Festwochen Alte Musik Julia Lezhneva und ihr barockes Feuerwerk der Töne

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Festwochen Alte Musik Julia Lezhneva und ihr barockes Feuerwerk der Töne

Mit einem bezaubernden Lächeln, in langer gebrochen weißer Robe mit silbrig glitzernden Pailletten besetzt nimmt sie bescheiden anmutend die Ovationen des Publikums entgegen.

Die dreißig jährige kleine zierliche Julia Lezhneva begeistert seit über zehn Jahren ihre Zuhörer mit ihrer reinen klar klingenden Sopranstimme und einer perfekten Stimmtechnik. Internationale Aufmerksamkeit zog die auf Sachalin geborene Russin mit einem Auftritt bei den Rossini Festspielen in Pesaro auf sich. Mittlerweile konzentriert sie sich auf das barocke Fach und demonstriert ihre Ausnahmestellung großteils im Konzertsaal. Die Mitwirkung in szenischen Opernaufführung sind eine begehrte Seltenheit in Ihrem Kalender.

La Voce – die Stimme titulieren die Festwochen Alte Musik in Innsbruck ihren Arienabend in Innsbruck. Die Stimme steht auch im Mittelpunkt des Abends. Mit Arien von Nicola Antonio Porpora, Antonio Vivaldi, Georg Friedrich Händel und Carl Heinrich Graun präsentiert sie  musikalische Kostbarkeiten. Dabei übernimmt sie akrobatische Arien, die für Kastraten komponiert wurden, um deren außerordentliche Stimmlage besonders reizvoll erscheinen zu lassen. Aber auch klassische Sopranarien, die gefühlvolle weiche emotional getriebene Ausdrucksform mit ebenso anspruchsvoller Melodieführung besonders die Gestaltungskraft der Interpretin herausfordern. Konzentriert stellt sie sich jeweils auf den Charakter des Werkes ein und überzeugt in ihrer Interpretation auf höchsten Niveau. Neben dem ausgeprägten reinen Klang ihrer Stimme, die sie geschickt zu färben weiß, ist es ihre Atemtechnik die beeindruckt. Lang anhaltende Koloraturen zieht sie nahezu endlos, spielerisch ohne nach Luft zu schnappen. Sie versteht es den Ton zu formen und dabei mit Atem zu sparen. Mühlos intoniert sie jeden Ton, auch bei noch so raschen Tempi, nah am Geschwindigkeitslimit. Dabei glänzen ihre grossen Augen und vermitteln sichtlich Ihre grosse Freude - nahzu kindlich. Die Töne sprudeln wie Wasser aus einem Brunnen. Gleichmäßig frisch und glasklar wie ein Wasserfall. Dabei lässt sie ihren Körper im Rhythmus mitschwingen, ganz von der Musik ergriffen.

Wesentlich für den Erfolg dieses Ausnahmeabends ist aber auch die Leistung aller Mitwirkenden hervorzuheben, besonders des unerschöpflichen Einsatzes des Multitalents Dmitry Sinkovsky. Seine Karriere begann als Countertenor, aber auch seine Begabung als Violinist und Dirigent machen ihn ebenfalls zu einem gefeierten Ausnahmekünstler. Mit seiner Gründung des Ensemble Voce Instrumentale aus jungen international bereits in Wettbewerben erfolgreichen Musikern auf Originalinstrumenten hat er sich auch der Musik des Barock verschrieben, erarbeitet aber auch immer wieder mit diesem Ensemble interessante Interpretationen von Werken der Klassik bis zur Moderne. Die Geige im Ansatz führt er aufmerksam und präsent den Klangkörper, wählt Tempi mit bedacht, lässt die Aufstellung für die jeweiligen Stücke verändern. Als besonderen Solisten hat er für dieses Konzert den Lautisten Luca Planca eingeladen, der auch als Solist und Liedbegleiter u. a. von Julia Lezhneva bekannt ist und mehrere Platten aufgenommen hat. So zusammengestellt reichern sie den Abend mit verschiedenen Orchesterwerken und dem Konzert für Laute und zwei Violinen von Antonio Vivaldi an. Ein repräsentativer Querschnitt durch die musikalische Welt der Barock in einem der prachtvollsten Barocksäle, dem Riesensaal der Innsbrucker Hofburg. Unter dem musternden Blick der Habsburger Kaiser und Kaiserinnen nebst verwandten beginnt diese Musik zu leben und mancher Zuhörer hat sich sicher das Treiben in diesen Räumlichkeiten zur Entstehungszeit der musikalischen Werke und Architektur vorgestellt.

Mit der Abschlusszugabe der berühmten Arie „Lascia ch’io pianga“ aus Georg Friedrich Händels Oper Rinaldo verabschieden sich Julia Lezhneva und Luca Planca mit einer rührseligen intimen Gestaltung beim begeisterten Publikum.

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