Exellenz als Leitmotiv - Spitzenorchester zu Gast in Salzburg

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Wiener und Berliner Philharmoniker Orchesterkonzerte Salzburger Festspiele 23.8.2026

Exellenz als Leitmotiv - Spitzenorchester zu Gast in Salzburg

Alljährlich im Sommer gibt sich die künstlerische Elite ein Stell Dich ein in der Mozartstadt. Es ist Anspruch und Selbstzweck der Salzburger Festspiele, die Besten der Zunft aufzufahren. So ist es Programm mit den Wiener Philharmoniker zu Mittag und den Berliner Philharmonikern am Abend die mit weltbesten Orchester an einem Tag direkt gegenüberzustellen.

Den Beginn machen die Wiener als langjähriges Haus- und Residenzorchester der Festspiele. Christian Thielemann dirigiert ein Johannes Brahms gewidmetes Programm. Augustin Hadelich ist Solist des Violinkonzertes D Dur op 77. Ein Saitenriss zu Beginn der Kadenzen im ersten Satz verursacht Schockminuten im Saal. Hadelich verlässt eilig das Podium, gefolgt vom Dirigenten. Profis genug, wird nach ein paar Minuten und kurzem Stimmen fortgesetzt, gefühlt mit noch mehr Emotion und Hingabe. Auf seiner Guatneri del Gesu entzückt der junge Geiger ebenso mit einer perfekten Technik im unprätentiösen Spiel. Irrisierend ist das Zusammenspiel mit den Wiener Philharmonikern, die mit gewohnter Nonchalanche souverän aber mit menschlicher Lässigkeit spielen. Höchste Beherrschung des Instrumentes erfordert die Zugabe. Eine Transkribtion der Mondscheinsonate für Geige mit komplexen Doppelgriffen und Entführung in die nahezu unspielbaren höchsten Töne.

Mit der ersten Symphonie c moll hat sich Brahms erst im reifen Alter von 43 Jahren als Symphoniker 1876 vorgestellt. In vielen Gesprächen haben Christian Thielemann und die Wiener Philharmoniker ihre gegenseitige Wertschätzung geäußert und ihre Freude am Zusammenspiel hervorgehoben. Dies dokumentieren sie eindrucksvoll in einer akzentuierten, vor Romantik strotzend in weichen Klangfarben. Thielemann fordert das Orchester mit strammem Tempo ohne dabei Leichtigkeit und Präzision zu verlieren. Kleine ungereimtheiten schleichen sich ein, mit dem Konzertmeister korrigirrt Thielemann umsichtig rasch. Packend das Finale, das sich aus monumentaler Schwere zu einem Ausbruch an Lebensfreude steigert. Die Philharmoniker sind wie elektrisiert, hochkonzentriert wird zusammengespielt, die Streicher arbeiten in hastigem Strich, um wiederum das Tempo zu halten. Auch der Dirigent folgt mit großen Gesten, wirbelt mit den Händen und der Stab sticht immer wieder in Richtung der einzelnen Solisten,

Die harmonische Steigerung reisst das Publikum mit und zu großen Jubel hin.

Nur wenige Stunden später führen die Berliner Philharmoniker in die Spätromantik. Unter ihrem Chefdirigenten Kirill Petrenko enträtseln sie die Enigma Variationen von Edward Elgar. Der britische Komponist versteckt in den vierzehn Variationen musikalisch porträtiert wichtige Wegbegleiter, wie u.a. seine Frau als auch sich selbst. Mit Raffinesse führt Petrenko seine Musiker. Leicht phrasiert klingt das Leitmotiv, vielschichtig arbeiten die Musiker jede einzelne Variation heraus. Ruhig und klar ist sein Taktschlag, nur wenige überbordende Gesten benötigt er um seine Wünsche an das Orchester zu senden. Besonnen und ausgeglichen konstant schwingt er den Stab.

Mit der 4. Symphonie von Peter I Tschaikowski folgt eine energiegeladene musikalische Erzählung. Lebendig farbenreich ist die Komposition, die auch ein paar autobiographische Züge haben soll. Russische aber auch persönliche Schwermut begleiten das Werk Tschaikowskis Jugenderinnerungen flammen zwischendurch auf. Prägnant zupfen die Streicher im Scherzo, reichen das Thema den Bläsern weiter Eine wuchtige Fanfare eröffnet den Finalsatz, noch einmal wird es fast pastoral intim ländlich mit einer volkstümlichen Weise bevor die Wucht des großen Orchesters zum pompösen Schluss führt.

Petrenko und die Berliner Philharmoniker zeigen Harmonie und Perfektion, feinst abgestimmtes Zusammenspiel in zarten Piani oder Volumen mit Strahlkraft. Petrenko dirigiert ruhig, vermeidet Bewegung zum Rhythmus, nur die Steigerung am Ende reisst ihn zu großen Strichen mit.

Bestnoten für diese zwei Klangkörper, die seit Jahrzehnten ihre herausragende Stellung behalten. Großer Jubel im Festspielhaus

Dr. Helmut Pitsch

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