Erstklassige Wagnertradition in Budapest

Xl_img_9809 © Helmut Pitsch

Richard Wagner Parsifal Wagner Tage Palast der Künste Müpa Budapest.

Erstklassige Wagnertradition in Budapest

Seit nunmehr 20 Jahren veranstaltet das Müpa, das Konzerthaus der ungarischen Hauptstadt Budapest Wagner Tage. Gegründet als Initiative des anerkannten Wagner Spezialisten, dem ungarischen Dirigierten Adam Fischer. Nach seinem erfolgreichen Engagement bei den Bayreuther Festspielen lud er bedeutende Mitwirkende nach Budapest ein und das Festival war geboren. Seit 2016 residiert es im neugebauten, eindrucksvoll gestalteten Palast der Künste, kurz Müpa genannt. In Anlehung an Richard Wagners Anleitungen zur Regie seines letzten Werkes, dem Bühnenweihfestspiel Parsifal verlieh der Architekt dem großen Saal drei Ränge für den Chor. So folgt auch Birgit Kajtna-Wönig in ihrer Gestaltung der semi konzertanten Neuinszenierung des Parsifal für die diesjährigen Jubiläiumstage. Sie plaziert den Chor eindrucks- und vielmehr wirkungsvoll auf die zwei oberen Ränge. Gut hör- und sichtbar um das Orchester auf der Bühne plaziert. Insgesamt erreicht sie mit wenigen Mitteln auch mit tatkräftiger Unterstütztung der Sängerinnen und Sänger eine lebendige, spannende und berührende Gestaltung dieses urmenschlichen Stoffes um Leid, Macht und Erlösung.

Eine transparente Leinwand über dem Orchester am hinteren Saalrand dient als Projektionsfläche von wenigen zumeist ruhigen Naturstimmungen. Dahinter nimmt immer wieder der Chor versteckt seine Aufstellung vor und ist dann gleich in voller Größe präsent.

Die Kostüme sind einfach alltagstauglich modern bis historisiert. Ein Schwanenflügel und Speer ist auch dabei. Der Gral ist wieder einmal ein Stück schwarzer Tuffstein einen Meteoriten wiedergebend.

Aber in den Budapester Aufführungen geht es vielmehr um aussergewöhnliche hochwertige musikalische Inszenierungen. Ein letztes Mal zeichnet sich im Jubiläumsjahr der Spiritus rector Adam Fischer für die künstlerische Leitung verantwortlich. In einer Pressekonferenz zu Beginn des Festivsls wird er dafür geehrt und er übergibt symbolhaft den Dirigentenstab und eine Wagner Partitur an den zukünftigen Leiter, den jungen ungarischen Dirigenten Martin Rajna. Er ist ab Herbst diesen Jahr auch Direktor des Luxemburg Philharmonischen Orchesters.

Als Festivalorchester residiert seit Beginn das Ungarische Radio Symphonieorchester sowie dessen Chor, der für Parsifal mit dem ungarischen National- und Kinderchor wirkungsvoll ergänzt wird. Leise und zart verströmen die ersten Klänge des Vorspiels Ehrfurcht und Feierlichkeit im ausverkauften Saal. Mit Präzision und Transparenz, Feingefühl und Klarheit führt Adam Fischer ruhig und bestimmt das Orchester. Die vertiefte Vorbereitung ist hörbar, treffsicher erklingen die Hörner, im zarten Strich die Geigen. Ein erhebendes Hörgefühl nimmt Raum und Zeit ein. Volumen und Lautstärke passen, werden nicht überfrachtet und haben doch Gewicht. Das Bühnenweihfestspiel wird zelebriert, nähert sich einem sakralen Klanggebäude.

Dem liefern auch die großartig aufgestellten Chöre ein breites Fundament. Harmonisch im Gleichklang, verständlich und sicher in der Diktion bis in feinste Piani. Ob Gralsritter, Blumenmädchen oder göttliche Vorsehung, die richtige Anmut dringt durch .

Für die Solisten wurde ein edles Ensemble zumeist internationale Weltspitze zusammengestellt. Magnus Vigilius zeigt sich als ungestümer Parsifal strotzend mit jugendlicher frischer Stimme. Locker schäkert er mit den Blumenmädchen, gefühlvoll proaktiv nähert er sich der verführerischen Kundry. Geläutert und gereift kehrt er als Heilsbringer zu den Gralsrittern zurück. Eindrucksvoll seine Wandlungsfähigkeit in Stimme und Spiel, seine Wortdeutlichkeit und Kraft bis zum Ende.

Wolfgang Koch zeigt sich als Amfortas bestens bei Stimme und gibt sich kämpferisch gegen Vater und Rittergemeinschaft.

Ebenso sicher und durchgänglg klar Tijl Faveyts als edler strenger Gurnemanz. Schlank und aufrecht passt seine Erscheinung als asketischer pflichtbewusster Ritter.

Erfreulich auch das Wiedersehen mit Kurt Rydl , der über viele Jahre in zahlreichen Rollen von Richard Wagner glänzte. Hier ist er ein lebendiger Titurel, der sich gegen den Willen seines Sohnes stemmt.

Mit Anja Kampe erlebt das Haus eine wandelfähige äusserst starke Persönlichkeit in der Darstellung der Kundry. Sie ist eine zentrale Person der Handlung, des Verderbens als auch der Erlösung. Mystisch wandelt sie bei den Rittern, auftrumphend verführerisch in Klingsors Reich. Stimmlich kann sie dramatisch aufdrehen aber auch ruhige lyrische Momente erzeugen, Spannung inklusive.

Jochen Schmeckenbecher ergänzt als Klingsor sicher und souverän das Ensemble.

Hilfreich erweisen sich die beiden Codirigenten am Bühnenrand, die die Einsätze von Chor und Sänger mit anzeigen und die Auftritte achtsam verfolgen.

Großer Jubel und stehende Ovationen im Saal.

Dr. Helmut Pitsch

| Drucken

Mehr

Kommentare

Loading