Festspieleröffnung in München - ein neuer Parsifal düster und reich an Stars

Xl_img_1277 © Ruth Walz

Mit Spannung wurde die diesjährige Eröffnung der Münchner Opernfestspiele mit einer Neuinszenierung von Richard Wagners Parsifal erwartet. Pierre Audi, Intendant der niederländischen Oper, führt Regie und versetzt die Handlung in ein apokalyptisches spärliches Ambiente. Georg Baselitz, hochdotierter und gefeierter Künstler, gestaltet das Bühnenbild. Baum- und Knochengerippe zieren den ersten Akt, ein schwarz weisser Vorhang zeigt im zweiten Akt ein zerfallenes Gemäuer, in dem die Blumenmädchen verloren ohne Zaubergarten umherwandeln, im dritten Akt hängen die Baumgerippe verkehrt vom Plafond, typisch für das Werk des Künstlers, der seine Motive regelmässig auf den Kopf stellt. Zwischendurch gibt es immer wieder schwarze Bühnenvorhänge mit ähnlichen verdrehten Motiven. Die Personenregie beschränkt sich auf wenige subtile Momente, zumeist wird statisch oft an der Rampe gesungen. Lediglich Florence von Gerkan greift ins Volle und gestaltet voluminöse Kostüme. Die Gralsritter sind in schwere Mäntel gesteckt, derer sie sich zur Gralsenthüllung erledigen. In fleischfarbenen ausgestopften, den nackten Körper darstellenden Körperanzügen müssen sie das Abendmahl einnehmen. Ein nicht gerade einnehmender Anblick und der Sinn nicht nachvollziehbar. Den Blumenmädchen widerfährt dasselbe Schicksal. Dafür fehlen Gral oder Klingsors Zaubergarten.

So obliegt es wieder den Sängern den Abend zu gestalten und zum Erfolg zu verhelfen. Eine wohlgeile Starbesetzung wurde mit viel Gefühl zusammengesetzt. Als Zugpferd für das heimische Publikum steht der Münchner Jonas Kaufmann erstmals in der Titelrolle auf der Münchner Bühne. Sein geschmeidiger dunkler Tenor kommt mit der Rolle ohne grössere Höhen gut zurecht. Frei und facettenreich bringt er den Tor und aus Mitleid wissenden Helden. Nina Stemme vermeidet beherzt jede dramatische Schrille und setzt auch als Kundry lyrische Akzente. Rene Pape brilliert als Gurnemanz und singt sich verdient in den Mittelpunkt. Nuancenreich werden seine langen Monologe zu spannenden Erzählungen. Im Umgang mit den Höflingen, Gralsrittern, Parsifal und Kundry findet er immer den richtigen Ton von Strenge und Wärme und such in der Gestik. Selten hat man den Sänger so präsent und vielseitig erlebt. Auch Christian Gerhaher verleiht Amfortas ein besonderes Erscheinungsbild. Liedhaft ariös prangert er sein leidvolles Schicksal an und führt einen feinen Ton, klar intoniert und mit weiten offenen Melodiebögen. Dank des subtilen wohl temperierten Dirigats von Kirill Petrenko können die Sänger soviel Gestaltungsraum nutzen. Das Orchester verharrt im feinsten Piano und musiziert selbstsicher und bestens vorbereitet, wie die Instrumentensoli beweisen. Unstimmigkeiten gibt es in,der Koordination der Chöre auf und hinter der Bühne. Nur selten braust das Orchester auf und setzt zur voller Lautstärke an. Im Tempo ist der Abend breit angelegt. Viele bewusste lange Pausen bringen und halten Spannung. Unaufhaltsam fliesst das Orchester der Erlösung zu und verhallt in kosmischer Weite.

Es herrscht ergriffene Ruhe für einen langen Moment bevor sich das Publikum zu einem Begeisterungssturm hinreisst. Viele übertriebene Buhs ernten das Regieteam für deren unspektakuläre wenig provozierende Interpretation.

Helmut Pitsch
Premiere am 28.6.2018

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