Faust in Wien eine leichte Beute in mittelmäßiger Aufführung

Xl_img_1147 Faust ist zur Zeit aller Orten, ob Drama oder Oper, Oratorium oder Film. Auch Wien reiht sich ein mit einer Wiederaufnahme der umstrittenen, statisch inhaltslosen Inszenierung von Nicolas Joel. Das Bühnenbild von umfasst drei helle Stellwände auf der sonst leeren Drehbühne. Etwas mehr Szenerie und Spannung kommt in der Kirchenszene mit großer Barockorgel auf, am Pult der Star und Strippenziher des Abends, Erwin Schrott als Mephistofeles mit bewusst ausgelebter lasziver Machohaltung. Das liegt dem Südamerikaner und lässt stimmliche Schwächen vergessen. Geschickt mogelt er sich durch die Partitur, schleift Spitzentöne und intoniert ebenso lässig wie sein Spiel. Aber sein Bariton ist kraftvoll und farbenreich und sitzt fest in der Mittellage. Die Partie des Faust ist anspruchsvoll und verlangt romantische Leichtigkeit und Präzision. Jean Francois Borras nutzt in seiner Darbietung immer wieder die Kopfstimme, die in Klang und Farbe verfremdet und verliert so Geschmeidigkeit. Respektierlich ist die Mittellage, die er und das Publikum auskosten bevor in der Tiefe die Melodieführung verschwindet. Auch spielerisch holpert er willfährig neben dem dominanten Mephisto oder auch neben einer selbstbewussten Marguerite der Einspringerin Mandy Fredrich. Anna Hartig musste kurzfristig absagen und die junge deutsche Sopranistin übernahm mit jugendlichem Charme und frischer Stimmkraft. Mit der Königin der Nacht debütierte sie 2012 unter Nikolaus Harnoncourt in Salzburg, zur Zeit ist sie Ensemblemitglied in Stuttgart und hat dort die Rolle unlängst mit viel Erfolg gesungen. Den hatte sie zurecht auch in Wien. Lyrischer Ausdruck und fein geführte Melodik und sichere Töne in wohlverständlichem Französisch zeichnen ihre Darstellung aus. Leicht bewegt sie sich in allen Lagen, ohne Bruch und Farbwechsel. Markus Eiche bleibt als Valentin farblos und nützt seine romantischen Arien nicht zu mehr Präsenz. Rachel Franklin als Siebel macht das besser und überzeugender. Auffallend mit Erscheinung aber vor allem Gesang ist die Südafrikanerin Bongiwe Nakani als Marguerites freche Nachbarin Marthe. Am Pult sprüht Frédéric Chaslin Farbe und Stimmung aus. Er wechselt die Tempi rasch und überraschend und riskiert so den Gesamteindruck. Lähmende Szenen schließen sich an spritzig schwungvolle Intermezzi an. Er versteht den Geist der Grande Opera und Romantik und findet sich dort gut zurecht. Herzlicher kurzer Beifall mit Begeisterungsausbrüchen bei den Lieblingen des Abends Erwin Schrott und Mandy Fredrick. | Drucken

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