© Barbara Palffy
Johann Strauss Die Fledermaus Tiroler Landestheater 8.1.2026
Fledermaus in Innsbruck konsequent entwienert aber die Musik wehrt sich standhaft.
Die Regisseurin der Neuinszenierung von Johann Strauss DIE FLEDERMAUS Jasmina Hadziahmetovic am Tiroler Landestheater verfolgt in ihrer soliden Umsetzung, die Wiener Paradeoperette konsequent von ihrem Schauplatz zu entfernen. Unterstützt vom Bühnenbildner Paul Zoller spielt der erste Akt in einem schlichten Raum, der an ein englisches Townhaus erinnert mit grossflächigen röhrenden Hirschen an der Wand. Mechthild Feuerstein steckt die Protagonisten in karierte Kostüme und Jackets, sowie die omnipräsenten Begleiterinnen von Dr. Falke in Regenmäntel an Burberry erinnernd. Im zweiten Akt entführt das Regieteam in die Villa des Prinzen Orlofsky, an eine schmucklose Pariser Varietebühne erinnernd. Frisch, bunt und schräg ist die Partygesellschaft gekleidet, von Barock bis modern. Im Gefängnis wird vor einer grauen Wand agiert, in der Mitte gibt eine Öffnung den Blick auf die sich verschiebenden Zellen frei.In der Choreografie von Andrea De Majo wird fleißig das Bein geschwungen. Zu den zündenden Polka- oder Walzerrythmen werden eigene Tanzschritte kreiert, um vom traditionellen Bild abzulenken. Ein Can Can alla Offenbach passt aber nicht wirklich, wie auch das überzogene Geschrei der Tänzerinnen.
Das Geschehen ist insgesamt schlüssig, flüssig und meist unterhaltsam, aber die mitreißenden musikalischen Effekte verblassen. Ingmar Beck greift am Pult zu einem sehr sportlichen Tempo. Schon zur unnötig durchinszenierten Ouvertüre wird schwungvoll, mitunter zu euphorisch aufgespielt. Er lässt so wenig Raum für die handelnden Personen auf der Bühne, spinnt aber einen klaren mitnehmenden Faden. Mit Gespür begleitet er die Sänger und Sängerinnen, schmückt verschiedene Szenen mit warmen Klang aus. Die wahren Hits des oftgespielten Werkes bleiben auch im Graben vom Wiener Anspruch entfernt.
Auch sprachlich wird nicht auf Wiener Dialekt oder Schmäh gesetzt. Lediglich Martin Leutgeb darf als Frosch in seiner tragenden Rolle dem Tiroler Publikum „aufs Maul schauen „ und prangert aktuelle Geschehnisse rund um bekannte Gefängnisinsassen humorvoll an.
Gut ist das Ensemble mit spielfreudigen und die Rollen charaktervoll auskleidenden Sängern des Hauses ausgewählt. Den Schwerenöter Gabriel von Eisenstein mimt Florian Stern als eleganter Salonlöwe, dessen Selbstbewusstsein von der mysteriösen ungarischen Gräfin wackelt. Diese maskierte Schöne ist bei Susanne Langbein gut aufgehoben. Gesanglich birgt ihre Rosalinde, Gabriels Frau, einen guten Schuss Dramatik und kräftige metallische Höhe.
Eine Paraderolle ist auch Prinz Orlofsky, den Bernarda Klinar als respektvollen Transvestiten mit ihrer kräftigen dunklen Stimme bestens ausfüllt. Der Gefängnisdirektor Frank ist mit Benjamin Chamandy ein aus dem Ei gepellter Gentleman, der sehr wohl ein adliger Chevalier sein könnte. Annina Wachter wandelt sich vom biederen Stubenmadl Adele zur ansprechenden Olga, wandelt auch sicher und geschmeidig in den Koloraturen. Ida, ihre Schwester ist mit der kessen Bernadette Müller eine gute Ergänzung. Den Drahtzieher des Verwandlungsspiels Dr. Falke stellt Jacob Phillips zurückhaltend und sinnig dar. Dafür ist Jason Lee als Alfred heissblütig und wirbelt umso mehr. Den Gesangslehrer nimmt man ihm mit seinen strahlenden Gesangseinlagen bestens ab.
Der muntere Reigen auf der Bühne wird vom Publikum heftig beklatscht, die spritzige Partitur von Johann Strauss mit vielen gängigen Melodien reißt immer mit.
Dr. Helmut Pitsch
09. Januar 2026 | Drucken
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