer nahezu drei Stunden, eine reife Leistung für die vielen freiwilligen Laien - Mitglieder. Sicher in der Artikulation, engagiert im Spiel und aufmerksam im Zusammenspiel tragen die mehrvals dreißig Mitglieder wesentlich zum Erfolg des Abends bei.

Die Gesangssolisten sind zimTeil alte Bekannte, die schon in früheren Produktionen aufgetreten sind. Carolin Ritter zeigt in der Titelpartie eine selbstbewusste starke Frau, die mutig ihre Opferrolle einfordert. Stimmlich solid sitzen ihre Töne gut und sie kann ihren Gefühlen auch Farbe geben. Algin Özcan ist ein stattlicher Admète. Seiner kräftige Stimme fehlt die Leichtigkeit besonders in der Höhe, er kann aber mit gefühlvoller Inbrunst punkten, um seine Gattin von ihrem Entschluss abzubringen. Einen wahren Helden liefert Robson Bueno Taveres als Hercule. Mächtig, mitunter zu, lässt er seinen Bariton strahlen, seine Stimme ist wohl gebettet und hat die nötige Geschmeidigkeit. Dazu passt er gut in das Rollenbild als madioser Geschäftsmann. Als Oberpriester überzeugt Manuel Kundinger mit seiner weichen klar artikulierten Stimme. Sein lyrischer Bariton mutet edel, hoheitsvoll an und verleiht seiner Darstellung zusätzlich Autorität als Würdenträger. Johanna Schumertl erfreut als strahlende Evandre mit hellem Sopran, der auch in der Höhe leicht anmutet, keine Mühe zeigt und locker in der Koloratur bleibt.

Großer Jubel im ausverkauften Casino, ein begeistertes Publikum spendet stehend kräftig Beifall.

Dr. Helmut Pitsch

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