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Abschlusskonzert Tiroler Festspiele Erl 6.1.2026
Glorreicher Abschluss mit Beethovens Neunter in Erl
Draußen klirrende Kälte drinnen wohlige Wärme und emsiges Treiben. Die Tiroler Winter Festspiele gehen erfolgreich in die Zielgerade mit 97% Auslastung oder 8000 Besucher bei 13 Veranstaltungen. Mit einem feierlichen Konzert am Drei Königstag verabschiedet sich das Festival von seinem zahlreich erschienen Publikum.
Ferruccio Busoni galt als Wunderkind. Keine 10 Jahre alt wurde er bereits am Wiener Konservatorium aufgenommen. Als Pianist feierte er große Erfolge, als Komponist ist er in der Spätromantik verankert. Mit feinen Melodien in transparenter nahezu kammermusikalischen Begleitung ist sein Violinkonzert D Dur op 35a ein selten aufgeführtes Juwel. Die Violinistin Francesca Dega weiß das Werk zu interpretieren und die Schönheiten zu transportieren. Etwas nervös zu Beginn ergreift ihr Spiel und entführt in die unaufdringliche Klangwelt. Diese kommt ohne schwere Breite und dramatische Entladung zurecht. Am Pult begleitet Daniele Rustioni ebenso einfühlsam. Das Orchester der Tiroler Festspiele zeigt sich auch nach intensiven Tagen frisch und konzentriert.
Ludwig van Beethovens Symphonie Nr 9 d moll op 125 zählt wohl zu den bekanntesten klassischen Werken und wurde 2001 UNESCO Kulturerbe. Mit der Idee einer Chorkantate im Finalsatz schuf sich der Komponist Unsterblichkeit. Seine Vertonung von Friedrich Schillers Ode „Freude schöner Götterfunke“ wurde der Inbegriff von Frieden und Brüderlichkeit und zur Europahymne ausgewählt. In den drei vorangestellten Sätzen, einem Trauermarsch, einem schwelgerischem Tanz und einem getragenen Adagio klingen die Melodien der finalen Ode immer wieder durch. Rustioni und das Orchester finden gut zusammen, immer klarer und präziser wird die Modellierung der Harmonien.
Der Italiener markiert die Einsätze, dreht an der Lautstärke, die oft genug fordernd ist. Der Chor der Tiroler Festspiele - Einstudierung Olga Yanum - wird für das monumentale Finale vom Bachchor Salzburg unter der Einstudierung von Michael Schneider ergänzt. Gemeinsam erfüllen die beiden Ensembles das Festspielhaus und bringen es wahrhaft zum Schwingen. Die berühmten Worte durchdringen Haus und Publikum. Ergreifend schaffen die Solisten, allen voran der Bassist Lukas Enoch Lemcke Freiräume der Orientierung. Meredith Wohlgemuth, Manuela Leonhartsberger und Matteo Ivan Rašić stehen ihm mit klaren wortdeutlichen Stimmen zur Seite.
Eine großartige dargebotene Schlusshymne für eine gelungene Festspielsaison, die zu Ostern fortgesetzt wird. Die Tiroler Festspiele haben ihren festen Platz im internationalen Kulturkalender.
Dr. Helmut Pitsch
07. Januar 2026 | Drucken
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