Europäische Erstaufführung JFK von David Little - Pomp und Gefühle a la Hollywood in Augsburg

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Er war eine Kultfigur zu Lebzeiten, sein früher Tod und die rätselhaften Umstände machten ihn zum Mythos. JFK der jüngste Präsident der Vereinigten Staaten wurde am 22.11.1963 ermordet. Die Bilder des Attentats, die Tragödie seiner Familie und des gesamten Kennedy Clans sind amerikanische Zeitgeschichte. Jacqueline Kennedy seine Frau ist und bleibt Stilikone. Der junge erfolgreiche amerikanische Komponist David T. Little und der kanadische Librettist und Filmemacher Royce Vavrek schufen rund um die letzten Stunden des charismatischen Präsidenten eine abendfüllende Oper. 2016 in Fort Worth uraufgeführt erlebt das gefeierte Werk nun seine europäische Erstaufführung im Stadttheater Augsburg. In 31 Bildern erfahren wir von dem schmerzvollen Rückenleiden des Präsidenten, seiner Sexsucht, seiner familiären Bande zur, nach einer Operation geisteskranken Schwester, Brüdern und Eltern. Aber die Oper könnte auch Jackie heissen. Auch ihre Geschichte und besonders Emotionen und Gefühle dominieren an diesem Abend neben der gemeinsamen Liebesgeschichte, den gegenseitigen Gefühlen und insbesondere das Trauma der beiden verlorenen Kinder Arabella und Patrick. JFK ist ein Stück Amerika und ein gutes Stück Amerika dürfen die Zuschauer in der gekonnten Regie von Roman Hovenbitzer erleben, jede Menge Klischees inklusive. Da treten gleich zu Beginn die bestens vorbereiteten Augsburger Domsingknaben in Khaki Hosen wie Pfandfinder auf und halten die rot weiss blauen Schilder mit den typischen Wahlslogans in die Luft. Der Texaner und Vizepräsident Lyndon B Johnson trägt Cowboy Stiefel und Hut, Cheerleader schwingen die Beine und mehr. Die blonde Marylin Monroe kommt auch vorbei und verführt den feschen Präsidenten. Jackie schlüpft und entschlüpft laufend dem rosa Chanel Kostüm mit Hut. Nikita Chruschtschow marschiert in rot mit uniformierter Entourage und jeder Menge Wodka ein. Viele Videoprojektionen begleiten die Fragmente der Lebensgeschichte dieses Traumpaares. Geschickt integriert sich der Bühnennachbau der Präsidentenlimousine mit den Filmaufnahmen und verschiedene Szenen werden so lebensecht. Roman Hovenbitzer setzt noch eine Ebene auf die Handlung und lässt das Geschehen wie den Dreh eines Kinofilmes ablaufen. Zu Beginn nehmen Regisseur und Assistentin am Regiepult im Zuschauerraum Platz, aber dieser Einfall lässt sich nicht stringent durchsetzen und lenkt von der ohnehin dichten Handlung ab. Das Bühnenbild besteht aus fahrbaren Elementen, die ohne grossen Aufwand schnell neu geordnet aufgestellt werden können. Ein Hotelzimmer, die Badewanne des Präsidenten, der Rücksitz seiner Limousine und das weisse Haus sind Schauplätze des Geschehens. Flott und ohne Kanten fliessen die Szenen und Bilder ineinander, auch wenn der direkte Bezug einer Handlung in dieser Oper fehlt. In rascher Abfolge erfahren wir viel von den Qualen der beiden, von ihrer gegenseitigen Liebe und Wertschätzung in den einzelnen Momenten und dem Prolog. David T Little wurde schon als Retter und Erneuer der Oper in Amerika tituliert. Kraftvoll ungeniert und mit viel Phantasie schafft er neue Werke, die sowohl modern aber auch bekannt wirken. Er schreibt gekonnt Melodien, reizt Harmonien aus und verbindet Stilelemente des Rock mit der Klassik. Sein Schaffen darf nicht mit der Komposition von Filmmusik gleichgestellt werden. Zu elaboriert ist seine Instrumentierung zu ausgefasert seine Harmonien zu einfallsreich seine Melodien. Bewusst bewegt er sich auch in der Klangwelt des Expressionismus, Ansätze der Zwölftonmusik aber auch der Romantik und des Verismo lassen sich heraushören. Somit setzt er hohe Ansprüche an die Orchestermusiker und Sänger. Lancelot Fuhry führt sicher den Stab dieser Europäischen Erstaufführung und findet sich in dieser bunten Stilwelt sichtlich wohl. Sehr präsent steht die Orchestermusik im Raum, er lässt aber den Sängern ausreichend Raum für deren Gestaltung der Gesangspartie und begleitet die durchaus ariös wirkenden Gesänge raffiniert und ausgereizt im Wechselspiel mit den Instrumenten. Alejandro Marco Burmeister verkörpert den Titelhelden. Gesanglich stellt er sich der Partie gewachsen, doch darstellerisch kann er dem Idol nicht gerecht werden. Eine grosse Aufgabe für jeden in dieser Rolle. Hier kommt Kate Allen mit ihrer Bühnenpräsenz und der kräftigen gut eingefärbten Stimme schon näher, auch wenn im Äusseren wenig Ähnlichkeit mit Jaqueline Bouvier Kennedy besteht. Sally du Randt und Wolfgang Schwaninger übernehmen jeweils zwei Rollen. The Spinner und Clara sowie The Allotter und Rathborne. Sie präsentieren zum einen das öffentliche Interesse als Vertreter von Fernsehstationen, die das Geschehen begleiten als auch Regisseur und Cutterin in der Interpretation von Roman Hovenbitzer. Ihre Mezzo verfügt über die nötige Schärfe und amerikanischen Tonfall wie wir es aus US Nachrichtensendungen kennen, seine Stimme gerät in der anspruchsvollen Partie an ihre Grenzen und ist gepresst in den Höhen. Roman Poboinyi ist ein mächtiger gesetzter Chruschtschow, seine Macht untermauert mit dem Podest auf dem er steht. Irakli Gorgoshidze ist ein schwungvoller leutseliger Lyndon B Johnson. Der Opernchor des Staatstheater Augsburg hat in dieser Aufführung viel zu tun und verkörpert verschiedene Rollen. Bestens einstudiert tragen sie viel zu dem berechtigten Erfolg des Abends bei. Ein gelungene Einführung dieses Werkes in Europa und beim begeisterten Schlussapplaus fühlt sich der Komponist und Librettist sichtlich beeindruckt und zufrieden.

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