Es darf geträumt werden Benjamin Britten in Berlin

Xl_gpsommernachtstraum07hf_reid-quarrell

Very british, mit der nötigen Mischung aus Humor und Ironie, hat der Amerikaner Ted Huffman diese Neuinszenierung von Benjamin Brittens Oper A Midsummer Night's Dream gestaltet. Groß war der Zeitdruck, das Werk für die Neueröffnung der Jubilee Hall zu schaffen. So verfasste der Komponist zusammen mit seinem Freund, dem Tenor Peter Pears, das Libretto weitgehend den Text von William Shakespeare übernehmend selbst. Inhaltlich gekürzt beginnt das Stück erst im Wald bei Athen, in den die beiden Liebespaare Demetrius und Helena, sowie Lysander und Hermia fliehen und so in das Reich des Elfenkönigs Oberon gelangen. Der streitet sich gerade mit seiner geliebten Titania um das Sorgerecht eines Waisenkindes. Sein munterer tolpatschiger Diener Puck sorgt für Verwirrung. Am Ende findet sich alles und auch die Handwerker bekommen ihren Auftritt. Es ist eine berührende, gefühlvolle und unterhaltsame Komödie, die bereits für viele Künstler als Vorlage diente. Benjamin Britten war der erste, der sie auch dem Genre Musiktheater erfolgreich zuführte.

Der Schöpfer und bedeutendste Vertreter des modernen englischen Musiktheaters Benjamin Britten schloss die Komposition in wenigen Monaten 1959 ab. Sofort führt uns die Musik in die mystische Zauberwelt der Elfen und in sphärischen Tönen steigen wir in die Traumwelt der handelnden Personen ein, die ein anderes Bewusstsein, eine andere Gefühlswelt ausdrücken. Der Orchesterklang spiegelt die Regungen und Emotionen, zeichnet farbenfroh die Märchenwelt. Daniel Carter am Pult führt mit Bedacht und ohne überdimensionierten Orchesterklang filigran durch diesen Farbenrausch. Er lässt den Sängern ausreichend Platz und Gestaltungsraum und führt Solostimmen und Instrumente zu einer Einheit zusammen.

Marsha Ginsberg lässt den Bühnenraum leer. Der Bühnenhintergrund ist dunkel, eine große Nebelwolke liegt stimmungsvoll über der matt ausgeleuchteten Bühne.  Mit geringen Symbolen deutet sie Naturstimmungen an, eine kleine rötliche Wolke symbolisiert Abendrot, ein knallgelber Mond die Nacht. Für den Herrscherpalast taucht sie die Bühne in sanftes sattes Rot. Annemarie Woods steckt die Elfen und seine Herrscher in hellgraue Fracks, weiß geschminkte Gesichter, Augen und Mund nachgedunkelt. Die Haare sind dunkel und fes tgegeelt. Tim Huffman arbeitet mit den handelnden Personen intensiv und entwickelt eine ausgefeilte Personenregie, durch die er eine wahre Zauberwelt entstehen lässt.

Groß ist die Schar der Elfen, junge Buben, die im zackigen Schritt die Befehle ihres König Oberon ausführen. Puck ist ein wahrer Kobold, der akrobatisch durch die Luft wirbelt, an Seilen hängt und mit seinen imaginären Schritten und Bewegungen die Realität vergessen lässt. Dazu verleiht der schottische Schauspieler Jami Reid Quarell ihm eine ausgeprägte kräftige Stimme mit bestem britischem Akzent.

Zahlreiche Ensemblemitglieder und  Stipendiaten der Deutschen Oper Berlin sowie Gäste bilden den großen Kreis der Mitwirkenden. James Hall ist ein distinguierter Oberon, sein Counter ist ausgeprägt leise und zurückhaltend. Seine Geliebte Tytania lässt Jacquelyn Stucker mehr Feuer ausstrahlen. Durchgängig junge Nachwuchssänger verleihen den beiden Liebespaaren munter aufgewecktes Leben und Sehnsucht, die erste Liebe zu erleben. Gideon Poppe ist ein schlichter Lysander, Hermia wird von Karis Tucker zu einer naiven ungeschickten jungen Frau von edlem Stand. Helena von Jeanine De Bique setzt hier mehr Akzente mit darstellerischer Präsenz und einem markanten fein gefärbter Mezzo ohne Härte. Samuel Dale Johnson passt hier mit einem kraftvollen sicheren Bariton als Demetrius zu ihr.

Ungelenk führt Padraic Rowan als Theseus die Schlussszene, die von einem von der Regie mit viel Liebe ideenreich gestalteten Theaterstück über Pyramus und Thisbe geprägt wird. Dabei greift Huffman auf übergroßen Puppen zurück, die über die gepriesene Wand hindurch zueinander finden.

Mit einem Extralob ist der Kinderchor zu bedenken, der in verschiedensten Soli bestens performt und sich zu bewegen weiß. Lautstarke Begeisterung und viel Applaus vom Publikum.

| Drucken

Mehr

Kommentare

Loading