© Herrenchiemsee Festspiele
Johann Sebastian Bach Kreuzstabkantate - Festspiele Herrenchiemsee 14.7.2026
Feinste barocke Klangwelt in gotischem Gemäuer am Chiemsee
Es gibt wenige Veranstalter, die auf so eindrucksvolle wie idyllische Aufführungsorte zurück greifen können, wie die Festspiele Herrenchiemsee. Neben dem berühmten Spiegelsaal des Schlosses Herrenchiemsee bietet die kleinere Fraueninsel mit dem Münster des anliegenden Klosters im See die perfekte Spielstätte für barocke Musik und dessen Meister Johann Sebastian Bach. In der aus dem 11. Jahrhundert stammenden Klosterkirche, später mit gotischen Netzgewölben und barockem Altar ausgestattet, herrscht eine besondere Athmosphäre sowie eine ausgezeichnete Akustik, warm und klar ohne Hall.
Hausorchester der Festspiele ist das Orchester der KlangVerwaltung. Für diesen dem barocken Meister gewidmeten Abend tritt es in kleiner, feiner Besetzung ohne Dirigenten an. Das Kammermusikensemble lässt sich durch die Solisten und Konzertmeisterin Rebekka Hartmann führen. Am Beginn steht das Konzert für Oboe und Violine c-Moll BWV 1060R Erst 1970 konnte es rekonstruiert werden, nachdem es von Bach selbst zu Lebzeiten für zwei Cembali umgearbeitet wurde. Die beiden Solisten,Josef Kröner Violine und Jürgen Evers Oboe zeigen große Harmonie, bestreiten ihre Soli in gegenseiteiger Achtsamkeut. Intensiver Augenkontakt für das Zusammenspiel sichert eine durchgängig fließende Interpretation. Die Themen werden mit Bedacht vorgestellt und in gegenseitigem Wechselspiel entwickelt und verdichtet. Es herrscht Vertrautheit und Verbundenheit mit dem Musikern und unter den Musikern, beide Solisten sind Mitglieder des Orchesters. Das sehr saubere Spiel wirkt mitunter gebremst aufgrund fehlender klarer Einsätze und vorsichtiger Zurückgaltung.
Kantaten sind die bedeutendste Ausprägung evangelischer Kurchenmusik. Ihren Höhepunkt erreicht die Kantate mit dem Schaffen von Johann Sebastian Bach, der über 200 religiöse und 20 weltliche Kantaten komponierte. Quasi über Jahre schuf er für jeden Sonntag eine Kantate nach dem entsprechenden Evangelium. Meist entspricht die Form der gemischten Kantate aus Konzertsatz - Rezitativ - Arioso und Arie. So kann hier auch von einer Oper gesprochen werden, wie oft in der Fachwelt diskutiert wird.
Seine Kantate „Ich habe genug“ – Kantate BWV 82 zählt zu seinen beliebtesten und meist aufgeführten. Thomas E. Bauer, findet mit seinem warmen und vollmundigen Bass den richtigen Duktus. Mit Ruhe iund Präzision erarbeitet er die Botschaft des Leides und die Sehnsucht, dem irdischen Dasein zu entkommen.
Im folgenden Konzert für Violine E-Dur BWV 1042 erfrischt Rebekka Hartmann an der Violine mit ihrem freudigen packenden Spiel auf ihrem edlen Instrument, eine nach ihr benannte Stradivari. Sie setzt das Tempo, zieht das Orchester gut eingetaktet mit und zeigt ihre technische Perfektion vereint mit einer gefühlvollen Melodieführung. Sie spielt mit den Tempi,und prägt Rhythmuswechsel. Hier wird mit Freude und gegenseitigem Respekt sehr verbunden musiziert. Die vertraute Einheit des Orchesters ist wiederum spürbar.
Zum Abschluss erklingt ein weiteres Hauptwerk Bachs, die sogenannte Kreuzstakantate bzw „Ich will den Kreuzstab gerne tragen“ – Kantate BWV 56. Der Kreuzstab steht für Leid und Schmerz, die Erlösung herbeisehnend. Der Text fusst auf dem Matthäus Evangelium . Wieder trägt Thomas E Bauer mit viiel Emphatie vor. Seine Melodiösität und Ausschmückung der Arien führt examplarisch Bach als barocken Opernkomponisten vor. Im Wechselgesang mit den verschiedenen instrumenten Soli entsteht ein feiner Dialog, der so menschlich Gefühle aufblühen lässt. Eine berührende bewegende interpretation, die umgeben von den Heiligenfiguren und der zum Himmel fahrenden hl Irmingard auf dem Altarbild eine besondere religöse Kraft umgibt.
Großer Beifall im ausverkauften Gotteshaus.
Dr. Helmut Pitsch
17. Juli 2026 | Drucken
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